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Investitionen aus China Schweizer Wirtschaft lehnt Kontrollen ab

China ist weltweit auf Einkaufstour. Gegen den drohenden Ausverkauf der Schweizer Industrie regt sich nun Widerstand.

Legende: Video Investitionen aus China: Die Schweizer Wirtschaft will keine Kontrollen abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.01.2019.

China will bis in sechs Jahren die führende Weltmacht in der High-Tech-Branche sein. Um dieses Ziel zu erreichen, ist das Reich der Mitte seit Jahren rund um den Globus auf Einkaufstour. Der Ruf nach staatlichen Investitionskontrollen wird immer lauter.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse warnt in einem Strategiepapier vor staatlichen Kontrollen bei Firmenübernahmen aus dem Ausland. Die Warnung richtet sich an Bundesrat und Parlament. Für Wirtschaftsminister Guy Parmelin könnten Investitionskontrollen bei Übernahmen kritischer Infrastruktur Sinn machen.

Erfolgsfaktor statt Gefahrenquelle

Ausländische Investitionen seien ein Erfolgsfaktor und keine Gefahrenquelle, schreibt Economiesuisse in dem Papier, das morgen veröffentlicht werden soll und SRF bereits vorliegt.

«Ein Zehntel unserer Arbeitsplätze hängt direkt von ausländischen Investitionen ab und genau so viele von Schweizer Investitionen im Ausland», sagt Jan Atteslander, Leiter der Abteilung Aussenpolitik bei Economiesuisse. «Wenn wir hier anfangen zu kontrollieren, werden wir wirtschaftliche Nachteile haben.»

Aufsehenerregende Firmenübernahmen

In gleich drei parlamentarischen Vorstössen fordern National- und Ständeräte verschiedener Parteien staatliche Kontrollen. Auslöser waren aufsehenerregende Übernahmen von Schweizer Firmen durch chinesische Käufer, besonders der Aufkauf des Schweizer Unternehmens Syngenta. 2016 kaufte der staatlich kontrollierte chinesische Betrieb Chem China Syngenta für 43 Milliarden Dollar.

Aber auch die Übernahme des Flugzeugabfertigers Swissport oder der Swiss Education Group, dem Verbund Schweizer Hotelfach und Gewerbeschulen durch Chinesen wurde vielerorts kritisch bewertet. China will 2025 Weltmarktführer im Bereich High-Tech sein. Um diese Strategie umzusetzen, ist die Regierung unter anderem auf Grosseinkaufstour in europäischen Ländern.

Legende: Video Politiker wie Beat Rieder machen sich sorgen um die Zukunft der Schweizer Wirtschaft abspielen. Laufzeit 00:07 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.01.2019.

Politik fordert Kontrollen

Deshalb haben Frankreich, Deutschland und zahlreiche andere Länder bereits Kontrollmassnahmen getroffen. Auch die Schweiz müsse kontrollieren, fordert CVP-Ständerat Beat Rieder. «Vor allem stellen wir fest, dass ausländische Staatsunternehmen, die nicht dem freien Wettbewerb unterliegen, in der Schweiz grosse Unternehmen aufkaufen. Ich fürchte mich vor Abfluss von Knowhow, Verlust von Arbeitsplätzen, aber auch vor der Tangierung der öffentlichen Sicherheit», so Rieder.

Economiesuisse schreibt, diese Kontrollen seien nicht notwendig, da strategisch bedeutende Schweizer Unternehmen in den Bereichen Sicherheit, Energie und Verkehrsinfrastruktur ohnehin mehrheitlich vom Bund kontrolliert seien. Deshalb sei die Angst vor Übernahmen aus China unbegründet.

Legende: Video Jan Atteslander von Economiesuisse sieht keinen Handlungsbedarf abspielen. Laufzeit 00:09 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.01.2019.

Parmelins Ankündigung

Demnächst will der Bundesrat einen Bericht zum Thema vorlegen. Auf Anfrage schreibt Wirtschaftsminister Guy Parmelin, die Regierung ziehe staatliche Kontrollen in Betracht. «Wir analysieren gegenwärtig die parlamentarischen Vorstösse. Bei kritischen Infrastrukturen zum Beispiel können Investitionskontrollen in einem noch zu definierenden Rahmen Sinn machen. Wichtig ist, dass keine bürokratischen Hürden aufgebaut werden.»

Noch sind sich Politik und Wirtschaft nicht einig, ob die Kaufoffensive aus China Segen oder Gefahr für die Schweiz ist.

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Graf (agraf)
    Unser Wirtschaftssystem mit ihrer Geldbeschaffung und Geldvermehrung ist eben so gebaut, dass auch Firmen mit Schlüsseltechnologien sich ihr Geld an der Börse beschaffen und da holt man sich eben Aktionäre die nur an der Rendite interessiert sind und nicht an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens. Wenn Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt wären, würden diese ihre Firma nicht einfach so mit Profit verkaufen. Regulatorien werden aber gar nichts bringen ausser Papierkrieg.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Ausverkauf der Heimat - ich kenne die Chinesen aus meiner Geschäftstätigkeit , die wollten schon vor Jahren Knowhow über die Nordkoreanische Botschaft in unserer Marktnischen -Firma ausspionieren. Höflich aber bestimmt zeigten wir ihnen die Rote Karte. Bald einmal bewarb sich ein Dr.der Chinesen ( Swissmade -ETH ) bei uns auf eine Stelle - auch da waren wir wachsam . Wer also glaubt die Chinesen kommen nur in die Schweiz um das Matterhorn zu sehen, der kennt die immer Lächelnden gar zu wenig .
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Es wir ja nicht nur eine Firma verkauft - es wird das jahrelang aufgebaute Geistige Eigentum der dort gesamten Belegschaft verscherbelt - wenn schon frei verkauft wird, dann muss der Preis derart hoch sein, dass den Chinesen schwindlig wird und der Schnauf aus geht - damit sei sehen und lernen, was Geistiges Eigentum im Westen für einen Wert besitzt und nicht einfach geklaut werden darf . So nicht ihr langsam immer frecher werdenden Seidenstrassen - Einschleicher .
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  • Kommentar von Ernst Küng (NestorBS)
    na und? es sind halt unsere kapitalisten, die lieber cash sehen und sich um nichts mehr kümmern müssen. Motto "Der Rubel rollt auch ohne arbeit" alkes andere ist egak!
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