Zum Inhalt springen

Header

Video
Beat Kummer kritisiert das EDA hart
Aus News-Clip vom 26.08.2020.
abspielen
Inhalt

Jahrelang in Ägypten Vom Vater entführtes Kind nach sechs Jahren zurück in der Schweiz

Die Rückkehr des Mädchens aus Kairo gelang erst, nachdem sich Bundesrat Ignazio Cassis persönlich eingeschaltet hatte.

Der Ehemann von Jacqueline Kummer verreiste mit der gemeinsamen Tochter in die Ferien und brachte die Kleine danach nicht mehr zurück in die Schweiz. Der Ägypter, von dem Kummer sich zuvor getrennt hatte, entführte die Tochter nach Kairo, um sie islamisch zu erziehen.

Die Mutter erinnert sich im Gespräch mit der «Rundschau» noch gut an jenen Freitagabend im Herbst 2012, an dem ihre Tochter nach Hause hätte kommen sollen. Das Handy des Vaters ist ausgeschaltet. Als sie ihn dann endlich erreicht, habe er am Telefon gelacht und gesagt: «Du wirst deine Tochter nie mehr sehen.»

Video
«Du wirst deine Tochter nie mehr sehen.»
Aus News-Clip vom 26.08.2020.
abspielen

Auf sich allein gestellt

Gegenüber der «Rundschau» spricht Jacqueline Kummer über ihre jahrelange Tortur. Nach der Entführung bleibt die Mutter allein zurück in der Schweiz. Sie weiss während Jahren nicht einmal, ob ihr Kind noch lebt. Es beginnt eine aufwendige und frustrierende Suche zusammen mit ihrem eigenen Vater, der sie in ihrer Suche stets unterstützt.

Von den Schweizer Behörden fühlen sich die beiden lange im Stich gelassen. Man habe ihnen immer wieder erklärt, dass man nicht viel ausrichten könne. Mangels Unterstützung versuchen die beiden auf eigene Faust, das Kind zurückzuholen.

Die Kummers verlieren dabei viel Geld an dubiose Firmen und angebliche Detektive. Jacqueline Kummer gibt nicht auf. Sie erkämpft sich vor Ort das ägyptische Sorgerecht und erwirkt, dass ägyptische Behörden helfen, ihre Tochter zurückzuholen. Doch alle Versuche scheitern.

Ein letzter Akt der Verzweiflung

Bei einem der letzten Versuche, das Mädchen zurückzuholen, kommt es zum Eklat mit der Schweizer Botschaft vor Ort. Von der Botschaft in Kairo wollen Kummers die Zusicherung, dass die Mutter nach dem Zugriff mit dem Kind in die Botschaft flüchten könne. Doch die Mitarbeiter vor Ort blocken ab und wollen keine Garantie abgeben.

Video
Jacqueline Kummer erlebte bange Momente
Aus News-Clip vom 26.08.2020.
abspielen

Am Ende scheitert die Aktion aber schon vorher, weil das Mädchen beim Zugriff nicht vor Ort ist.

Das sagt das EDA

Box aufklappenBox zuklappen

In einer Stellungnahme gegenüber SRF weist das Aussendepartement EDA die Vorwürfe in aller Form zurück. Nur dank des Einsatzes des EDA habe dieser Fall nach mehreren Jahren erfolgreich abgeschlossen werden können. Und weiter: «Voraussetzung für ein verstärktes Engagement des EDA war der Abschluss des Rechtsverfahrens in Ägypten im Herbst 2018. Das EDA darf sich aber weder an illegalen Aktionen beteiligen noch in laufende Rechtsverfahren einmischen.»

Das EDA bedauere, dass dieser Fall gut anderthalb Jahre nach der Lösung an die Öffentlichkeit gelange. Dies sei nicht im Interesse des Kindeswohls und gefährde die Arbeit des EDA in anderen Entführungsfällen.

Im Sommer 2018 ist die Mutter kurz davor aufzugeben. Als letzte Chance sehen sie und ihr Vater ein Gespräch mit Aussenminister Ignazio Cassis. Der Bundesrat trifft die beiden und setzt sich danach für den Fall der damals bereits neunjährigen Tochter ein.

Treffen auf höchster Stufe

Cassis setzt mit Johannes Matyassy einen Topdiplomaten auf den Fall an. Es kommt zu internationalen Treffen auf höchster Stufe. Die Schweizer Behörden koordinieren Fahndung und Zugriffe mit den ägyptischen Behörden. Und am 20. Januar 2019 erhält die Mutter ihre Tochter in Kairo auf einem Polizeiposten zurück.

Jacqueline Kummer ist dankbar für den Einsatz der Schweizer Behörden. «Sie haben mir gezeigt, dass es doch geht.» Sie hofft, dass anderen Müttern in Zukunft besser geholfen wird. «Dass sich unsere Behörden um die Mütter und Väter kümmern, die sich beim EDA melden. Dass sie ernst genommen werden. Dass sich die Schweiz einsetzt für ihre Mitbürger.»

«Rundschau»

Box aufklappenBox zuklappen
«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Rundschau» vom Mittwoch, 26.8.2020, 20.05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniela Wolf  (Wölfin)
    Natürlich ist diese Geschichte schrecklich für wohl beide Eltern. Was mir allerdings fehlt in dieser Diskussion, ist die Frage nach dem Befinden und dem Wohlergehen des Mädchens. Mit 9 Jahren hat sie doch auch eine Meinung zu ihrem Verbleib. Wiederholt aus der gewohnten Umgebung reissen? Den wohl auch geliebten Vater nicht mehr sehen? Neue Kultur? Die schwierigste Rolle in diesem Drama hat wohl das Kind. Wie ist seine Meinung dazu?
  • Kommentar von Peter Löffel  (shak7007)
    Wie kann eigentlich ein Elternteil ohne die Vollmacht des anderen mit einem Kind ausreisen? Der Zöllner hat da geschlampt! Aus China oder Russland würde man nie kein Kind ohne die Zustimmung beider Eltern ausreisen lassen. Eigentlich ist dies Usus, dass für alle minderjährigen Kinder bei Reisen ins Ausland stets eine von beiden Eltern unterschriebene Vollmacht mitgeführt werden muss.
    1. Antwort von Eberhard Sylvia  (Sylvia Eberhard)
      Wer plant sein Kind zu entführen ist sicher auch in der Lage eine Vollmacht zu fälschen. Wie soll das kontrolliert werden ob die echt ist?
  • Kommentar von Peter Imber  (Wasserfall)
    Herr Rechsteiner, Sie finden es also richtig, dass ein Vater ein Kind einfach ins Ausland entführt und der Mutter sagt, sie werde ihr Kind nie mehr sehen?! In welchem Jahrhundert sind sie gesellschaftlich stehen geblieben?
    1. Antwort von Ueli Feuz  („Üeu“)
      Wir haben hier nur eine Seite der Geschichte gehört und der Vater wird quasi abgestraft ohne angehört zu werden. Hatte evtl. auch seine redlichen Gründe für sein handeln. Wir Westler denken im Übrigen immer wir hätten die Weisheit bezüglich der Erziehung von Kindern mit dem Schuhlöffel gefressen.