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Legende: Audio Zu wenig private Standplätze für Fahrende abspielen. Laufzeit 04:34 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 19.07.2019.
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Jenische auf der Durchreise Positive Erfahrung für Landbesitzer und Dorfbewohner

In Jegenstorf, nördlich von Bern, liegt einer von 40 vorhandenen Durchgangsplätzen in der Schweiz. Er ist sehr beliebt.

Auf einer grossen Wiese neben einem Bauernhof stehen rund 20 Wohnwagen. Sie haben Bündner, Freiburger und Walliser Kennzeichen. Zwei Männer machen Feierabendmusik. Daneben sitzt eine Gruppe im Kreis und plaudert.

Einer von ihnen, der 22-jährige Brandon Birchler, erzählt, wie froh sie um diesen Platz seien. Denn solche Plätze seien schwierig zu finden. Er wisse nicht, wohin er als Nächstes gehe. Die Plätze, die er kenne, seien alle besetzt.

Gutes Verhältnis zum Landbesitzer

Darum sind die Jenischen froh, dass es diesen Platz in Jegenstorf gibt und der Landbesitzer ihn zur Verfügung stellt. Das bestätigt auch der 68-jährige Patrice Birchler. Das Land sei «sehr gut» und der Besitzer ein «sehr guter Mann». Und weil das Verhältnis zu ihm so gut ist, kommen sie immer wieder.

Zelt, hinten ein Bauernhaus
Legende: Die Jenischen telefonieren viel herum, um einen freien Platz zu finden. Sie sind froh, dass ihnen dieser in Jegenstorf zur Verfügung gestellt wird. SRF

Nun stösst Hanspeter Pfeiffer, der angesprochene Landbesitzer, zu der Gruppe. Er erzählt, dass er vor zehn Jahren von Fahrenden angefragt worden sei, ob sie auf seinem Land übernachten könnten. Zuerst habe er ein abgeerntetes Feld zur Verfügung gestellt, später dann diese Wiese.

Parkplatz, WC, Wasser und Strom

«Wir haben den Platz zusammen mit dem Kanton Bern besser eingerichtet; einen befestigten Parkplatz und ein Toilettenhäuschen erstellt, Wasserbezugsstellen und Stromverteiler installiert», erklärt Pfeiffer. «Jetzt ist es ein offiziell eingetragener Platz für Schweizer Fahrende.»

Den Fahrenden zu helfen sei seine eigentliche Motivation gewesen, erklärt der 46-jährige Agro-Kaufmann und Landwirt. Die Erfahrungen seien positiv.

Wiese mit Wohnwagen, vorne rechts eine Feuerstelle
Legende: Die Jenischen bezahlen für den Platz und die Infrastruktur, die Landwirt Pfeiffer mit dem Kanton Bern zusammen bereitgestellt hat. SRF

Auch finanziell gehe die Rechnung auf: Die Jenischen bezahlen für jeden Wohnwagen zwölf Franken pro Nacht. Im Umgang mit ihnen gebe es kaum Probleme. Auch die Leute im nahen Dorf hätten sich an die Gäste gewöhnt.

«Es ist sehr ruhig in Jegenstorf»

«Am Anfang waren sie skeptisch», so Pfeiffer. Er habe aber Ende Saison auch schon bei der Gemeinde nachgefragt, ob man von Problemen gehört habe. Die Antwort lautete: «Nichts, absolut nichts. Es ist sehr ruhig im Dorf.»

Skepsis und Vorurteile sind wohl auch dafür verantwortlich, dass es nur sehr wenige Landbesitzer gibt, die den Fahrenden helfen. Gemäss der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» bräuchte es zu den 40 vorhandenen Plätzen noch 40 zusätzliche, um die Situation zu verbessern. Die Jenischen wünschen sich denn auch mehr Personen wie Hanspeter Pfeiffer.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Meili  (Arthur Meili)
    Fragen beleidigt nicht: An einem Orte definitiv wohnen, ist doch auch super.
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    1. Antwort von martin blättler  (bruggegumper)
      Wer als Fahrender grossgeworden ist,wird es immer
      wieder hinausziehen.Mit den heutigen Möglichkeiten
      kann auch dieses Leben sauber und komfortabel gelebt
      werden.Viele verfügen über eine Winterdependance.
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Nomaden haben weltweit (siehe Berber, Indianer, Roma usw) eine Kultur, welch länger als die Sesshaftigkeit besteht, und auch weltweit anerkannt wird, mit ihren Problemen.
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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Ich darf zu meinem Freundeskreis viele einheimische Fahrende
    zählen,die auch hin und wieder auf meine Künste als Mechaniker
    zählen und diese immer fair entlohnen.Diese Geschichte hier erfreut
    mich deshalb sehr.Auch wenn es politisch unkorrekt ist:Romasippen
    und unsere eigenen Fahrenden haben nichts gemein,vom Verhalten
    beim Toilettengang bis zum Umgang mit Behörden.Eine solche Erfolgs-
    geschichte wie hier funktioniert mit unseren Leuten,sonst nicht.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Diese Erfahrung habe ich auch schon in Huttwil gemacht, dort müssen sich Fahrende für auf der Ribimatte Zugang (hat Schranken) zu erhalten bei der Gemeinde anmelden und eine Kaution hinterlegen, welche sie bei der Abreise wieder erhalten (wenn sie Ordnung halten)
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