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Jobs für Flüchtlinge Algorithmus verteilt neu Asylbewerber auf Kantone

Legende: Video Big Data im Asylwesen abspielen. Laufzeit 04:01 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.05.2018.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es ist eine Premiere: Das Staatssekretariat für Migration (SEM) setzt auf künstliche Intelligenz.
  • Ein datenbasierter Algorithmus soll dafür sorgen, dass Flüchtlinge schneller einen Job finden.
  • Den Asyl-Algorithmus testet der Bund in einem Pilotprojekt bereits ab September, wie das SEM gegenüber «10vor10» bestätigt.

Heute verteilt der Bund die Asylsuchenden zufällig auf die Kantone. Nur rund 15 Prozent haben im dritten Jahr nach der Ankunft eine Stelle. Im Pilotprojekt werden 1000 Asylsuchende genau jenem Kanton zugeteilt, in dem sie die besten Chancen auf einen Job haben. So sollen markant mehr Arbeit finden als bisher. Daniel Bach, Sprecher des SEM, sagt zu «10vor10»: «Das wäre ein grosser Schritt vorwärts. Wir sind selbst auch gespannt, wie das dann funktioniert.»

Legende: Video Daniel Bach nimmt Stellung zum Asyl-Algorithmus abspielen. Laufzeit 00:09 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.05.2018.

Programmiert haben den Algorithmus Forscher der ETH Zürich und der amerikanischen Elite-Universität Stanford. Das Programm basiert auf Big Data: Es lernt zunächst aus den Daten von zehntausenden Personen, die in der Vergangenheit aufgenommen worden sind. Diese scannt es nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Nationalität und weiteren Punkten. Und errechnet, welche Personen in welchem Kanton am ehesten Arbeit gefunden haben.

Legende: Video Dominik Hangartner zur Verteilung der Asylsuchenden abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.05.2018.

Seine Erkenntnisse wendet der Algorithmus dann auf Neu-Ankömmlinge an – und teilt jede Person genau dem Kanton zu, wo diese am schnellsten eine Stelle findet. Der Algorithmus lernt laufend: So merkt er etwa, wenn sich der Arbeitsmarkt in den Kantonen verändert, und passt sich entsprechend an.

Steigerung der Arbeitsintegration von bis zu 30 Prozent

Die Forscher erwarten einen Anstieg der Erwerbstätigkeit um bis zu 30 Prozent im dritten Aufenthaltsjahr. Ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand – einfach durch maschinelles Lernen. Dominik Hangartner, Professor für Politikanalyse an der ETH Zürich: «Für uns ist es wichtig, dass wir den Algorithmus im Feld testen können. Wir erwarten viele Erkenntnisse, die dann in die Verbesserung des Programms einfliessen.» Neben der Versuchsgruppe gibt es auch eine gleich grosse Kontrollgruppe. Diese wird nach dem bisherigen Zufallsprinzip verteilt.

Für uns ist es wichtig, dass wir den Algorithmus im Feld testen können. Wir erwarten viele Erkenntnisse, die dann in die Verbesserung des Programms einfliessen.
Autor: Dominik HangartnerProfessor für Politikanalyse an der ETH Zürich

Für das Projekt werden nur Menschen ausgewählt, die sehr gute Chancen haben, hier zu bleiben. Die Schweiz ist damit das erste Land überhaupt, das einen solchen datenbasierten Flüchtlings-Algorithmus testet. Doch das Programm findet international Anklang: «Das Interesse von diversen Ländern ist sehr gross», so Hangartner.

Ghettoisierung verhindern

Die Asylsuchenden werden heute zufällig, aber gleichmässig nach Herkunftsländern über die Kantone verteilt. Vor allem auch, um eine Ghettobildung zu vermeiden. An diese Vorgabe wird sich auch der Algorithmus halten.

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101 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Wunderbar, jetzt gibt es noch mehr Konkurrenz im Niedriglohnsektor, in dem sind ja mehrheitlich schon Ausländer beschäftigt. Es hat demnach noch nicht genug Workingpoor. Stattdessen braucht es ein Verfassungsgericht. Der Souverän hat bis jetzt keine Möglichkeit Politiker wegen Verfassungsbruch zu verklagen. Es werden Asylgesetze am laufenden Band folgenlos verletzt.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun?
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  • Kommentar von Balthasar Glättli (Balthasar Glättli)
    Dieser Schritt ist überfällig. Bis heute hat man den Computer "genutzt" für eine Zufallsverteilung. Also möglichst nicht Rücksicht nehmen auf den Bildungs-/Berufs-/Sprachrucksack, den jemand mit sich bringt. Und dann gleichzeitig klagen über hohe Integrationskosten und tiefe Erwerbsquote. Schritt in die richtige Richtung also! Aber: warum soll Zuteilung fr-sprachiger in Romandie zu Ghettos führen? Die Romandie besteht aus mehr als einem Kanton und mehr als einer Stadt!
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Der Schritt in die Richtige Richtung wäre nur noch echte Flüchtlinge aufzunehmen und nicht Migranten aus aller Herren Länder!!!!!!
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Lieber Herr Glättli, dieser Ansatz ist reine Augenwischerei und Betrug am Asylgedanken. 1. erhalten die Allerwenigsten den Flüchtingsstatus, sprich der ganz grosse Rest muss auf die Standbyliste "ausschaffen" und sich nicht für ewig hier einnisten. 2. bei der grossen Mehrheit ist der "Rucksack" leer, keine Bildung, nichts, nicht mal ein Identitätsnachweis drin.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Herr Glättli (der echte?): Diesen Personen eine Beschäftigung, mit möglichst gesellschaftlichem Mehrwert, anzubieten ist löblich. Doch eine Investition in diese Personen lohnt sich noch nicht. Denn ein Asylentscheid wurde noch nicht gefällt und statistisch betrachtet müssten die meisten unser Land wieder verlassen. Daher ist der Ansatz gut, frankophone in fr-Kt-e zu verteilen. Dennoch: berufliche Integration darf später keinen Härtefall bei der Rückführung bilden! Das muss jedem klar sein!
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  • Kommentar von markus aenishaenslin (aenis)
    Der Grundgedanken ist das Sie früher oder später wieder in Ihre angestammte Heimat heimkehren. Man will der Bevölkerung eine neue Asyl Erfolgstory verkaufen um Sozialwerk vor dem Ruin zu bewahren. Sozialmilch Kuh ist langsam erschöpft Frau Sommaruga. Baselland setzt im Sozialbereich schon die Schrauben an.
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    1. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Das ändert doch nichts daran dass es für alle Beteiligten am besten ist wenn die Leute Arbeiten können während sie hier sind.
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    2. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Ich bin zwar nicht Basler fürchte aber, dass die Schrauben die angezogen werden vor allem Schweizer betrifft!
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