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Schweiz «Jürg hat seine Mission bis zu seinem Tod durchgezogen»

Jürg Frischknecht war ein korrekter, freundlicher Mensch; aber wenns ums Aufdecken von Missständen ging, war er unerbittlich – stets der Sache, den Schwachen verpflichtet. Peter Niggli, Co-Autor und Weggefährte, erinnert sich.

Jürg Frischknecht, Journalist und Buchautor, auf einer undatierten Aufnahme aus den 1970-er-Jahren.
Legende: Jürg Frischknecht, Journalist und Buchautor, auf einer undatierten Aufnahme aus den 1970er-Jahren. Keystone

Jahrelang schrieb er für die linke Wochenzeitung «WoZ», publizierte Bücher und vermittelte als Dozent das Handwerk des Recherchierens. Nun ist Jürg Frischknecht gestorben – an Krebs, im Alter von 69 Jahren.

SRF News: Peter Niggli, Sie haben mit Frischknecht Bücher geschrieben, 1979 zum Beispiel «Die unheimlichen Patrioten» über rechte, rechtsradikale Gruppierungen. War er ein Weltverbesserer?

Peter Niggli: Er hätte diesen Ausdruck zurückgewiesen. Ich würde ihn auch zurückweisen. Wir gehörten zur 68er-Generation, wir waren links, wir waren gegen die damals vorherrschende politische Kultur des Kalten Krieges in der Schweiz.

Das war sein Antrieb – insofern wollte er doch schon einiges besser machen in der Schweiz?

Natürlich, alle Leute wollen immer etwas besser machen. Weltverbesserer ist einfach ein idiotischer Ausdruck, wie jener des Gutmenschen, der davon ausgeht, dass es Bösmenschen gibt. Jürg war also kein Weltverbesserer, sondern einfach ein nüchterner, solider, flinker Militant, der sich dafür einsetzte, dass es in der Schweiz vorwärts geht.

Jürg war kein Weltverbesserer, sondern einfach ein nüchterner, solider, flinker Militant, der sich dafür einsetzte, dass es in der Schweiz vorwärts geht.

Woher kam dieses linke Engagement?

Das weiss ich nicht. Als ich ihn kennenlernte, war er schon eine wichtige Figur unter den Studenten und unter den jungen Journalistinnen und Journalisten. Er war damals schon ein ausgezeichneter Rechercheur, der uns praktisch jeden Tag damit überraschte, wie man zum Beispiel den Halter eines Postfachs herausfinden könne. Oder einmal sagte er, er habe heute Morgen um 5.30 Uhr endlich den Typen telefonisch erreicht, der ihn eine Woche lang nicht zurückgerufen habe.

War das letztlich Jürg Frischknechts Mission, der aufklärerische Journalismus?

Das war, was er durchgezogen hat, bis zu seinem Tod. Was hinzukam mit der Zeit, war ein starkes Engagement für die Alpen, für den Umweltschutz. Er hat zusammen mit seiner Frau unzählige Wanderbücher geschrieben. Das war ein zweites Standbein.

Landesweit bekannt wurde er, als er 1976 mit linken Aktivisten den Subversivenjäger Ernst Cincera enttarnte. War das sein grösster Coup?

Das war sein erster Coup. Er hat ihn zur öffentlichen Person gemacht. Ich weiss nicht, ob er das als das absolute Highlight seines Lebens anschauen würde. Sehr wichtig war auch das Buch «Die unheimlichen Patrioten». Er hatte diesen Autorenkreis zusammengebracht, und er konnte sich stark auf seine Vorarbeit stützen.

Das Gespräch führte Simon Leu.

Peter Niggli

Porträt Niggli
Legende: Keystone

Peter Niggli wurde 1950 geboren. Bis 1998 arbeitete er als freier Journalist für verschiedene Medien. Niggli ist Autor diverser Bücher zur Schweizer Politik, Afrika und Globalisierung. 1998-2015 war er Geschäftsführer von «Alliance Sud», der gemeinsamen Entwicklungsorganisation sechs grosser Schweizer Hilfswerke.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Was auffällt an den bisherigen Kommentaren zum Ableben von J. Frischknecht: die Kampfschwadron des rechten Lagers hält sich auffallend zurück - zu recht. Schliesslich handelt es sich um das unappetitlichste Kapitel Schweizergeschichte nach dem zweiten Weltkrieg. Frischknechts Verdienst ist, dass er diese unheimlichen Gesellen enttarnt hat.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Cincera war OK... hat gut gearbeitet.. und man erinnere sich.. viele die nicht fichiert waren haben sich maechtig betupft gefuehlt. Und ausserdem.. man hat weiter gemacht.. nur wer wo wie.. das ist eben ..... geheim.. ! Aber man sei sich im Klaren, unsere kritschen politischen Kommentare werden gesammelt, nicht nur in der CH.. die landen auch "aennet em Teich"...
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      "Aber man sei sich im Klaren, unsere kritischen politischen Kommentare werden gesammelt..." Nein, zumindest z.B. der Schweizer Nachrichtendienst hat wohl andere Dinge zu tun, als Ihren Kommentaren oder meinen oder denen von anderen hier "nachzurennen". Wie es in SA ist, wissen Sie wohl besser.
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    2. Antwort von Adrian Flükiger (Ädu)
      @Nanni: So ein Unsinn, anderswo wäre mit solch subversiven Gesellen wie dem Cincera kurzer Prozess gemacht worden. Zu diesem Club gehören auch die ach so falsch verstandenen Wohltäter rund um die ehemaligen Geheimarmeen P26 und P27. Hier hat der Frischknecht den rechten Sumpf ins rechte Licht der Öffentlichkeit gebracht. Man reitet nur zu wenig darauf herum, damals wie heute.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    Solche Aussagen sind meistens sehr zutreffend, denn meistens hat es ziemlich viele Menschen auf der Welt. "der Bayerische Rundfunk berichtet von Toten und Verletzten. Warten wir ab, wie die Meldungen in ein paar Stunden aussehen. Ich kenne das Einkaufszentrum, es ist sehr gross und um die Zeit hat es sicher sehr viele Menschen dort." http://www.srf.ch/news/international/terrorverdacht-toedliche-schuesse-in-muenchner-einkaufszentrum
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