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Legende: Audio Besserer Schutz für junge Asylsuchende abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
03:56 min, aus Rendez-vous vom 11.06.2019.
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Jugendliche Flüchtlinge Mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) will die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen vorantreiben.

Jugendliche, die in die Schweiz flüchteten, haben sich alleine durch die halbe Welt geschlagen, teils unter widrigen Umständen. Deshalb brauchen sie in den Asylzentren enge Betreuung, sagt David Keller, Koordinator der verschiedenen Bundesasylzentren. «Viele werden längerfristig bei uns bleiben. Sie sollten sich wieder daran gewöhnen, einen Tagesablauf zu haben.»

Was sind Uma?

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Uma sind zwischen 12 und 17 Jahre alt, wobei die bis 14-Jährigen nach Möglichkeit von den 15- bis 17-Jährigen separat betreut werden. Für Jüngere ist die Kesb vor Ort zuständig. Sobald sie 18 werden, wechseln sie ins Erwachsenen-Asylsystem. Ein Asylgesuch einreichen können nur rechtlich «urteilsfähige» Personen, was erst ab einem gewissen, individuell einzuschätzenden Alter, der Fall ist. (sda)

Wichtig sei, die Jugendlichen von erwachsenen Flüchtlingen getrennt zu betreuuen. Das ist in der Regel nicht der Fall. In einem zweijährigen Projekt hat man aber genau das in den Bundes-Asylzentren in Basel und Zürich umgesetzt.

Mann in Zimmer.
Legende: David Keller in einem Zimmer in der neuen Unterkunft für unbegleitete minderjaehrige Asylsuchende in einer alten Villa direkt neben dem Bundesasylzentrum Basel Keystone

Ausserdem begleiteten Sozialpädagogen die Kinder und Jugendlichen, halfen ihnen im Alltag, redeten mit ihnen über ihre Erlebnisse und auch darüber, wie sie ihr Leben weiter gestalten könnten. Dolmetscher übersetzten die Gespräche.

Dieses zweijährige Pilotprojekt nahmen Wissenschaftler von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften unter die Lupe. Die Massnahmen zeigten Wirkung, sagt Studienleiterin Eva Mey. «Man hat einen besseren Zugang zu den Kindern. Sie wissen, wohin sie sich bei alltäglichen Problemen wenden müssen.»

Mehr Kontaktmöglichkeiten nach aussen

Die Studie zeigt aber auch, dass es noch mehr brauche, um den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden. «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung getan, aber um wirklich Kindes- und Altersgerechtigkeit zu garantieren, braucht es noch weitere Schritte.»

Es brauche eine noch engere Betreuung, sodass man individuell auf die geflüchteten Jugendlichen eingehen könne. Weiter sei eine unabhängige Aufsichtsstelle nötig. Und schliesslich brauche es mehr Kontaktmöglichkeiten nach aussen. Jugendliche seien in den Asylzentren oft isoliert. Je schneller sie mit Menschen aus der Umgebung in Kontakt kommen, desto einfacher sei die Integration.

Zwei Frauen an Tisch.
Legende: Marianne Hochuli findet die neuen Massnahmen begrüssenswert, fordert aber beispielsweise durchgehende Präsenz bei der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Keystone

Auch für Marianne Hochuli von der Hilfsorganisation Caritas gehen die Massnahmen in die richtige Richtung. Ausreichend seien sie aber nicht.
«Die Frage ist, wie intensiv die Massnahmen sind. Kinder brauchen Erziehung, ein soziales Netz und Bildung.» Sozialpädagogische Fachkräfte zu haben sei wichtig, es brauche aber durchgehende Präsenz und es komme auf den Betreuungsschlüssel an.

Pilotprojekt in Bundesasylzentren

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Pilotprojekt in Bundesasylzentren
Legende:Keystone

Nach einem überraschenden starken Anstieg der Asylanträge von Uma 2015 hatte das Staatssekretariat für Migration (Sem) rasch Strukturen für deren Unterbringung in Zürich und Basel aufgebaut. Mitte 2017 startete deshalb ein Pilotprojekt in Zürich und Basel. Am Dienstag haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz gezogen.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat den Pilotversuch mittels Gesprächen mit Betreuenden und Uma sowie einer anonymen Onlineumfrage beim ganzen Personal evaluiert.

David Keller, Chef Region Bern beim Sem, versprach, die Konzepte würden nun weiterentwickelt, auch unter Beizug externer Experten, um dem gesetzlich geforderten Kinderschutz noch besser gerecht zu werden. Unter anderem wolle der Bund künftig drei statt zwei Sozialpädagogen pro Zentrum mit Uma einsetzen und auch mehr Profi-Dolmetscher beiziehen.

Mehrkosten

Die Suche nach einer Aufsichtsstelle für die sechs Asylzentren, wo künftig Uma betreut werden, laufe noch - es gehe nur um Standorte mit Asylverfahren. Das "Kostendach" für die Uma-Betreuung liege bei Mehrkosten von rund 4,8 Millionen Franken jährlich bei hoher Auslastung. Im normalen Verfahren rechne das Sem mit rund 120 Franken pro Nacht. (sda)

Weiter sei es entscheidend dass die Kinder und Jugendlichen möglichst schnell mit Schweizern in Kontakt kommen, zum Beispiel in der Schule. «Ich habe Kinder erlebt, welche nach sechs Monaten beinahe Schweizerdeutsch gesprochen haben. Dafür ist dieser Austausch wichtig.»

5 Millionen Franken bewilligt

Auf diese Forderung gehen die Behörden im Moment allerdings nicht ein. In einem nächsten Schritt will das Staatssekretariat für Migration die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt umsetzen. Also mehr Betreuung durch Sozialpädagogen und Dolmetscher. Das Bundesamt für Justiz hat dafür knapp fünf Millionen Franken bewilligt.

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