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Sex-Vorwürfe gegen Domherrn: Was ist los in Freiburg?
Aus Rundschau vom 05.02.2020.
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Jugendlichen missbraucht? Westschweizer Pfarrer wird schwer belastet

Gegen den Pfarrer der Freiburger Kathedrale liegen schwere Vorwürfe vor. Ein früherer Ministrant beschuldigt den heutigen Domherren, mit ihm Sex gehabt zu haben.

Der 39-jährige Westschweizer Universitätsdozent Pierre E. ist erstmals bereit, mit Journalisten zu reden. Im Gespräch mit der «Rundschau» und dem «Tagesanzeiger» erhebt er schwere Vorwürfe gegen Paul Frochaux, Domherr und Pfarrer der Kathedrale von Freiburg.

Einladung ins Chalet

E. erzählt, zum Zeitpunkt des Vorfalls 1998 sei er 17-jährig gewesen. Frochaux, damals noch Pfarrer von Morges, habe ihn zu einem Wochenende in einem Chalet im Wallis eingeladen.

Dort habe ihn der damals 46-jährige Priester zuerst auf den Mund geküsst. Später sei er mit ihm im Bett gelegen. E.: «Ich kann mich an folgendes erinnern: Der Pfarrer liegt auf dem Bett, ohne Kleider. Und ich habe seinen Penis im Mund.» Später sei er nackt auf dem Bett gelegen. «Und er berührt mein Glied.»

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Mutmassliches Opfer Pierre E. erinnert sich (ohne Ton)
Aus News-Clip vom 04.02.2020.
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E. sagt, er habe «sehr unter dem gelitten, was passiert ist. Es war eine Mischung aus Scham und einem Gefühl, vergewaltigt worden zu sein».

Pfarrer und Vaterfigur

Pierre E. hatte eine enge Beziehung zu Paul Frochaux. Der Pfarrer sei für ihn «Autoritäts-, Vaterfigur und Arbeitgeber» gewesen. Seit dem elften Lebensjahr sei er zu ihm zur Messe gegangen. Später wurde er Ministrant und Teilzeit-Organist.

«Ich fühlte mich wohl in dieser Rolle als petit Chouchou. Ich war im Pfarrhaus eingeladen, nahm an Pfarreiausflügen nach Rom und Paris teil», sagt E..

Mutter: «Ich bin von Ihnen angewidert»

E. wuchs ohne Vater auf. Seine Mutter sagt der «Rundschau», sie habe Pfarrer Frochaux gebeten, eine väterliche Rolle für ihren Sohn zu übernehmen. Als die Mutter Jahre später vom Vorfall im Chalet erfuhr, war sie zutiefst schockiert.

Im Jahr 2000 schrieb sie Frochaux einen Brief, der der «Rundschau» vorliegt. «Ich hatte keine Ahnung, dass Sie diese Gelegenheit nutzen würden, um ihn zu missbrauchen», heisst es in dem Schreiben. «Sie tun mir leid und ich bin von Ihnen angewidert.»

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Mutter: «Ich bin angewidert von Ihnen»
Aus News-Clip vom 05.02.2020.
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Die Mutter von Pierre E. sagt heute: «Dieser Mann hat zutiefst unser Vertrauen missbraucht.» Frochaux solle jetzt zu seinen Taten stehen.

Frochaux: «Ein einmaliges Fehlverhalten»

Nach dem Brief der Mutter reagierte offenbar Frochaux. Die Mutter zeigt uns einen Brief, den er an Pierre E. geschrieben haben soll. Darin ist zu lesen, der Vorfall im Walliser Chalet sei ein «einmaliges Fehlverhalten» gewesen. Und: «Ich habe vor dir meine Schwäche anerkannt und dich um Vergebung gebeten.»

Weiter steht im Brief: «Du warst sehr provokativ», und «zum Zeitpunkt der Ereignisse warst du viel näher an deinem 18. Geburtstag als an deinem 16».

Domherr: «Pure Diffamation»

Die «Rundschau» hätte gerne Paul Frochaux gefragt, wie er sich heute zu den Vorwürfen stellt. Der Domherr von Fribourg hat aber auf unsere Fragen per Mail und Telefon nicht reagiert.

Vorwürfe von sexueller Belästigung wurden gegen Frochaux bereits Ende 2019 von einem Pfarrer in der Westschweiz erhoben. Frochaux verteidigte sich darauf in einem Interview mit dem Westschweizer Radio RTS mit den Worten: «Das ist pure Diffamation. Fast surrealistisch.»

Bischof suspendiert Frochaux

Unterdessen hat Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, reagiert. Paul Frochaux wurde vorübergehend «von seinem Dienst ausgeschlossen».

Der Bischof schreibt der «Rundschau»: «Anhand Ihrer Fragen müssen wir mit Bestürzung von Fakten ausgehen, die uns bis anhin unbekannt waren.»

Für Frochaux gilt die Unschuldsvermutung.

Rundschau, 05.02.2020, 20.05 Uhr; bers

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Ergänzung: Was ich nun schreibe, soll die Tat und deren Vertuschung nicht relativieren. Aber nun soll endlich das Zölibat abgeschafft werden; das ist nun wirklich ein uralter, schon fast abgefallener Zopf. Der Mensch hat natürliche Bedürfnisse und starke Triebe wie die Sexualität. Wenn diese unterdrückt werden, wird das Risiko zu Missbrauch deutlich angehoben. Das (Abschaffung des Zölibats) wäre das Minimum, was schon mal ändern sollte im klerikalen System der katholischen Kirche.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Für mich ist klar: Der mutmasslich fehlbare Pfarrer und dessen Bischof gehören sofort des Amtes (lebenslänglich) enthoben und mit Geld- und Gefängnisstrafe belegt. Dem Opfer haben die beiden immensen (psychischen) Schaden zugefügt, auch dem Ruf der Kirche. Schaden damit auch an all den ehrlichen Angestellten und Freiwillig-Ehrenamtlichen, die gute Arbeit leisten.Die weitere Folge können zunehmende Kirchenaustritte, auch bei Reformierten, obwohl Letztere mit den Ganzen nichts zu tun haben.
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  • Kommentar von Maria Kaiser  (Klarsicht)
    Wir müssen die Kinder und Jugendlichen früh aufklären und bei allen derartigen und ähnlichen unguten Handlungen klarmachen, dass sie immer nein sagen dürfen und müssen wenn sie dabei selbst ein ungutes Gefühl haben - Gewaltanwendungen sind so oder so in allen Fällen schwere kriminelle Handlungen, die höchste Strafen zur Folge haben .
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