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Tessiner Bevölkerung kämpft gemeinsam gegen Japankäfer
Aus Rendez-vous vom 26.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
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Käfer-Tracking mit App Das Tessin eröffnet die digitale Jagd auf den Japankäfer

Im Tessin wird der Schädling bereits von den Behörden bekämpft – und nun auch von der Bevölkerung. Mit Erfolg.

Die Tessiner Bevölkerung hat gut reagiert auf einen Aufruf des landwirtschaftlichen Kompetenzentrums Agroscope in Cadenazzo: Künftig soll sie den Forschenden Fundorte von Japankäfern mitteilen. So sagt der dortige Forschungsleiter für Pflanzenschutz, Mauro Jermini: «Viele Bürgerinnen und Bürger haben uns bereits geholfen, ohne dass wir dafür gross die Werbetrommel gerührt haben. Die Bevölkerung ist sensibilisiert, das ist gut!»

Der Wissenschaftler sitzt am Computer und betrachtet auf dem Bildschirm die Karte des Kantons Tessin. Diese zeigt im Süden, also im Mendrisiotto, viele Punkte. Jeder Punkt steht für den Fund eines Japankäfers.

Käfersichtungen per App melden

Eine im Auftrag von Agroscope Cadenazzo entwickelte App ermöglicht, dass jemand, der meint, ein Exemplar gefunden zu haben, ruckzuck mit dem Handy dem Forschungsinstitut Agroscope das Bild schicken kann. Ein Computerprogramm wertet dann binnen Sekunden aus, ob es sich beim betreffenden Exemplar auch tatsächlich um den unerwünschten Schädling handelt oder nicht.

«Darum ist es fundamental wichtig, dass die Menschen uns ein Foto schicken. Idealerweise schreiben sie auch dazu, wo sie den Käfer gefunden haben, auf einer Weinrebe, im eigenen Garten oder am Wegrand. Die Menschen können aber anonym bleiben», sagt Jermini.

Hunderte von Japankäfer-Meldungen seien in den letzten Wochen eingegangen. Das sei wunderbar, freut sich der Wissenschaftler. Gott sei Dank seien auch einige Falschmeldungen darunter.

Breiten sich die Käfer weiter im Norden der Schweiz aus, dann machen sie sich hinter die Kirschen, Aprikosen, Apfelbäume und den Mais und so weiter.
Autor: Mauro Jermini Agroscope Cadenazzo

Dennoch beunruhigt ihn der Vormarsch der Japankäfer im Tessin sehr: «Es ist keine einfache Situation. Wir haben noch nicht die Schäden, die Italien verzeichnet, wir wissen aber nicht, wie sich die Situation weiter entwickelt.» Klar sei, dass die Schäden zunehmen würden.

Im Tessin würden vor allem die Weinreben von den Käfern zerfressen. «Breiten sich die Käfer weiter im Norden der Schweiz aus, dann machen sie sich hinter die Kirschen, Aprikosen, Apfelbäume und den Mais und so weiter.»

Der Japankäfer, ein schillernder Schädling

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Legende: Mit seinen auffälligen weissen Haarbüscheln lässt sich der Japankäfer gut von anderen Arten unterscheiden. SRF

Der Japankäfer ist etwa 10 mm gross und lässt sich durch sein markantes Aussehen gut von Mai- und Junikäfern unterscheiden. Sein Kopf und Halsschild schimmern auffällig goldgrün und seine Deckflügel sind kupferbraun. Farblich ähnelt er dem Gartenlaubkäfer. Besonders charakteristisch sind seine fünf weissen Haarbüschel an jeder Seite. Zwei weitere sind am hintersten Körpersegment gut erkennbar. In Gefahrensituationen zeigt er ein spezielles Verhalten: Mit abgespreizten Beinen verharrt er starr in Alarmbereitschaft.

Der Japankäfer ist extrem gefrässig und hat keine natürlichen Feinde. Im Süden des Tessins hat er bereits Fuss gefasst und wird von den örtlichen Behörden unter anderem mit Fallen bekämpft.

Darüber hinaus gelten auch für die Bevölkerung Sicherheitsvorschriften. Sie dürfen die Komposterde nicht selber ausbringen, sondern nur Mithilfe des kantonalen Pflanzenschutzdienstes. Die Ausbreitung des Käfers in Zonen, wo er noch nicht Fuss gefasst hat, soll unbedingt vermieden werden.

Legende: Der Japankäfer (Popillia japonica) verursacht immense Schäden in der Landwirtschaft. Jüngst wurde er auch ganz im Norden der Schweiz, in Basel, gesichtet. SRF

Aus Sicht des Forschungsinstituts Agroscope in Cadenazzo ist der Einbezug der Bevölkerung mithilfe der App ein guter Weg, um die Ausbreitung des Käfers zu überwachen. Diese Meinung teilt auch das Bundesamt für Landwirtschaft, das diese App mitfinanziert.

Wo sie künftig zur Anwendung kommt, müssen jetzt die einzelnen Kantone entscheiden, da die Überwachung des Japankäfers in ihrer Kompetenz liegt. Noch ist nicht klar, ob und wann die anderen Kantone der Schweiz ihre Bevölkerung ermuntert, mithilfe dieser App die Ausbreitung dieses Käfers zu überwachen.

Rendez-vous, 26.08.2021, 12:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Paula Studer  (Paula Studer)
    Ich fände es sehr gut, wenn nun die Deutschschweiz diese App anwenden würde, auch wenn es derzeit (zum Glück) nur wenige Exemplare bei uns hat. Damit könnten wir evtl. eine Massenausbreitung dieses Käfers frühzeitig verhindern. Ganz im Sinne von: Wehret den Anfängen!
  • Kommentar von Hermann Zumstein  (Mänu49)
    Ein Pilz soll der einzige Feind des Japan-Käfers sein?
    Mit den Tonnen von Fungiziden welche auf Reb- Frucht- und Gemüsekulturen gespritzt werden hat ja dieses Biest eine gute Rückendeckung!
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Soweit mir bekannt ist, ist dieser Japan Käfer erstmals in Süditalien festgestellt worden. Dort hätte es eine gute Chance gegeben, ihn zu eleminieren. Italien und die EU haben diesbezüglich versagt. Wenn er sich nun durch ganz Italien bis ins Tessin verbreitet hat, ist es fast ausgeschlossen, diesen Schädling langfristig erfolgreich zu bekämpfen. Selbst wenn es im Tessin gelingen sollte, so wird er wieder von woanders in die Schweiz kommen.