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Kaffee wird auch in der Krise getrunken – aber anders als sonst
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 29.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:52 Minuten.
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Kaffee daheim statt unterwegs Schweizer Kaffeemaschinen: So verändert die Pandemie das Geschäft

Aus dem Mittelland kommen Kaffeemaschinen für die ganze Welt. Das Geschäft läuft schlechter, aber klagen will niemand.

Der morgendliche Espresso im Büro oder der Kaffee zum Mitnehmen unterwegs: Wenn irgendwo auf der Welt Kaffee getrunken wird, dann ist die Chance gross, dass das Getränk aus einer Schweizer Kaffeemaschine stammt – oder genauer: Aus einer Maschine aus dem Mittelland. Denn in den Kantonen Aargau und Solothurn haben mehrere internationale Marken ihren Sitz. Je nach Ausrichtung spüren diese Firmen die Auswirkungen der Corona-Pandemie ganz unterschiedlich.

Kaffeemaschine steht in Fabrikhalle, dahinter Produktionsmaschine.
Legende: 2020 lief für Jura so gut, dass sie für das laufende Jahr den Absatz einer halben Million Kaffeemaschinen anstrebt. ZVG/Jura

Jura aus dem solothurnischen Niederbuchsiten etwa blickt auf ein Rekordjahr zurück. Die Firma verkaufte fast 450'000 Kaffeevollautomaten. Viele dieser Maschinen kommen in Privathaushalten zum Einsatz. Jura profitierte offensichtlich davon, dass viele Menschen im Homeoffice arbeiten und dort ihren Kaffee trinken. Der Zuwachs im Haushaltsbereich habe den Ausfall im Geschäftsbereich mehr als kompensiert, hiess es kürzlich an der Jahresmedienkonferenz des Unternehmens. Der Umsatz stieg um rund 7 Prozent auf 580 Millionen Franken.

Jährliche Wartung wie beim Auto

Den umgekehrten Weg machten die Zahlen anderer Kaffeemaschinen-Hersteller im Mittelland. Es sind Firmen, die den professionellen Markt beliefern – also zum Beispiel die Gastronomie. Der Umsatz sei letztes Jahr gesunken, heisst es unisono, wobei die Firmen keine konkreten Zahlen nennen.

Doch auch sie haben die Krise bisher laut eigenen Angaben einigermassen gut überstanden. Natürlich habe man weniger Maschinen an Restaurants verkaufen können, erklärt etwa Martin Stalder, Geschäftsführer der Zofinger Cafina, welche zum deutschen Melitta-Konzern gehört.

Touchscreen einer Kaffeemaschine.
Legende: Cafina verkaufte zwar weniger Kaffeemaschinen, das Geschäft mit den Serviceverträgen lief aber weiterhin gut. ZVG/Cafina

Cafina könne aber mit dem zweiten Standbein – dem Service für Kaffeemaschinen – die Umsatzeinbussen etwas wettmachen. Wenn eine Maschine im Restaurant weniger laufe, dann brauche es zwar auch weniger Reparaturen. «Aber es ist fast wie beim Auto: Eine Wartung pro Jahr sollte man machen», so Stalder.

Neue Altersheime und Erholung in China

Es gebe auch Kunden, die trotz Krise investieren, meint Michael Wehrli, CEO von Egro Suisse aus Dottikon. Dazu gehörten vor allem Neubauprojekte wie Altersheime oder kürzlich das Eishockeystadion von Fribourg-Gottéron. Dort würden die Kaffeemaschinen trotz Krise wie geplant bestellt.

Trotzdem: Die Verkäuferinnen und Servicetechniker von Egro und Cafina sind zum Teil in Kurzarbeit, weil sie dennoch viel weniger zu tun haben. Diese Kurzarbeit half auch der Schaerer AG in Zuchwil, welche – wie auch Franke in Aarburg – im Mittelland noch Kaffeemaschinen herstellt.

Mann montiert Kaffemaschine.
Legende: Die Maschinen-Prüfer in der Fabrik von Schaerer hatten eine Zeit lang weniger zu tun. Dank der Erholung des chinesischen Marktes zog das Geschäft aber wieder an. ZVG/Schaerer

Die über 300 Mitarbeitenden am Standort habe man grösstenteils weiterbeschäftigen können, erklärt CEO Jörg Schwartze. So sei man bereit, wenn die Gastrobranche wieder anfahre – wie etwa in China. Dort laufe das Geschäft bereits wieder gut. Schaerer profitierte auch davon, dass nicht nur klassische Restaurants beliefert werden. «Coffee to go» bei der Bäckerei, im Schnellrestaurant oder an Tankstellen – diese Verkaufskanäle funktionierten auch in der Pandemie. Und sie retteten nicht nur der Firma Schärer in Zuchwil einen Teil des Kaffeemaschinen-Geschäfts.

Die Branche mit ihren über 1000 Beschäftigten in den Kantonen Aargau und Solothurn kommt also offenbar mit einem blauen Auge aus der Pandemie. Die weltweit bekannten Marken dürften die Krise überstehen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 29.03.2021, 17:30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von David Bachmann  (David Benjamin)
    Spannend wäre auch dir Entwicklung bei der Schweizer Kaffemarke Delizio - meines Wissens nach grösster Anbieter nach Nespresso!
    Mit den Kapseln bewegt sich dieses Unternehmen in einem Milliardenmarkt... Auf www.delizio.ch gab es in dieser Krise mehrmals die Maschine für wenige Franken zu haben (logisch, weil sie das Geld dann mit Kapseln verdienen). Wenn schon der Umsatz bei Vollautomaten so angestiegen ist, wie sehr dürfte das bei solch günstigen Angeboten sein? Wäre eine spannende Story @SRF
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @David Bachmann
      Guten Tag Herr Bachmann
      Danke für den Input. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Nicht nur den feinen Kaffee zu Hause geniessen sondern auch gutes Essen selber gekocht!
    Und gewisse Gastronomen müssen sich, wenn sie wieder öffnen und servieren dürfen "gewaltig Gas geben" wenn sie mit der Qualität mithalten wollen!
  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Dass der Markt so sensibel auf die Pandemie reagiert (egal ob in die eine oder in die andere Richtung), kann nur eines bedeuten: Besonders langlebig scheinen die Maschinen nicht zu sein!

    Da lobe ich mir meine Kombination "Kaffeemühle plus Bialetti-Espressokocher"; eine Kombination, die mich seit Jahren mit wohlschmeckendem Kaffee versorgt! Wobei ich zugeben muss: Die billige Schlagwerk-Kaffeemühle habe ich kürzlich durch eine "Rommelsbacher" mit hochwertigem Kegelmahlwerk ersetzt.