Zum Inhalt springen

Header

Audio
Für eine portofreie Lieferung bestellt man gerne mal etwas mehr
Aus Espresso vom 28.09.2020.
abspielen. Laufzeit 03:47 Minuten.
Inhalt

Kalkül im Online-Handel Der Mindermengenzuschlag verleitet uns zu grösseren Bestellungen

Mit dem Mindermengenzuschlag animieren Online-Händler Kunden dazu, mehr Geld auszugeben.

Wer bei einem Online-Shop nur eine Knopfbatterie, Farbstifte oder ein Spiel bestellen will, kennt das Problem: Entweder man bestellt mehr oder bezahlt die Versandkosten. Bei den drei grossen Onlineshops Brack, Digitec/Galaxus und Microspot muss der Kunde für mindestens 50 Franken bestellen, damit die Produkte gratis geliefert werden.

Hinter diesem «Mindermengenzuschlag» steckt Kalkül, sagt Heidi Kölliker von der Beratungsfirma Carpathia, die auf Online-Handel spezialisiert ist: «Das Verschicken kostet Geld. Je weniger ein Kunde bestellt, desto mehr fällt das Porto ins Gewicht. Die Online-Händler möchten diese Kosten gedeckt haben. Und so motivieren sie die Kunden noch etwas mehr zu bestellen, um das Porto oder eben den Mindermengenzuschlag zu umgehen.»

Kunden bestellen tatsächlich mehr

Diese Taktik geht auf: Brack und Digitec/Galaxus sagen, dass die Kunden tatsächlich mehr bestellen würden, um die Lieferung ohne Versankosten zu erhalten. Wie viele Bestellungen unter 50 Franken ausgeliefert werden, darüber schweigen die Onlinehändler. Geschäftsgeheimnis.

Je weniger ein Kunde bestellt, desto mehr fällt das Porto ins Gewicht. Die Online-Händler möchten diese Kosten gedeckt haben.
Autor: Heidi KöllikerSpezialistin für Online-Handel

Bei den Online-Buchhändlern liegt der Mindestbestellwert sogar noch tiefer, nämlich bei gut 30 Franken. Dies habe damit zu tun, sagt Heidi Kölliker, dass das Versenden von Büchern unkompliziert sei: «Bücher sind einfach zu lagern, brauchen nicht viel Platz und können standardisiert verschickt werden.»

Lebensmittel-Versand ist sehr aufwendig

Alles andere als einfach zu verschicken, sind dagegen Lebensmittel. Entsprechend hoch ist dort der Mindestbestellwert. Bei Migros und Coop zum Beispiel muss man für mindestens 99 Franken Früchte, Pasta oder Guetzli bestellen und die Lieferung kostet zusätzlich: «Lebensmittel müssen gekühlt oder sogar tiefgekühlt werden und sollten möglichst rasch geliefert werden. Das ist aufwendig und kostet Geld», sagt Kölliker.

Bei Versandkosten wird weniger bestellt

Eine andere Ausgangslage haben Online-Shops für Kleider und Schuhe. Internationale Anbieter wie Zalando verschicken die Kleider gratis und auch Retouren kosten nichts. Die Schweizer Versandhändler fahren hier einen Extrazug. Der Lehner-Versand in Sursee (LU) zum Beispiel verlangt in jedem Fall Portokosten von sieben Franken, egal wie viel jemand bestellt.

Das sei eine Art Risikoabwägung, sagt die Online-Handels-Expertin Kölliker: «Wenn ein Händler Versandkosten verlangt, bestellen die Kunden tendenziell weniger. Dafür aber nur das, was sie wirklich brauchen.» Wer keine Versandkosten verlange, gehe das Risiko ein, dass er Kleider herumschicke, ohne etwas daran zu verdienen, wenn alle wieder zurückgeschickt würden.

Espresso, 28.09.2020, 8.13 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andreas Würtz  (Andhrass)
    Wenn man ganz still ist, die Ohrstöpsel rausnimmt und ganz genau hinhört. Dann hört man die Umwelt ganz leise wimmern und schluchzen. Was haben sie und die Evolution nur falsch gemacht, dass des Menschen höchstes Ziel ist, sich die Zahnstocher einzeln zuschicken zu lassen.
  • Kommentar von Achim Frill  (Africola)
    Diese Mindermengenerpressung ist so richtig typisch schweizerisch. Kunststück, hat Amazon immer mehr Erfolg. Mit einer Primemitgliedschaft kann ich einen einzelnen Zahnstocher bestellen, ohne jegliche weitere Kosten. Dann noch eine SwissPaket Adresse in Deutschland und ich sage: CH Online Abzocker, ihr könnt mich mal, Amazon ist tausendmal kundenfreundlicher. Und den Zahnstocher kann ich bei Nichtgefallen erst noch gratis und ohne lästige Fragerei zurücksenden.
  • Kommentar von Susanne Saam  (Biennoise)
    Erstens: wer sich verleiten lässt ist selber schuld.
    Zweitens: ich finde es völlig normal, Portokosten zu bezahlen.