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Katholische Kirche lanciert Kampagne gegen Mitgliederschwund
Aus Schweiz aktuell vom 10.03.2021.
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Kampagne gegen Austritte «Viele wissen gar nicht, wo überall Kirche drin ist»

Die katholische Kirche kämpft gegen Austritte. Sie will zeigen, wohin die Kirchensteuern fliessen. Das Geld geht nämlich nicht in den Vatikan.

Sandra Huber ist besorgt. 3758 waren es letztes Jahr. 3758 Leute, die im Kanton Luzern, wo Huber Synodalrätin ist, aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten sind. Tendenz steigend. Fünf Jahre vorher waren es noch nur etwa halb so viele Austritte.

Ich finde es sehr schade, dass sich Menschen nicht mehr mit der Kirche verbunden fühlen können.
Autor: Sandra HuberSynodalrätin, Willisau, LU

Die vielen Austritte sind auch ein finanzielles Problem für die Kirche. Denn jeder Austritt bedeutet eine Person weniger, die Kirchensteuer bezahlt. Genau in der Kirchensteuer ortet Synodalrätin Huber einen der Hauptgründe für die vielen Austritte. Ein Indiz dafür sei der Zeitpunkt: «Im Frühling, wenn die Leute die Steuererklärung ausfüllen, und Ende Jahr, wenn sie die Steuern bezahlen müssen, haben wir vermehrt Austritte.»

Hinzu kommt der Vergleich mit anderen Kantonen: «In Genf, Neuenburg und in der Waadt, wo keine Kirchensteuer erhoben wird, gibt es kaum Kirchenaustritte.»

Die Luzerner Synodalrätin Sandra Huber glaubt aber nicht, dass es den Menschen einfach nur darum geht, Geld zu sparen. Sie vermutet vielmehr, dass viele eine falsche Vorstellung davon haben, wofür ihre Steuern verwendet werden: «Viele sagen sich: 'Warum soll ich Kirchensteuern bezahlen? Die fliessen sowieso nach Rom.'» In Wirklichkeit fliesse aber gar nichts nach Rom. «93 Prozent der Kirchensteuer gehen zur Kirchgemeinde, 7 Prozent an die Kantonale Landeskirche», hält Huber fest.

Das ganze Geld bleibt hier und kommt allen Leuten zugute.
Autor: Sandra HuberSynodalrätin, Willisau, LU

Mit einer Kampagne will die katholische Kirche nun aufzeigen, was sie mit dem kirchlichen Steuergeld macht. «Viele wissen gar nicht, wo überall Kirche drin ist», sagt Sandra Huber und nennt gleich ein paar Beispiele: «Die Caritas, die armutsbetroffenen Menschen hilft, die Beratungsstelle Elbe, die unter anderem für Familien und schwangere Frauen da ist, oder auch die Jugendorganisation Jubla.»

Die Kampagne im Internet

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Die Kampagne, mit der die Luzerner Landeskirche auf ihr soziales Engagement aufmerksam macht, ist keine Neuerfindung. Angefangen hatte damit die Landeskirche St. Gallen, weitere Kantone sollen hinzukommen.

Herzstück der Kampagne ist die Website, Link öffnet in einem neuen Fenster, auf der die Landeskirchen detailliert aufzeigen, wofür die Kirchensteuern verwendet werden. Dort kann man etwa auf einer Kantonskarte die einzelnen Engagements herauslesen.

Die Charme-Offensive der katholischen Landeskirchen legt den Fokus also auf das soziale Engagement, das durch die Kirchensteuern ermöglicht wird. Klar ist aber auch, dass die Kirche nicht nur wegen der Steuern ein Problem mit Austritten hat. Die konservative Haltung Roms dürfte auch ihren Teil dazu beitragen.

Der Ruf der Kirche habe gelitten, sagt etwa der Pfarreileiter von Ruswil, Wolhusen und Werthenstein, Adrian Wicki: «In den letzten zehn Jahren waren die Missbrauchsskandale ein grosses Thema, inzwischen sind es auch die Frauenfrage oder der Umgang mit Homosexualität, welche die Leute bewegen.»

Pfarreileiter Adrian Wicki vor seiner Kirche im Luzernischen Ruswil.
Legende: «Das Image der Kirche ist sicher nicht wirklich gut.» Pfarreileiter Adrian Wicki vor seiner Kirche im Luzernischen Ruswil. SRF

Zu den genauen Ursachen der Austritte gibt es allerdings keine gesicherten Erkenntnisse. Denn die meisten Mitglieder, die austreten, gäben gar keine Gründe an, sagt Susanna Bertschmann, Kirchenratspräsidentin der Stadt Luzern. Ihr fällt aber auf, dass mehrheitlich jüngere Menschen der Kirche den Rücken kehren.

Über 70 Prozent derjenigen, die austreten, sind 40-jährig oder jünger.
Autor: Susanna BertschmannKirchenratspräsidentin Stadt Luzern

Mit ihrer Kampagne versucht die römisch-katholische Kirche nun also Gegensteuer zu geben und möglichst weitere Austritte zu verhindern. Synodalrätin Sandra Huber glaubt durchaus daran, dass der negative Trend gebrochen werden könne. Und fügt hoffnungsvoll an: «Wenn wir sogar ein paar Kircheneintritte bewirken könnten, wäre das mein ganz persönliches Highlight.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 10.03.2021, 12:03 Uhr;

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Lips  (Töml)
    Es sind wohl weniger die Kirchensteuern, die die Kirchenaustritte befeuern. Wichtiger sind die Sturheit des Vatikans bei der Gleichberechtigung der Frauen, die Zurückhaltung bei der Aufklärung und Aufarbeitung von Skandalen und Verbrechen, an denen selbst höchste Kirchenverteter beteiligt waren. Salbungsvolle Werte und Eingeständnisse eigener Fehler, die keine Konsequenzen haben reichen nicht aus, um den wachsenden Unmut zu besänftigen.
    1. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Mal etwas "ketzerisch" gefragt:
      Wer/was ist denn verantwortlich für die "befeuerte Austrittswelle" bei der Evang.-Reformierten Kirche?

      Auch die Sturheit des Vatikans?
    2. Antwort von Stephan Scheiwiller  (DrLecter)
      @MariaMüller
      Da haben Sie recht. Ich bin auch nicht der Meinung, dass der Mitgliederschwund auf Verhalten des Vatikans zurückzuführen ist.
      Um "ketzerisch" zu bleiben: Meiner Meinung nach liegt es eher daran, dass wir Atheisten wohl die besseren Argumente zu Gottes Existenz hervorbringen als Gläubige(:.
  • Kommentar von Bobby Senn  (Hardcorehansi)
    es ist doch ganz einfach, für den glauben braucht es keine kirche. das steht im krassen gegensatz zur kirche, die braucht händeringend jeden gläubigen! dabei ist es egal welche kirche das ist, es betrifft jede!
  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    Die katholische Kirche müsste überhaupt nicht kämpfen, würde sie endlich ohne jegliche Rücksicht auf ihren eigenen Dünkel und ihre Pfründe schonungslos jedes zumindest in den letzten 50 Jahren durch Kirchenleute begangene Verbrechen aufdecken und den noch lebenden Opfern eine Anerkennung ihres Leides, ihres Schmerzes, ihrer Scham entgegenbringen. Dann noch endlich dieses blödsinnige Zölibat aufheben, den Frauen gleiche Rechte und Möglichkeiten bieten, und schon sähe die Sache ganz anders aus.