Zum Inhalt springen

Header

Audio
SKS-Geschäftsführerin Sara Stalder: Hauptproblem ist nicht gelöst
Aus SRF 4 News aktuell vom 28.11.2019.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
Inhalt

Kampf gegen Hochpreisinsel «Konsumenten werden kaum etwas spüren»

Der Konsumentenschutz beurteilt die Senkung der Industriezölle als positives «Schrittchen». Das reiche aber keinesfalls.

Der Bundesrat will Industriezölle im Umfang von 500 Millionen Franken pro Jahr senken. Das soll Unternehmen, aber auch Konsumentinnen und Konsumenten zugutekommen, in Form von tieferen Preisen. Die Rede ist von Autos, Velos, Körperpflegeprodukten, Haushaltgeräten, Schuhen und Kleidern. Ein Monitoring soll sicherstellen, dass die Gewinne auch an die Endverbraucher weitergegeben werden.

«Alles ist gut, was die ungerechtfertigten Preisunterschiede herunterbringt», sagt Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Mit Blick auf die kommende parlamentarische Beratung der «Fair-Preis-Initiative» und des bundesrätlichen Gegenvorschlags spricht sie aber nur von einem «Schrittchen» in die richtige Richtung.

Alles ist gut, was die ungerechtfertigten Preisunterschiede herunterbringt.
Autor: Sara StalderGeschäftsführerin, Stiftung für Konsumentenschutz (SKS)

SKS: Fehlanreize nicht ausgemerzt

Der Bundesrat habe nun zwar eingesehen, dass etwas gegen die Hochpreisinsel Schweiz getan werden müsse und versuche es mit dem Abbau von staatlichen Handelshemmnissen. Die Landesregierung verkenne dabei aber die Lage. Denn das Hauptproblem seien die «privatrechtlichen Handelshemmnisse», also jene zwischen den Unternehmen. «Wir sind nicht so sicher, wie ernsthaft es dem Bundesrat ist, die Fehlanreize zwischen den Unternehmen zu korrigieren», sagt Stalder.

Das bewegt sich in einem so kleinen Rahmen, dass ein Konsument nicht wirklich etwas spürt.
Autor: Sara StalderGeschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS)

Stalder relativiert zugleich den Effekt der bundesrätlichen Massnahme, die Einsparungen von weniger als einem Promille des Volkseinkommens ausmachen: «Das bewegt sich in einem so kleinen Rahmen, dass ein Konsument von dieser Massnahme nicht wirklich etwas spürt.» Die SKS-Geschäftsführerin verweist auf eigene aktuelle Erhebungen, wonach die Preisunterschiede auf Produkten zwischen 35 und 70 Prozent oder gar mehr liegen.

Mehr Wettbewerb unter Importeuren

Auch der St. Galler Wirtschaftsprofessor Reto Föllmi erwartet sich keinen massiven Effekt. Dennoch geht er davon aus, dass sich neben 500 Millionen Franken weniger an Zöllen eine erhöhte Transparenz und weniger administrative Kosten positiv auf die Unternehmen auswirken könnten. Dies wiederum komme auch dem Konsumenten zugute, der auch im Internet vergleichen könne.

Den Direkteffekt erwartet er aber nicht im Ladenregal, sondern bei den Importeuren, die Rohwaren oder Konsumgüter einführen. Zugleich sei mit einem stärkeren Wettbewerb zwischen Importeuren zu rechnen.

Der Entscheid zeigt, dass die Schweiz sehr stark auf offene Grenzen angewiesen ist, aber auch auf offene Grenzen setzt.
Autor: Reto FöllmiWirtschaftsprofessor, Universität St. Gallen

Das Risiko, dass sich die Schweiz mit dieser Massnahme mit Blick auf künftige Freihandelsabkommen schwächt, schätzt Föllmi als sehr beschränkt ein. Denn wenn die Zölle auf null seien, müsse die Firma das Abkommen gar nicht mehr anwenden und könne ohne Formularkrieg importieren.

Den Entscheid des Bundesrats wertet Föllmi als wichtiges Signal in einer Welt, die stärker und stärker vom Protektionismus ergriffen werde: «Es zeigt, dass die Schweiz sehr stark auf offene Grenzen angewiesen ist, aber auch auf offene Grenzen setzt.»

«Fair-Preis-Initiative» und Gegenvorschlag

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» soll Unternehmen garantieren, dass sie auf dem Kanal mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis einkaufen können. Dies ist heute nicht gegeben, weil Generalimporteure den Preis diktieren, was zu überhöhten Preisen und missbräuchlichen Margen bei identischen Importprodukten führt.

Der Gegenvorschlag des Bundesrats will gegen den «Schweiz-Zuschlag» und diskriminierende Lieferbedingungen mit einer Änderung des Kartellgesetzes vorgehen.

Die Kommission des Nationalrats (WAK) hat mittlerweile zur Genugtuung der Initianten die Bestimmung ergänzt, dass sich relativ marktmächtige Unternehmen auch dann missbräuchlich verhalten, wenn sie die Marktgegenseite benachteiligen. Der Bundesrat hatte das missbräuchliche Verhalten noch auf den Wettbewerb beschränkt und damit die Binnenwirtschaft ausgeklammert. Die Initianten vermissen aber weiterhin etwa ein Verbot des Geoblockings, also die Sperrung von Internetinhalten durch den Anbieter.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andreas Iten  (Bauer der ältere)
    ""Alles ist gut, was die ungerechtfertigten Preisunterschiede herunterbringt», sagt Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).""

    Und was ist mit den Lohnunterschieden?
    Ist noch nie jemanden in den Sinn gekommen dass auch eine Hochlohninsel besteht?
    Im Verhältnis ist es bei uns nicht teurer sondern billiger.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @mano die Formulierung ist reine
    Hülle. Wenn dann die CH IN DER EU ist wird auch dieser Diebstahl zum Schaden der Konsumenten verschwinden
    Ist eine ganz einfache
    Konsequenz. Wir können nicht einen schwachen Franken haben und dann den Fünfer das Weggli und Herausgeld wollen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Achten Sie auf die Formulierung der Konsumentenschützerin: "Das bewegt sich in einem so kleinen Rahmen, dass ein Konsument von dieser Massnahme nicht wirklich etwas spürt.". Wenn sie anstatt dessen eine andere Formulierung angewendet hätte, wie z.B. "ich erwarte, dass diese Erleichterung vollumfänglich dem Konsumenten weitergegeben wird" hätte es einen total anderen Effekt erzielt. Mir ihrer aktuellen Aussage hat sie den Boden für Firmen geebnet, den entstehenden Gewinn für sich zu behalten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen