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Legende: Audio Tessiner Apotheken geben Antibiotika nur abgezählt mit abspielen. Laufzeit 05:55 Minuten.
Aus Espresso vom 03.04.2019.
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Kampf gegen Resistenzen Tessiner Apotheken geben Antibiotika nur abgezählt mit

Das Wichtigste in Kürze

  • Tessiner Apotheken geben ihren Kunden nur noch genauso viele Antibiotika-Tabletten mit, wie vom Arzt verschrieben wurden.
  • Die Apotheken öffnen die Packung und behalten die überzähligen Tabletten zurück.
  • Diese freiwillige Aktion ist eine Massnahme im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Sie wurde vom Tessiner Kantonsapotheker initiiert.
  • Für einige Kunden irritierend ist, dass sie dennoch die ganze Packung bezahlen müssen.

Tessiner Apotheken geben ihren Kunden seit Anfang Jahr nur noch genauso viele Antibiotika-Tabletten mit, wie diesen vom Arzt verschrieben wurden. Ein Beispiel: Ein Patient muss an drei Tagen je zwei Tabletten einnehmen. Das betreffende Antibiotikum gibt es aber nur in einer Zehnerschachtel.

Dann öffnet der Apotheker die Packung und behält vier Tabletten in der Apotheke zurück. Der Kunde bezahlt dennoch die ganze Packung. Sollte der Arzt die Kur verlängern, dann kann der Patient die weiteren Tabletten in der Apotheke abholen.

Wir sehen in dieser Massnahme ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen.
Autor: Giovan Maria ZaniniKantonsapotheker

Antibiotika könnten wirkungslos werden

Hintergrund der Aktion ist der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Werden Antibiotika falsch eingenommen, werden die Bakterien resistent. Die Antibiotika verlieren ihre Wirkung. Das könne gefährlich sein, sagt der Tessiner Kantonsapotheker Giovan Maria Zanini: «Wenn wir eines Tages keine wirksamen Antibiotika mehr haben, kann auch ein banaler Infekt lebensbedrohend sein.»

Zanini hat deshalb Ende 2018 den Tessiner Apotheken in einem Rundschreiben das neue Vorgehen empfohlen. Mitmachen ist für die Apotheken freiwillig. Zanini sagt dazu: «Wir sehen in dieser Massnahme ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen.»

Diese Art der Antibiotika-Abgabe verhindert, dass Patienten die überzähligen Tabletten dennoch einnehmen, später ohne ärztliche Verschreibung für andere Erkrankungen verwenden oder an Dritte weitergeben. Überzählige Tabletten sollten in die Apotheke zurückgebracht und dort korrekt entsorgt werden. «Mit unserem System nehmen wir diesen Schritt einfach vorweg», sagt der Tessiner Kantonsapotheker.

«Arzt verschreibt Behandlung, nicht eine Packung»

Er freut sich, dass bereits viele Apotheken freiwillig mitmachen. Die Kunden würden mehrheitlich positiv reagieren. Wichtig sei, dass ihnen der Sinn der Aktion richtig erläutert werde, sagt Giovan Maria Zanini: «Vor allem soll der Kunde wissen, dass dies zugunsten der Gesellschaft gemacht wird.» Einige Kunden würden jedoch reklamieren. Sie verlangen die ganze Packung mit der Begründung, dass sie auch alle Tabletten bezahlt hätten.

Diesen Kunden rät der Kantonsapotheker zu einer anderen Denkweise. Der Arzt habe ihnen nicht eine Packung des Antibiotikums verschrieben, sondern eine Behandlung. Und für diese Behandlung werde der volle Preis bezahlt. Der Apotheker verdiene nicht mehr daran, versichert Zanini. Die überzähligen Tabletten würden nicht weiterverkauft. Sie würden entsorgt, sobald klar sei, dass der Kunde die Behandlung nicht weiterführen müsse.

Und die Pharmaindustrie?

Stellt sich die Frage, weshalb die Pharmaindustrie nicht kleinere Packungen herstellt. Für rund die Hälfte der Antibiotika gebe es passende Schachteln, sagt Giovan Maria Zanini. Bei den anderen gebe es sehr viele Dosierungsmöglichkeiten.

Dafür bräuchte es praktisch jede Packungsgrösse von einer bis zehn Tabletten. Das wäre für die Pharmaindustrie unrentabel, da Antibiotika sehr günstige Medikamente seien, sagt der Kantonsapotheker.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Siegenthaler  (dsiegent)
    Bei Bezahlung einer vollen Packung ist diese auch dem Käufer zu übergeben. Alles andere ist eine Bevormundung und versteckte Gewinnmacherei zu Lasten des Käufers bzw eventl. der Krankenkassen. Es profitieren nur die Apotheken und die Pharmaindustrie. Das Vorgehen der Tessinerpharmabehörde ist nichts anderes als eine Einladung and ie Pharma grössere Verpackungen herzustellen und zu einem entsprechend höheren Preis zu verkaufen. Es ist der falsche Weg die Antibiotikaresistenz zu bekämpfen.
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  • Kommentar von Alex Bauert  (A. Bauert)
    Die Einzelabgabe sei verboten, hiess es bis jetzt! In den USA ist es seit langem völlig üblich abzuzählen. Eine miese Geldmacherei - oder Taschenspielertrick, um das geltende Recht zu umgehen? (srf: abklären!) - der Apotheken zulasten der Krankenkassen und Bevölkerung? Sonst sinnvolle Geschichte.
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  • Kommentar von Adi Berger  (Adi B.)
    Beim Tierarzt klappt das seit Jahren. Da gibt es in der Arztpraxis ein kleines Papiersäcklein mit der abgezählten Zahl Tabletten und einer Klebeetikette mit Medikamentenbezeichnung und Einnahmevorschrift. Klappt wunderbar und nichts geht in den Müll. Auf Beipackzettel kann ich auch bei Medis für mich gern verzichten, wenn ich mehr über das Produkt wissen will finde ich alles in kürzester Zeit im Netz und erst noch in einer gut lesbaren Schriftgrösse.
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