Zum Inhalt springen
Inhalt

Kampf gegen Terrorismus Wie die Uni-Klinik Zürich Extremisten therapiert

Legende: Video Die Gefahr des IS-Gedankengutes bleibt abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
Aus 10vor10 vom 20.04.2018.

Auf den Schlachtfeldern in Syrien und Irak ist die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) scheinbar fast besiegt. Dennoch bleibt die Zahl der Fälle von Terror-Unterstützern und -Sympathisanten auch in der Schweiz hoch. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht 2017 der Bundesanwaltschaft (BA), Link öffnet in einem neuen Fenster hervor.

Rund 60 Verfahren hängig

Im Bereich Terrorismusbekämpfung wurden 17 Strafverfahren neu eröffnet. Das zeigt gemäss der BA, dass das Phänomen nichts an Bedeutung verloren habe. Insgesamt seien rund 60 Verfahren hängig, teilt eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft auf Nachfrage von SRF mit.

Die grösste Zahl der Verfahren laufen gegen mutmassliche Propagandisten, aber auch gegen Rückkehrer aus dem Kampfgebiet Syrien und Irak. IS-Unterstützer können in der Schweiz mit Gefängnis bestraft werden – allerdings sollen einige von ihnen auch therapiert werden.

Wie umgehen mit diesen Radikalisierten?

Im Dezember haben Bund, Kantone und Gemeinden einen Nationalen Aktionsplans (NAP), Link öffnet in einem neuen Fenster vorgestellt, der Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus in all ihren Formen ins Visier nimmt. Beim NAP ist die Prävention von entscheidender Bedeutung und stellt die zentrale Frage, wie man mit Radikalisierten umgehen soll.

Dabei wird ein Programm in Zürich als Vorbild genannt. Es heisst «Radip», Radikalisierungs-Intervention, und wird vom Zentrum für Kinder- und Jugend-Psychiatrie der Universitätsklinik Zürich durchgeführt.

Im Programm geht es darum, Zweifel zu sähen, denn Jugendliche in extremistischen Netzen verlieren ihre Persönlichkeit.
Autor: Cornelia BesslerChefärztin Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Im Programm gehe es in erster Linie darum, «Zweifel zu sähen», erklärt Chefärztin Cornelia Bessler: «Jugendliche, die sich in extremistischen Netzen verfangen, verlieren ihre Persönlichkeit und ihre persönlichen Ziele. Diese gehen auf in der Zielsetzung des Netzwerks und der Gruppierung. Denn dort ist Gehorsam gefordert, während die eigene Reflexion unterbunden wird. Diese eigene Reflexion muss erst wieder angeregt werden.»

Chefärztin Cornelia Bessler.
Legende: Chefärztin Cornelia Bessler an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich leitet das Programm «Radip», Radikalisierungs-Intervention. SRF

Das Zürcher Programm «Radip» ist aber nicht für sämtliche Extremisten gedacht, sondern es können ausschliesslich Personen aufgenommen werden, die in einem Strafverfahren stehen oder bereits verurteilt worden sind. Somit werden die Extremisten per Beschluss einer Staatsanwaltschaft oder eines Gerichts zur Teilnahme verpflichtet.

Ohne Einverständnis, mit Zwang oder Massnahmen, werden wir nichts erreichen.
Autor: Ahmad MansourPsychologe und Extremismus-Experte

Zwang wirkt nicht

Diesen Zwang sieht der deutsche Psychologe und Extremismus-Experte Ahmad Mansour kritisch. Er leitet selber Deradikalisierungs-Programme und sagt, Deradikalisierung funktioniere nur mit Freiwilligkeit.

«Ohne dieses Einverständnis, mit Zwang oder Massnahmen, werden wir nichts erreichen. Die Leute werden kommen, weil sie kommen müssen. Sie werden sagen, was wir hören wollen und danach bestehen immer noch die Radikalisierungstendenzen», erklärt Mansour.

Ahmad Mansou.
Legende: Der Psychologe und Extremismus-Experte Ahmad Mansour ist überzeugt, Deradikalisierung funktioniere nur mit Freiwilligkeit. SRF

In Zürich mache man andere Erfahrungen, entgegnet Chefärztin Bessler: «Wer geht schon freiwillig in eine Therapie? Nur ein kleiner Teil der Patienten kommt ganz freiwillig, weil sie einen Leidensdruck haben. Aber Extremisten haben keinen Leidensdruck. Es ist ja ihre Identität oder Zukunftsidee. Und dann werden sie eben geschickt. Aber es funktioniert sehr gut.»

Wie viele Extremisten an dem Programm teilnehmen, sagt Bessler nicht. Der Bedarf in der ganzen Schweiz jedenfalls sei gestiegen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Quick analysis: Extremisten werden therapiert mit Gutmensch-Methoden, welche sie eh nicht ansprechen, damit sie diejenigen nicht ermorden, die ihre Therapie finanzieren. Ich denke, genauso gut könnte ich den Experten meine Vintage Fendi-Tasche für 10k verkaufen. Da hätten mindestens zwei Personen was davon.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    Die Terroristen lachen sich krumm wenn die davon hören. Nur jemand der solches nicht bezahlen muss und sogar daran verdient glaubt an solche Massnahmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Radikalisierte islamistische Exponenten, die man nur auf Freiwilligkeit zu Deradikalisierung therapieren will, sind eine gefährliche und teuere Last für die Gesellschaft. Die eingewanderten Islamisten gehören ausgeschafft, CH-Islamisten auf Freiwilligkeit mit Samthandschuhe pflegen ist absurd. Das sind nicht nur religiöse Fanatiker, sondern durch Mord und Gewalt auf Andersgläubigen Personen zielende Kriminelle. Eine sehr fragwürdige Entscheidung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen