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Katastrophe in Crans-Montana Krisenkommunikator: «Da wurde im Vorfeld einiges unterschätzt»

Zwei Experten für Krisenkommunikation schätzen die Kommunikation der Gemeinde Crans-Montana vom Dienstag ein.

Es sei ein Lehrbeispiel gewesen gestern, wie man es nicht machen sollte, sagt Markus Baumgartner. Er ist Präsident des Verbands Krisenkommunikation. Baumgartner war Sprecher der Crossair-Swiss. Er sagt zum Auftritt der Gemeinde Crans-Montana am Dienstag: «Es sieht alles unvorbereitet aus. Es wurden einige teilweise schlimme Fehler begangen. Da wurde einiges unterschätzt oder nicht beachtet im Vorfeld.»

Baumgartner hätte von einem öffentlichen Auftritt dieser Art abgeraten. «Es hätte geholfen, wenn der Gemeindepräsident sofort zurückgetreten wäre, wenn er gesagt hätte, ‹wir sind da mitschuldig›. Dies hätte gezeigt, dass er keine Eigeninteressen verfolgt und eine unabhängige Untersuchung unterstützt.»

Christian Gartmann ist ebenso wie Baumgartner Krisenkommunikator. Er berät beispielsweise die Gemeinde Brienz GR bei der Kommunikation. Gartmann sieht es komplett anders. Eine Gemeinde in dieser Situation «darf sich nicht verstecken, sie muss zeigen, dass es sie etwas angeht». Das habe die Gemeinde getan.

Vorbereitung extrem wichtig

Beide Kom­munikations­speziali­sten sind sich einig: Wer gut kommunizieren will, muss gut vorbereitet sein. Experte Baumgartner bekam jedoch das Gefühl, die Gemeinde sei genau das nicht. Man habe als internationaler Ferienort das weltweite Interesse zu wenig beachtet.

Der Gemeindepräsident habe explizit nur Französisch gesprochen. Doch die italienischen, deutschsprachigen, englischen und anderen Medien wollten ebenfalls Antworten auf ihre Fragen. «Medien sind Dienstleister, die die Botschaften, die wichtig sind zur Aufklärung der Sache, in die ganze Welt verbreiten. Da muss man freundlich bleiben und eine Dienstleistungsmentalität haben.»

Es ist wichtig, dass man sagt, dass der Schaden der Gemeinde in keinem Verhältnis zu dem steht, was die Menschen erleiden mussten, die getötet oder verletzt wurden.
Autor: Christian Gartmann Experte für Krisenkommunikation

Der Satz des Gemeindepräsidenten, dass die Gemeinde das grösste Opfer in dieser Tragödie sei, hatte eine verheerende Wirkung. Natürlich dürfe die Gemeinde erklären, dass auch sie Schaden erleide, sagt Christian Gartmann: «Aber es ist wichtig, dass man sagt, dass ihr Schaden in keinem Verhältnis zu dem steht, was die Menschen erleiden mussten, die getötet oder verletzt wurden, und auch, was die Familien, Freunde und das Umfeld erleiden.»

Es gibt viele Betroffene, es gibt noch viele offene Fragen.
Autor: Markus Baumgartner Experte für Krisenkommunikation

Der Druck auf den Gemeindepräsidenten sei enorm gewesen und Verteidigungs­kommunikation sei die schwierigste Kommunikation, sagt Markus Baumgartner. Die Gemeinde habe sich gestern aber selbst schwer belastet, indem sie die fehlenden Brandschutzkontrollen zugegeben habe.

Für ihn war diese Aussage ein Versuch, «den Kopf aus der Schlinge zu ziehen». Doch: «Das ist jetzt nicht das Thema. Es ringen immer noch Leute mit Leben und Tod. Es gibt viele Betroffene, es gibt viele offene Fragen. Man sieht einfach, dass die Gemeinde Crans-Montana nicht nach Vorschrift gehandelt hat.» Da müsse man sich nicht noch verteidigen.

In einer solchen Situation müsse man sich helfen lassen, sagen beide Kom­munikations­spezialisten. Das tut auch Crans-Montana und lässt sich von Dynamics Group, einer Kommunikationsfirma, die in der ganzen Schweiz arbeitet, begleiten. SRF hat die Dynamics Group gefragt, was sie sich zur Krisenkommunikation am Dienstag überlegt hatte. Die Firma lässt sich wie folgt zitieren: «Auf Anfrage des Gemeinderats von Crans-Montana unterstützt Dynamics Group die Gemeinde in dieser aussergewöhnlichen Situation in der Kommunikation.»

Rendez-vous, 07.01.2026, 12:30 Uhr; stal;noes

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