Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Katastrophe in Crans-Montana Warum Regierungspräsident Mathias Reynard so viele berührt

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana berührt der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard mit Nähe und Offenheit.

Kein Politiker war nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana so präsent wie Mathias Reynard. Der Walliser Regierungspräsident zeigte Emotionen – und sprach vielen aus dem Herzen.

Als Reynard am Neujahrstag, nur Stunden nach dem Brand, vor die Kameras tritt, ringt er mit den Tränen. Kurz zuvor hatte er Angehörige der Opfer getroffen. «Es ist ein schwieriger Moment», sagt er. «Es gibt keine Antworten auf ihre Fragen.» Das einzige, was er sagen könne, sei: «Wir stehen an eurer Seite. Unsere Rettungskräfte tun alles, was möglich ist.»

Diese Mischung aus Engagement und Mitgefühl, aber auch das Eingeständnis, sich hilflos zu fühlen, berührt über das Wallis hinaus. «Ich wollte den Familien der Opfer gerecht werden», sagt Reynard diese Woche am Rand eines Spitalbesuchs in Sitten. Er sei müde, gibt der 38-Jährige zu. «Aber wenn ich an die Familien oder an die Pflegenden denke, relativiert sich das.»

Ein politischer Senkrechtstarter

Reynard eilt in diesen Tagen von Termin zu Termin. Er ist mitverantwortlich für die Organisation des grossen Gedenkanlasses für die Opfer von Crans-Montana am Freitag. Unter den Gästen wird auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sein.

Die Nähe zu den Mächtigen wurde Reynard nicht in die Wiege gelegt. Er wächst im Dorf Savièse oberhalb von Sitten auf, als Sohn einer Pflegefachfrau und eines Bodenlegers. Als Erster in der Familie studiert er. Mit 16 tritt er der Juso bei, mit 24 wird er überraschend Nationalrat.

Als jüngstes Ratsmitglied darf er zu Beginn der Legislatur eine Rede halten: «Aus Respekt vor dem System werde ich sogar eine Krawatte tragen», sagt er damals.

Linker und Brückenbauer

Das ist typisch für Reynard. Er politisiert weit links, ist aber kein Revoluzzer. Er marschiert an Fronleichnam mit den Herrgottsgrenadieren durch sein Dorf – und setzt sich gleichzeitig im Parlament für den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ein. Der ausgebildete Sekundarlehrer kämpft für starke Berufsbildung, mehr Kita-Plätze und faire Arbeitsbedingungen.

Nachdenklicher Mann in kariertem Anzug vor blauem Hintergrund.
Legende: Reynard politisiert zwar weit links, ist aber kein Revoluzzer. Keystone/Jean-Christophe Bott)

2021 wird Reynard der erste französischsprachige Sozialdemokrat in der Walliser Regierung und das jüngste Regierungsmitglied seit gut 100 Jahren.

Menschlichkeit vor Parteigrenzen

Auch nach der Tragödie von Crans-Montana zeigt sich, weshalb Reynard weit über Parteigrenzen hinaus Stimmen holt. Bei einer Kranzniederlegung mit dem italienischen Aussenminister bekreuzigt er sich. Darauf angesprochen, sagt er: «Ja, ich bin gläubiger Katholik. Der Glaube hilft mir – aber das ist privat.»

Der Glaube ist ein Band, das Reynard mit konservativeren Politikern und Wählerinnen im Wallis verbindet. Der Präsident des Walliser Staatsrats ist durch und durch ein Linker – aber noch mehr ist er Walliser, bodenständig und offen, auch für Leute mit anderen Parteibüchern: «Es gibt in jeder Partei Menschen, die sich mit Menschlichkeit für die Gemeinschaft einsetzen», sagt er. In diesen Tagen nach der Tragödie von Crans-Montana sei die Parteizugehörigkeit unwichtig.

Echo der Zeit, 07.01.2026, 18 Uhr;stal;noes

Meistgelesene Artikel