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Wieso sind die Fallzahlen tief?
Aus 10vor10 vom 28.05.2020.
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Kaum noch neue Infektionen Experten zum Lockdown: «Es war die richtige Entscheidung»

Die Fallzahlen sind so tief wie zu Beginn der Pandemie – trotz der Lockerungen. Ob das so bleibt, da sind sich die Experten und Expertinnen uneins. Einig sind sie sich, dass es die strengen Massnahmen gebraucht hat.

Ende März gingen Forscher der Universität Basel davon aus, dass der Höhepunkt der Corona-Pandemie erst im Mai erreicht würde. Als am wahrscheinlichsten erachteten sie folgendes Szenario, in dem der Höhepunkt der Pandemie Mitte Mai erreicht sein würde – mit 64'000 Erkrankten und fast 23'000 Toten.

Es ist die Disziplin der Bevölkerung, die eine solche Entwicklung möglich gemacht hat.
Autor: Pietro VernazzaInfektiologe

Doch die Pandemie verlief viel glimpflicher als erwartet. Insgesamt erkrankten bislang 30'000 Personen, knapp 2000 Menschen verstarben. Trotz zwei Lockerungsstufen stiegen die täglich gemeldeten neuen Infektionen nicht mehr an.

Verschiedene Zukunftsaussagen

«Grundsätzlich sind Prognosen immer schwierig», sagt Pietro Vernazza, Infektiologe am Kantonsspital St. Gallen. «Allerdings scheinen die Massnahmen in ihrer Gesamtheit gewirkt zu haben. Es ist die Disziplin der Bevölkerung, die eine solche Entwicklung möglich gemacht hat.»

So tief wie jetzt bleiben die Zahlen wahrscheinlich nicht – es wäre natürlich zu hoffen.
Autor: Tanja StadlerForscherin

Doch bleiben die Neuinfektionen auf diesem tiefen Niveau? Tanja Stadler, Forscherin an der ETH Zürich, erwartet, dass es mit mehr Freiheit auch mehr Ansteckungen geben wird. «So tief wie jetzt bleiben die Zahlen wahrscheinlich nicht – es wäre natürlich zu hoffen.» Deshalb sei umso wichtiger, dass alle versuchten, so viel Distanz wie möglich zu halten. «So hat das Virus weniger Möglichkeiten, sich zu verbreiten.»

Dagegen erwartet der Epidemiologe Marcel Salathé, Mitglied der Taskforce des Bundes, dass die Fallzahlen im Sommer gleich tief bleiben werden – sofern sich die Menschen an die Massnahmen hielten.

Einigkeit über Lockdown

Bleibt die Frage: War die Lage wirklich so schlimm, dass es einen Lockdown brauchte? Ja, sagen die drei Experten unisono. Denn obschon die Menschen vor dem Lockdown ihr Verhalten angepasst hätten, sei die Ansteckungsrate immer noch zu hoch gewesen.

Pietro Vernazza betont: «Klar, man kann sich die Frage stellen, wie streng der Lockdown hätte sein respektive wie lange er hätte dauern sollen. Aber dass er notwendig war, das steht ausser Frage.»

Ich denke, es war die richtige Entscheidung.
Autor: Marcel SalathéEpidemiologe

Auch Marcel Salathé von der ETH Lausanne betont, dass der Lockdown einen sehr starken Einfluss auf die Entwicklung der Pandemie gehabt habe. Dies vor allem im Vergleich mit anderen europäischen Ländern, die diese Massnahme erst später ergriffen hätten: «Ich denke, es war die richtige Entscheidung.»

10vor10 vom 28.05.2020

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110 Kommentare

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  • Kommentar von Maligan Jury  (jury maligan)
    Der Lockdown wäre in diesem Masse auf jeden Fall nicht nötig gewesen. Dies zeigte die Kurve der Ansteckungen schon davor klar, da sie stark am sinken war. Aber die Experten werden sagen - es hat sie noch am sinken verstärkt. Und die Schäden an Wirtschaft und Menschen auch. Aber jeder Bünzli ist den Anweisungen gefolgt und nur wenige haben sich getraut zu wehren und wurden Covid-Leugner geschimpft. Traurige Demokratie ist das.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Wenn ich die Diskussion hier richtig überblicke, war zunehmend eine überwältigende Mehrheit von der Angemessenheit des Shutdowns überzeugt. Die Argumente dieser Leute sind hauptsächlich Autoritätsargumente; wer sachlich zu argumentieren versucht, wird als Pseudoexperte verhöhnt, korrekte Infos weggeklickt. Länder mit strengen Massnahmen und wenigen Toten werden als Paradebeispiele angeführt, ohne Sinn und Verstand für Alternativen, ohne Bewusstsein auch nur für den offiziellen Zweck. Was läuft?
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  • Kommentar von Alex Avner Herzfeld  (Alex12)
    1. In der Wohnung ist es kalt. "Mach den Ofen an", sagt die Frau. Er tut es. Es wird warm. Frau: "Wozu verbrennst du teures Holz? Es ist doch warm".
    2. Ein Mann steht in der Zürcher Bahnhofstrasse und rudert mit den Armen. Passant zum Mann. " Hast du noch alle? Was treibst du eigentlich?". Mann: "ich verjage die Elefanten". Passant: hier hat es keine Elefanten". Mann: "Siehst du, gut dass ich sie vertrieben habe".
    Ob 1 oder 2 den Lockdown besser beschreibt? Da kann man lange streiten.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die Elefanten wären in den kollabierenden Spitälern überall auf der Welt anzutreffen, wo die Eindämmung misslungen ist.
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Ich kann Ihnen nicht folgen.
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