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Kein Religionsunterricht mehr? Tessiner Kirchen sträuben sich gegen Verlust ihrer Privilegien

Freidenker lancieren eine Initiative gegen die staatliche Finanzierung des Religionsunterrichts. Das ruft Ängste hervor.

Legende: Audio «Diese Initiative löscht unsere Wurzeln aus» abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
03:49 min, aus Rendez-vous vom 04.10.2018.

Das Tessin ist ein sehr katholischer Kanton. Gemäss Statistik sind 70 Prozent der Bevölkerung Mitglieder der römisch-katholischen Kirche. Warum in einer solchen Umgebung die totale Trennung von Kirche und Staat gefordert wird, sagt der Tessiner Präsident der Freidenker, Giovanni Barella: «Wir wollen, dass alle Bürger dieses Kantons die gleichen Rechte haben.»

Die Freidenker setzen sich, wie sie sagen, für die Anliegen der Menschen ein, die keiner Konfession angehören. Im Tessin sind das 20 Prozent der Bevölkerung.

Privilegien der Kirchen abschaffen

Freidenker Barella und seine prominenten Mitstreiter wie beispielsweise der ehemalige FDP-Ständerat Dick Marty oder Ex-Unia-Chef Franco Ambrosetti stossen sich erstens daran, dass die beiden Landeskirchen konfessionellen Religionsunterricht an staatlichen Schulen abhalten können. Zweitens stört sie, dass die Landeskirchen wie der Staat Steuern einziehen können, und dass Pfarreien durch öffentliche Gelder finanziert werden.

Das soll sich mit der nun lancierten Volksinitiative ändern: «Die Gemeinden sollen keine religiösen Aktivitäten mehr unterstützen». Die Freidenker wollten mit dieser Initiative die Macht der katholischen Kirche nicht eindämmen, sagt ihr Präsident Barella. Aber die Stellung der Kirche müsse dem Zeitgeist angepasst werden. «Es geht darum, mit der Zeit zu gehen. Die Stellung der Kirche innerhalb der Gesellschaft hat sich verändert.»

Kirchen sollen noch ein Verein sein

Die Freidenker wollen darum den betreffenden Passus in der Kantonsverfassung verändern. Und zwar so, dass die Kirchen faktisch einem Verein gleichgestellt wären. Kein Wunder, dass der politische Arm der Kirche, die Tessiner CVP, diese Initiative scharf kritisiert. Ihr Präsident Fiorenzo Dadò sagt: «Die Initiative stellt alles in Frage. Sie löscht unsere Wurzeln aus. Alle werden dadurch die gleichen Rechte haben, egal woher sie kommen. Das kann nicht sein.»

Und dann wird die Sprache von Dadò martialisch. Er spricht von einem versuchten Attentat auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Ins gleiche Horn stösst die Lega-Gratiszeitung «Il Mattino». Dort heisst es: «Diese Initiative löscht unsere Identität aus und führt zu einer Islamisierung».

Der Bischof schweigt dazu

Die Initianten werden es sehr schwer haben, in den nächsten Wochen die nötigen 10'000 Unterschriften zusammenzubekommen, soviel ist klar.

Das Bistum Lugano, namentlich der Bischof, hat sich bis jetzt nicht in die Diskussion eingemischt. Man warte zu, wie sich die Sache entwickelt, heisst es auf Anfrage.

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