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Vier Kantone haben noch nie eine Frau nach Bern geschickt
Aus Schweiz aktuell vom 14.03.2019.
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Keine Frauen im Parlament «Die Männer sind einfach im Weg gestanden»

Es gibt Kantone, die noch nie eine Frau ins Parlament gewählt haben. Schlusslicht ist Zug mit 54 verpassten Chancen.

«Die einfache Erklärung ist: Das Volk wollte nicht.» So begründet der CVP-Präsident und Zuger Nationalrat Gerhard Pfister die irritierende Tatsache, dass aus seinem Kanton noch nie eine Frau in den National- oder Ständerat gewählt worden ist.

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Gerhard Pfister: «Wir hatten immer Frauen auf dem Ticket, aber das Volk wollte es anders»
Aus News-Clip vom 14.03.2019.
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Zwar habe die CVP, viele Jahre wählerstärkste Partei in Zug, immer wieder Frauen aufgestellt, aber sie sind eben nicht gewählt worden. 54 Mal hätten die Zuger und Zugerinnen seit 1971 einen Parlamentssitz in Bern weiblich besetzen können, null Mal haben sie es getan.

Frauenanteil Parlament seit 1971

Auch die Zuger FDP brachte bisher keine Frau nach Bern: Es sei am höheren Bekanntheitsgrad der Männer gelegen, «die Männer sind einfach im Weg gestanden», meint Birgitt Siegrist, Parteisekretärin der Zuger FDP.

«Vor vier Jahren waren 40 Prozent der Kandidierenden in Zug Frauen», sagt Politologe Olivier Dolder. «Aber sie waren eben nicht auf Spitzenpositionen.» Denn: «Zug ist ein wirtschaftsliberaler, aber auch ein klassischer, konservativer Innerscheizer Kanton. Er ist dominiert von bürgerlichen Parteien, und da steht die Frauenförderung nicht zuoberst auf der Agenda.»

Problem der kleinen Kantone?

Auch Wählerinnen und Wähler der Kantone Obwalden, Glarus und Appenzell Innerrohden haben in 50 Jahren keine einzige Frau in den National- oder Ständerat gewählt. Da liegt der Eindruck nahe, dass kleinere, konservative Kantone generell ein Problem haben mit der Frauenwahl.

Tatsächlich glänzten auch Nidwalden mit zwei oder Uri mit drei Frauen innert 50 Jahren nicht wirklich. Immerhin kam die erste Nationalratspräsidentin (1977), Elisabeth Blunschy (CVP), aus dem Kanton Schwyz und wurde 1971 bei der allerersten Möglichkeit gewählt.

Zürich am frauenfreundlichsten

Am anderen Ende der Rangliste der «frauenwahlfreundlichsten» Kantone steht Zürich. 27.6 Prozent aller seit 1971 vergebenen Zürcher Sitze (439) in National- und Ständerat gingen an eine Frau. Mit Emilie Lieberherr, Liliane Uchtenhagen oder Vreni Spoerri schickte Zürich immer wieder prägende Frauen nach Bern, inklusive die erste Bundesrätin, Elisabeth Kopp.

Frauenanteil im Parlament Top 5 Kantone

Einen Frauenschub erlebte der Kanton Ende der 1980er-Jahre. In der SP, so berichtet Koni Loepfe, langjähriger Präsident der Stadtzürcher SP, sei es in dieser Zeit für Männer fast nicht möglich gewesen, auf die Liste zu kommen.

«Wir hatten so viele gute Frauen», sagt rückblickend auch Ruedi Winkler, Präsident der kantonalen SP von 1988 bis 1994, «dass Frauenförderung gar nicht nötig war: Die haben sich selber geholfen.»

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Ruedi Winkler: «Die Frauen haben sich schon selber geholfen»
Aus News-Clip vom 14.03.2019.
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Bezüglich der Frauenwahl hatte das ebenfalls bürgerliche Zürich gegenüber den kleinen Kantonen zwei Vorteile: Es gab viel mehr Sitze zu vergeben und dadurch auch grössere Wahlchancen für linke Parteien, welche mehr Kandidatinnen stellten.

«Selbstbewusst hinstehen»

Zug will jetzt nachlegen: Die Zuger FDP beabsichtigt, für die Wahlen im Herbst auf einer ihrer beiden Listen den ersten Platz an eine Kandidatin zu vergeben.

Frauenanteil im Parlament aktuell

Zwei prominente Zugerinnen gaben am Donnerstag gegenüber SRF ihre Kandidatur bekannt: Vroni Straub, Vize-Stadtpräsidentin von Zug, und Manuela Weichelt, langjährige Zuger Regierungsrätin.

Beide wollen für die Alternativ Grüne Partei im Herbst in den Nationalrat gewählt werden. «Mit nur drei Sitzen im Nationalrat haben wir es in Zug etwas schwieriger als die Frauen in Zürich», meint Straub, «aber wir Frauen müssen aufholen und das gelingt nur, wenn wir selbstbewusst hinstehen.»

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Das Problem ist vielschichtig. Da ist das im Unterbewusstsein noch vorhandene Bild der Frau am Herd und in der Kinderstube. Mir aus naechster Naehe bekannt: Frau Lic.oec. aufgestiegen in hohes Management, internat. Gesellschaft. u.a. Kontrolle Gleichberechtigung, Befoerderungsplanung usw. Viele Frauen haben nicht den Willen zum Aufstieg, wollen die Familie im Vordergrund, koennen oder wollen keine Internat. Reisen wegen Familie. Maenner aben nicht die gleichen Vorbehalte.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    In meiner Jahrzehntelanger Politbeobachterzeit haben die Parteien immer wieder Frauen auf ihren Kandidatenlisten aufgestellt. Warum aber an der Wahlurne viele dieser Frauen nicht gewählt werden, ist ein unergründetes Phänomen! Sogar viele Frauen wählen offenbar weiterhin lieber Männer in die politischen Aemter oder Räte! Wenn eine Frau den Willen, die Fähigkeit und Ueberzeugung zum politisieren hat, sollte und hat sie auch die gleichen Chancen, wie ein Mann! Sie muss einfach nur gewählt werden!
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  • Kommentar von Konrad Schläpfer  (Koni)
    Wenn ich so an die Damen Dreyfuss, Calmy Rey und Sommaruga denke, fällt es mir schwer Frauen zu wählen.
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    1. Antwort von robert mathis  (veritas)
      Koni die Liste liesse sich fortführen EWS usw ich war bis anhin meistens enttäuscht Respekt muss man sich erarbeiten nur Frau sein genügt nicht.....p.s. Das gilt auch für Männer die oft zu wünschen übrig lassen als Politiker
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