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Offizialdelikt in der Schweiz Keine Strafverfahren wegen Genital-Verstümmelung

Legende: Audio Mädchenbeschneidung – Verbrechen ohne Folgen? abspielen. Laufzeit 02:20 Minuten.
02:20 min, aus HeuteMorgen vom 10.07.2017.
  • Die Beschneidung der weiblichen Genitalien ist in der Schweiz seit fünf Jahren ein Offizialdelikt.
  • Doch laut der Zeitung «reformiert» ist es in dieser Zeit noch zu keinem Fall von Strafverfolgung gekommen.
  • Fachstellen wollen nun noch mehr sensibilisieren, unter anderem mit einer neuen Informations-Plattform, Link öffnet in einem neuen Fenster im Netz.

In afrikanischen Ländern wie Somalia, Eritrea oder Äthiopien sind über 80 Prozent der Frauen beschnitten. Mit der Zuwanderung aus diesen Ländern wurde die Verstümmelung weiblicher Genitalien auch in der Schweiz zum Thema.

Das Bundesamt für Gesundheit schätzt, dass hier gegen 15'000 Frauen und Mädchen betroffen sind. Wer ein Mädchen beschneidet oder es beschneiden lässt, muss mit bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen. Warum aber kam es in den letzten fünf Jahren noch zu keiner Strafverfolgung? Nadia Bisang leitet beim katholischen Hilfswerk Caritas das Projekt gegen Mädchenbeschneidungen.

Verbot als Argument gegen familiären Druck

Sie glaubt, das Gesetz habe eine vorbeugende Wirkung. Die Betroffenen könnten sagen: «Es ist verboten, wir bekommen Probleme, wenn wir es tun. Und sie können sich damit auch gegen den Druck von den Herkunftsfamilien schützen.» Andererseits würden solche Eingriffe wohl auch im Versteckten gemacht.

Bei der Beschneidung der weiblichen Genitalien wird entweder die Vorhaut der Klitoris eingestochen, geritzt oder weggeschnitten. Im Extremfall werden die grossen und kleinen Schamlippen teilweise oder sogar ganz entfernt.

Beschneidung weder in der Bibel noch im Koran

Betroffen sind Musliminnen ebenso wie Christinnen. Dabei verlangen weder der Koran noch die Bibel diese grausame Praxis. Es ist vor allem eine patriarchalische Tradition, um den Frauen ein befriedigendes Sexualleben zu verwehren. Ein Tabuthema, so Bisang: «Es schwierig, die Familien zu erreichen.»

Darum haben verschiedene Organisationen kürzlich eine neue Plattform, Link öffnet in einem neuen Fenster aufgeschaltet. Dort gibt es in sechs Sprachen Informationen zum Thema. Auch Migrantinnen und Migranten haben daran mitgearbeitet – in der Hoffnung, dass sich die Lage der jungen Mädchen und Frauen aus ihrer Heimat verbessert.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Paul (Karl Paul)
    Das Wort Genitalverstümmelung sagt alles. Tradition und Religion sind kein Freipass für Verbrechen.
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    "Er schütze damit das Kind, weil er verhindere, dass die Mutter, wenn er die Mutilation ablehne, das Mädchen eventuell zu einem Scharlatan bringt, der dann die Gesundheit „der jungen Frau“ von in der Regel vier bis elf Jahren durch mangelhaftes humanmedizinisches und pharmazeutisches Wissen und chirurgisches Unvermögen schwer schädigt, mögliche Komplikationen nicht erkennt, nicht fachgerecht behandelt oder gar den Tod der minderjährigen Patientin zu verantworten hat." Ganzer artikel Sägefisch
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Die Theologin Prof. Dr. Christina Aus der Au am 27. Mai 2017 während der Podiumsdiskussion (Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz) "Wenn eine Muslima einen Frauenarzt mit dem Wunsch aufsuche, die Schamlippen ihrer Tochter aus religiöser Tradition beschneiden zu lassen, könne der Arzt diesen medizinisch nicht erforderlichen Eingriff gegen seine eigentliche Überzeugung durchführen. "
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    1. Antwort von Henriette Rub (ehb)
      Und warum wird dieser "Arzt" nicht bestraft, wenn er doch ein Verbot missachtet? Ach ja, für diese Berufsgruppen gelten nicht die gleichen Gesetze, Sie werden ja auch eher selten für die eigenen Fehler haftbar gemacht.
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