Zum Inhalt springen

Header

Audio
Zuerst mit Maske ins Kino, dann gar nicht mehr: Kinobetreiber stehen vor grossen Herausforderungen.
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 11.02.2021.
abspielen. Laufzeit 06:16 Minuten.
Inhalt

Kinos im Shutdown Wie Schweizer Kinos ihre Zukunft sichern wollen

Kinos in Luzern und Zürich wollen über Fördervereine an Gelder kommen, um die Kinokultur zu retten. Ob das funktioniert?

Seit Wochen ist es dunkel auf den Leinwänden, und auch die Zukunftsaussichten sind düster: Der erste coronabedingte Shutdown im Frühling 2020 riss ein Loch in die Kinokassen, das Ende des zweiten Shutdowns ist nicht absehbar.

Unklar ist auch, ob das Publikum einfach wieder zurückkehren wird, wenn die Kinos dereinst wieder öffnen dürfen. Frank Braun jedenfalls – Geschäftsleitungsmitglied der Neugass Kino AG, die in Luzern und Zürich 13 Kinosäle im Arthouse-Bereich betreibt – will sich darauf nicht verlassen.

Fördervereine als Einnahmequelle

Die Kinokultur werde zwar wieder aus ihrem jetzigen Dornröschenschlaf erwachen, ist er überzeugt. Aber: «Damit sie längerfristig überleben kann, braucht es alle möglichen Kräfte. Und eine davon sind jene Leute, denen das Kino am Herzen liegt.»

Und um diese Leute zusammenzubringen, hat die Neugass Kino Fördervereine gegründet. Den Verein «Drehmoment» in Luzern für das Kino Bourbaki, und den Verein «Linie 32» in Zürich, für die Kinos Riffraff und Houdini. Das Ziel: Privatpersonen und Firmen sollen den Vereinen beitreten und durch ihre Mitgliederbeiträge den Kinos zusätzliche Mittel bescheren.

Jugendliche sollen günstiger ins Kino können

Das Geld soll jedoch nicht in die Begleichung laufender Rechnungen fliessen, sondern in Projekte – zum Beispiel, um Nachwuchs-Publikum ins Kino zu bringen. «Bring a friend» heisst eine erste Aktion: Junge Erwachsene sollen beim Kauf eines Kinoeintritts eine zweite Person mitnehmen können.

«Wir kommen schlecht an Junge zwischen zwölf und zwanzig Jahren heran», sagt Frank Braun. Für viele Jugendliche in diesem Alter sei der Kinoeintritt von knapp 20 Franken eine Ausgabe, die sie sich gut überlegten – vor allem, weil sie für einen vergleichbaren Betrag einen Monat lang Filme streamen können. «Natürlich können wir mit Streaming-Angeboten nicht mithalten», so Braun. «Aber wenn wir die Eintritte deutlich senken können, senken wir für Jugendliche auch die Schwelle, ins Kino zu gehen und dort Filme abseits des Mainstream zu entdecken.»

Bourbaki-Panorama in Luzern
Legende: Bourbaki-Panorama in Luzern: Das Kino Bourbaki ist eines der Kinos, das einen Förderverein erhalten hat - und jüngeres Publikum vertragen könnte. Keystone

Das Kino hat mehr Konkurrenz erhalten

René Gerber hält die beiden Fördervereine der Neugass Kino für ein gute Sache. Er ist Generalsekretär von ProCinema, dem Schweizer Verband für Kino und Filmverleih, und er ist sich sicher, dass auch andere Kinos mit ähnlichen Ideen aktiv werden, sobald ein Ende des Shutdown absehbar wird.

«Die Jungen fürs Kino zu gewinnen, ist tatsächlich die grosse Herausforderung», sagt er. Das liege nicht nur an den Streaming-Diensten, sondern an den Freizeitangeboten generell, die den Jugendlichen zur Verfügung stünden. «Das Kino hatte bei Jugendlichen vor zwanzig Jahren einen ganz anderen Stellenwert als heute – auch darum, weil das Kino weniger Konkurrenz hatte.»

Grundproblem: die Vertrauensfrage

Günstigere Eintritte könnten eine Möglichkeit sein, um ein jüngeres Publikum vor die Leinwände zu bringen, glaubt Gerber. Ein Patentrezept, um die Kinokultur zu retten, seien sie aber nicht. Da gebe es im Moment ein grundsätzlicheres Problem: Eine Befragung zu Beginn der zweiten Corona-Welle habe gezeigt, dass sich ein grosser Teil der Kinogänger wegen einer möglichen Ansteckung nicht mehr in die Säle getraute.

«Nach dem Shutdown werden die Kinos und andere Kulturveranstalter als Erstes wieder das Vertrauen der Leute gewinnen müssen», sagt René Gerber. Bloss mit Fördervereinen und zusätzlichen Mitteln sei das nicht möglich.

Regionaljournal Zentralschweiz, 10.2.2021; 17:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christoph Coltellino  (coltellino)
    Ich bin eigentlich ein Kinofan, stelle aber fest, dass das Preis-Leistungsverhältnis bei immer besser werdender Konkurrenz stetig schlechter geworden ist. Auch sehe ich hier nur wenige innovative Ideen, um Kino attraktiver zu machen. Ich hätte gerne ein Kino-GA (nicht nur für einen Betreiber) und z.B. ein Kino/Restaurant wie EVERYMAN in England, und wieder mehr Grossproduktionen im O-Ton. So oder so ist Kino nicht mit zu Hause zu vergleichen, und ich freue mich auf postpandemisches Traumtheater!
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Leider zeigen die Kinos immer weniger Originaltonfassungen, weil dort kein Geld zu verdienen ist. Die Mehrheit der Kinobesucher will Hollywood in Synchronfassung. Damit verdienen Sie das Geld, und nach Covid werden Sie wohl verstärkt darauf setzen. Kinos die Originalfassungen zeigen, tun dies nicht, um damit Geld zu verdienen, sondern den Filmliebhabern zu liebe. Für Filmliebhaber wie auch für Anspruchsvolles Kino werden schwierige Zeiten kommen.
    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Coltellino: Es kommt darauf an was man von einem Kino fordert. Aber sowas wie ein Kino-GA finde ich eine gute Idee, das etwas mit verschiedenen Anbietern funktioniert zeigt der Schweizer ÖV gut. Filme im O-Ton rentieren nicht da der Anteil der Kunden massiv kleiner ist als der Anteil bei synchronisierten Filmen. Dies versicherten mir verschiedene Anbieter, da ich gelegentlich auch gerne Filme im O-Ton sehe.
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Bevor Corona kam war ich zwischen 12-14 mal pro Jahr im Kino. Abhängig davon was lief. Ich bin weder einem anspruchsvollen Film noch einem Blockbuster abgeneigt. Kein Heimkino oder Streaming kann mir die schöne Atmosphäre eines Kinos ersetzen. Zumal Eigenproduktionen von Streaminganbieter von mir bisher selten mer als zwei Sterne bekamen. Sobald Corona sich abschwächt und die Kinos öffnen sitze ich wieder im Kinostuhl mit Getränk und Popcorn. Fördervereine finde ich eine gute Idee.
    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Genau so sehe ich das auch. Hoffentlich sehr bald bevor alle kaputt solidarisiert worden sind.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Ein weiterer Punkt, der gerade gegen Nischen und Arthouse Kinos spricht, ist der Anspruch der meisten Zuschauer. Die beliebtesten Filme in Kinos sind nun mal anspruchslose Hollywood Blockbuster. Am liebsten in Synchronfassung... Damit verdienen die Kinos leider ihr Geld. Alles andere Rentiert nicht und wird auch nie ein grosses Publikum finden. Schade aber in Zukunft werden sich die Kinos wohl noch mehr auf Mainstream ausrichten, da dort noch Geld zu holen ist.