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Kleinwasserkraftwerke in Nöten Nach ausgedörrter Strombilanz droht der Konkurs

Legende: Audio Muss Kleinwasserkraft KEV zurückzahlen? abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
01:19 min, aus HeuteMorgen vom 18.01.2019.
  • Seit 2018 müssen Kleinwasserkraftwerke die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) zurückzahlen, wenn sie nicht den vereinbarten Strom produzieren.
  • Doch ausgerechnet das Jahr 2018 war ungewöhnlich trocken, was kleinen Wasserkraftwerken die Stromproduktion erschwerte.
  • Absehbar aber ist, dass künftig nur Kraftwerke die KEV zurückzahlen müssen, die aus eigenem Verschulden die vereinbarte Mindestproduktion nicht erreichen.

Die kleinen Wasserkraftwerke der Schweiz haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Im trockenen Sommer 2018 haben viele deutlich weniger Strom produziert als normal.

Ausgerechnet seit letztem Jahr müssen Kleinwasserkraftwerke nun aber die Kostendeckende Einspeisevergütung KEV zurückzahlen, wenn sie nicht so viel Strom produzieren, wie vereinbart. Das könnte rund 200 kleine und kleinste Werke an kleinen Flüssen und Seen teuer zu stehen kommen.

«Grossteil hat Mindestproduktion nicht erfüllt»

Denn sie alle sind in den letzten Jahren erneuert oder erweitert worden und erhalten deshalb für den Strom, den sie verkaufen, eine kostendeckende Einspeisevergütung KEV. Vorausgesetzt sie liefern übers Jahr so viel Strom wie vereinbart.

Ein Ziel, das im letzten Jahr kaum eines der Kleinwasserkraftwerke erreicht hat. Martin Bölli, Geschäftsleiter des Verbands der Kleinwasserkraft: «Wir gehen davon aus, dass ein Grossteil dieser 200 Anlagen 2018 die Mindestproduktion nicht erfüllt haben.» Das heisst: Laut einer neuen Verordnung im Energiegesetz müssen die Kraftwerke die KEV zurückzahlen – und das können mehrere Hunderttausend Franken pro Kraftwerk sein.

Schlimmstenfalls droht der Konkurs

Das aber wäre für viele schwierig, meint Martin Bölli: «Wir gehen davon aus, dass ungefähr zwei Drittel einfach ein extrem schlechtes Geschäftsjahr hatten, und entsprechende Verluste decken müssen. Bei einem Drittel droht im schlimmsten Fall auch der Konkurs.»

So weit dürfte es aber nicht kommen. Das Bundesamt für Energie bestätigt auf Anfrage, dass die entsprechende Verordnung angepasst werden soll – nach nur einem Jahr.

«Wir haben die Trockenheit unterschätzt»

Frank Rutschmann, der Leiter der Sektion Erneuerbare Energien erklärt: «In dieser Tragweite haben wir die Trockenheit effektiv unterschätzt. Und auch die Konsequenzen, die die Trockenheit an kleineren Flüssen für Kraftwerksbetreiber in der KEV haben kann. Das haben wir jetzt entsprechend angepasst.»

Noch muss der Bundesrat die Änderung absegnen. Doch ist absehbar, dass künftig nur noch Kraftwerke die KEV zurückzahlen müssen, die aus eigenem Verschulden die vereinbarte Mindestproduktion nicht erreichen. Bisher ungewöhnliche Trockenphasen auf Grund des Klimawandels sollen kein mehr Grund sein.

Der Bund kommt damit der Forderung der Kleinwasserkraft nach – auch weil diese wichtig ist für die Schweizer Energiestrategie. Liefern die kleinen Wasserkraftwerke – anders als die grossen – doch vor allem im Winter Strom; dann nämlich, wenn andere erneuerbare Energien wie etwa Sonnenstromanlagen weniger produzieren.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Stotz (Urs Stotz)
    "Die kleinen Wasserkraftwerke – anders als die grossen – doch vor allem im Winter Strom". Und woher haben die Kleinkraftwerke im Winter ihr Wasser? Kleine Gewässer fliessen in grössere, diese in noch grössere. Die Flussrichtung ist von oben nach unten. Oben in den Bergen ist es meist kälter als unten im Tal. Wasser bleibt im Winter in den Bergen oft als Schnee liegen. Wasser in Form von Schnee treibt keine Kraftwerke an. Dies mal als grobe Erklärung für Menschen die Natur nicht mehr kennen.
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  • Kommentar von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Verstehe das nicht. All diese kleinen Wasserkraftwerke sind doch in den Händen von Gemeinden und Kantonen. Die Kraftwerke sind für >50 Jahre gebaut. Man hat also genug finanziellen/zeitlichen Puffer um mal ein trockenes Jahr zu überbrücken. Und wenn nicht, dann sollen bitte die Besitzer (Gemeinden,Kantone, staatliche EW) Geld einschiessen. Umgekehrt werden die KEV Beträge bei einem guten Wasserjahr ja auch nicht zurückbezahlt!
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  • Kommentar von Willi Geissbühler (WG)
    Man kann natürlich immer alles hinterfragen oder miesmachen. Wahrscheinlich wenn jemand eine Million für einen guten Zweck spendet, gibt es sicher wieder jemand, der dahinter irgend ein Manöver sieht. Was Ihnen aber entgangen ist, dass vorher eine andere Regelung vorhanden war, die durch eine schlechtere ersetzt wurde. Vorher wurden die Kleinkraftwerke ja auch nicht aufgekauft oder irre ich mich? Ich glaube nicht, dass grosse Energiekonz. u. Wasserkraftwerke Interesse haben an kl. Kraftwerken.
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    1. Antwort von Willi Geissbühler (WG)
      Der Kommentar ging eigentlich als Antwort an W. Pip.
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