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Ignazio Cassis im Interview im Rahmen der Klimakonferenz
Aus HeuteMorgen vom 08.11.2022.
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Klimakonferenz COP27 Ignazio Cassis: «Kein Land ist im Moment wirklich glaubwürdig»

Zum 27. Mal findet die Weltklimakonferenz statt. Dieses Mal wird das Treffen im ägyptischen Sharm el-Sheik durchgeführt. Im Rahmen der Konferenz erklärte der Bundespräsident Ignazio Cassis, wie die Schweiz ihren Anteil zum Klimaschutz leisten will – und wie armen Ländern geholfen werden soll, die Folgen des Klimawandels abzufedern.

Ignazio Cassis

Ignazio Cassis

Bundespräsident

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Der Tessiner FDP-Politiker wurde am 20. September 2017 in den Bundesrat gewählt. Seit dem 1. November 2017 ist er Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Cassis ist im Jahr 2022 Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

SRF News: Die Schweiz will laut Ihrer Aussage das 1.5-Grad-Ziel nicht aus den Augen verlieren. Der Klimawandel lasse sich in den Griff kriegen, wenn der Wille vorhanden sei. Ist diese Botschaft glaubwürdig?

Ignazio Cassis: Kein Land ist im Moment wirklich glaubwürdig, da die ganze Welt nicht auf Kurs ist, das Ziel zu erreichen. Das heisst aber keineswegs, dass wir vom Ziel abweichen sollen. Wir müssen nun ein zweites oder drittes Mal den richtigen Weg suchen. In der Schweiz sind wir nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes bereits neue Wege gegangen.

Kein Land ist im Moment wirklich glaubwürdig.
Autor: Ignazio Cassis Bundespräsident

Diese Wege werden jetzt operational. Beispielsweise haben wir soeben ein Abkommen mit Marokko unterschrieben, welches uns verpflichtet, CO2 zu sparen – nicht nur im Inland, auch im Ausland. Zusätzliche 200 Millionen Franken Steuergelder sollen für diese Ziele hier in Sharm el-Sheik investiert werden. Ich glaube, das sind wichtige Signale, welche die Schweiz als Teil der Weltgemeinschaft sendet.

In der Agenda der Konferenz gab es eine kurzfristige Änderung. Neu rücken die Schäden aufgrund des Klimawandels ins Zentrum und die ärmeren Länder fordern von den reicheren mehr Geld, um diese abzuwenden. Ist die Schweiz bereit, zu zahlen? Die Finanzierung in anderen Bereichen klappt ja noch nicht?

Wir sind enorm solidarisch mit den armen Ländern. Bei der internationalen Zusammenarbeit werden rund drei Milliarden Franken Steuergelder pro Jahr an ärmere Länder im Kampf gegen Armut und Klimaänderungen gezahlt. 400 Millionen Franken beträgt alleine das Budget gegen Klimaveränderungen.

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Pariser Klimaziele in weiter Ferne
aus Echo der Zeit vom 27.10.2022.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 33 Sekunden.

Natürlich sind die Bedürfnisse derart immens, dass man hinterfragen kann, ob diese Summe überhaupt einen Nutzen aufweist. Die Antwort hierbei ist ein klares Ja. Es geht auch darum, als gutes Beispiel voranzugehen. Wir sind engagiert, wir bleiben dran. Dabei sind wir nicht die einzigen, andere Länder gehen denselben Weg, somit entsteht ein positiver Trend. Es ist aber auch klar, dass sich die Probleme nicht von einem Jahr aufs andere in Luft auflösen werden.

Was wäre denn nötig, damit diese Klimakonferenz für die Schweiz einen Erfolg darstellt?

Ganz salopp formuliert: Ich wäre zufrieden, wenn wir nach zwei Wochen die Konferenz mit einem klaren Aktionsplan, der Deadlines und konkrete Messgrössen beinhaltet, beenden.

Das Gespräch führte Christian von Burg.

HeuteMorgen, 08.11.2022, 06:00 Uhr;

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139 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Danke für hitzige Klima-Diskussion, liebe Community. Gerne nehmen wir einige der Fragen auf, die Sie gestellt haben. Die Kommentarspalte schliessen wir nun an dieser Stelle. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Hr. Cassis hat schon recht. Aber wir können das verbessern, indem wir selbst das anstreben, was wir versprochen haben, ergo die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Also Vorschlag würde ich mehr Zwischenziele definieren und zwar äusserst herausfordernde, denn das Endziel ist unbeschreiblich herausfordernd und ohne sehr herausfordernde Zwischenziele haben wir keine Chance. Da nützt es nichts auf 2020 ein lockeres Ziel zu setzen, das sich von allein erreicht, um es dann noch peinlich zu verpassen.
  • Kommentar von Marco Brunner  (Gaistli)
    Herr Volkart, für einmal wage ich Ihnen zu widersprechen. Das Problem ist das System, in erster Linie das globale Wirtschaftssystem. Da nützt doch Eigeninitiative nichts. Realistisch betrachtet, im Wissen wie der Mensch so tickt.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Es nervt mich zwar jedes Mal, wenn die Wirtschaftslobby mit dem Argument, sie würde doch nur auf eine Nachfrage reagieren, die ganze Verantwortung auf die Konsumenten abschiebt. Aber umgekehrt ist es eben auch nicht richtig. Konsumenten tragen eine Mitverantwortung.
  • Kommentar von Guido Casellini  (CAS)
    ist man überhaupt "glaubwürdig" wenn man zu "40'000" trifft ???
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Ich finde bei denjenigen, die sich dort zu konkreten Workshops treffen, schaut wohl noch am meisten heraus. Die Staats- und Regierungschefs aber hätte man gut und gerne jeweils virtuell zuschalten können, statt sie mit den Flugis quasi einzufliegen und vorzuführen. - Was macht Herr Cassis dort unten? seine Worte hätte er auch von hier aus teilen können und morgen darf er eine vernünftige BR-Sitzung leiten? Irgendwie scheint der Arzt die Orientierung über: "was ist wichtig" verloren zu haben.