Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Rolf Wüstenhagen: «Die Pläne des Bundesrats sind ein Anfang» abspielen. Laufzeit 08:30 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 29.08.2019.
Inhalt

Klimaneutrale Schweiz bis 2050 «In Deutschland diskutiert man die Abwrackprämie für Ölheizungen»

Keine Kompromisse: Bis 2050 soll die Schweiz klimaneutral sein. So will es der Bundesrat. Bislang ist das aber nicht mehr als eine Absichtserklärung. Denn umsetzen muss das allen voran die Wirtschaft, aber auch die Bevölkerung ist gefragt.

Sind die Pläne des Bundesrats also mehr als schöne Worte vor dem Klimagipfel in New York? Antworten von Rolf Wüstenhagen, Professor für Management Erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen.

Rolf Wüstenhagen

Rolf Wüstenhagen

Wirtschaftsingenieur

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Rolf Wüstenhagen ist Professor für Management Erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen. Er hat an den Klimazielen des Bundesrates bis 2015 beratend mitgewirkt.

SRF News: Wie kommen die ambitionierten Pläne des Bundesrats bei Ihnen an?

Rolf Wüstenhagen: Klimaschutz ist ein wichtiges Anliegen. Insofern ist es erfreulich, dass sich der Bundesrat dem annimmt.

Lassen sich die Pläne mit den Anliegen der Gletscherinitiative vergleichen?

Sie haben tatsächlich ein ähnliches Ziel. Auch die Initiative will die Netto-Emissionen der Schweiz bis 2050 auf Null senken. Es ist auch kein Zufall, dass die Ziele ähnlich sind. Sie nehmen den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf. Der Weltklimarat hat in vielen Studien aufgezeigt, was die Folgen wären, wenn sich die globale Temperatur um mehr als 1.5 Grad erhöhen würde.

Alarmierende Erkenntnisse des Weltklimarats

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Alarmierende Erkenntnisse des Weltklimarats

Das ursprüngliche Emissionsziel der Schweiz basierte auf Erkenntnissen des Weltklimarates (IPCC), wonach die Klimaerwärmung bis zum Jahr 2100 auf unter 2 Grad zu begrenzen ist, um gravierende Folgen für Mensch und Artenvielfalt zu verhindern.

2018 hat der IPCC aufgezeigt, dass bereits ab einer globalen Erwärmung um 1.5 Grad mit gravierenden Veränderungen der Ökosysteme gerechnet werden muss und eine ausgeglichene Emissionsbilanz von Netto-Null bereits wesentlich früher erreicht werden muss.

Um diese Risiken des Klimawandels zu vermeiden, muss man die Emissionen mindern. Dies muss bis 2050 in grossem Ausmass geschehen.

Der grösste Unterschied zwischen Initiative und Bundesrat ist, wo man das CO2 kompensiert. Die Gletscherinitiative sagt: nur in der Schweiz. Der Bundesrat sagt: auch im Ausland. Wo stehen Sie?

Der erste Schritt ist zu ermitteln, wie die Emissionen reduziert werden sollen. Was man mit dem restlichen CO2-Ausstoss macht, den man nicht im Inland kompensieren kann, ist für mich erst der zweite Schritt. Es muss zuallererst geklärt werden, wie man in Bereichen, die heute viele der Emissionen verursachen, eine substanzielle Minderung erzielen kann.

Und wie kann das gelingen?

Die grossen Bereiche sind der Verkehr, die Gebäude und die Ernährung. Beim Verkehr ist es höchste Zeit für eine Minderung der Emissionen, indem man weniger fossile Brennstoffe einsetzt. Im Moment geht der Trend hier noch in die falsche Richtung. Die Verkehrsemissionen sind im letzten Jahr wieder gestiegen. Länder wie Norwegen zeigen, wie es geht. Auch dort hat man ein Netto-Null-Ziel – sogar bis 2030. Es wurden Massnahmen zur Förderung der Elektromobilität ergriffen. Heute wird jedes zweite Auto in Norwegen elektrisch betrieben (Diese Aussage ist falsch. Korrekt wäre: Heute wird jedes zweite neuzugelassene Auto in Norwegen elektrisch betrieben. Anm. d. Red.).

Die Hausaufgaben müssen vom Parlament gemacht werden.

Bei Häusern geht der Trend tendenziell in die richtige Richtung. In den letzten Jahren hat man ein grosses Wachstum bei Wärmepumpen erzielt. Diese werden mit erneuerbaren Energien betrieben. Auch bei der Wärmedämmung, also der Energieeffizienz, geht der Trend in die richtige Richtung. Es hapert aber bei der Geschwindigkeit der Umsetzung.

So soll die Klimaneutralität gelingen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Umweltministerin zeigte sich überzeugt, dass es in der Schweiz noch Potenzial gibt. Sie erinnerte daran, dass beispielsweise immer noch neue Ölheizungen eingebaut werden. Mit den heute bekannten Technologien und dem Einsatz erneuerbarer Energien könnten die CO2-Emissionen in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Industrie um bis zu 95 Prozent gesenkt werden, schreibt das Uvek. Auch in der Landwirtschaft gebe es Verminderungspotenzial.

Zum Ausgleich der verbleibenden Emissionen sollen künftig neben den natürlichen CO2-Speichern wie Wäldern und Böden auch Technologien zum Einsatz kommen, die der Atmosphäre Treibhausgase entziehen und diese speichern. Die Schweizer Industrie und Forschung spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung solcher Emissionstechnologien, betont das Uvek.

Der ganze Gebäudepark hat lange Investitionszyklen. Wenn man wartet, bis die Ölheizung ersetzt werden muss, braucht der Wandel relativ lange. Man muss die Massnahmen dem Tempo des Klimawandels anpassen. Etwa, indem man Anreize für den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien schafft. In Deutschland etwa wird über eine Abwrackprämie für Ölheizungen diskutiert.

Vieles ist eine Blackbox. Sehen Sie eine reelle Chance, dass das Klimaziel des Bundesrats erreicht werden kann?

Die Pläne sind ein Anfang. Wie bei Volksinitiativen – etwa der Alpeninitiative – werden nur die Leitplanken gelegt. Man schreibt beispielsweise einen kurzen Verfassungsartikel, der eine Richtung vorgibt. Die Hausaufgaben müssen aber vom Parlament gemacht werden.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Legende: Video Bund will bis 2050 eine klimaneutrale Schweiz abspielen. Laufzeit 01:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.08.2019.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

101 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
    Es wird Zeit, dass wir entlich wieder en Anschluss finden und wir durch unsere Rückständigkeit tausende von Arbeitsplätzen verlieren! In Deutschland hat die Energiewende weit über 100'000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, währenddem Oil Suisse (auch bekannt als SVP) jeglicher Vortschritt bei uns verhindert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Köbi Leu  (Köbi Löwe)
    @AF; sie irren. Es werden Umlageverfahren sein. Wer Carbon verbrennt, zahlt mehr.
    Das Geld wird von Vorteil zur Reduzierung der KK Prämien verwendet. Beispiel:
    Die CH Importe an Fossilprodukten betragen p.a. rd. 12 Mia. Franken. Bei Erhöhung (CO2) um 20%, kommen p.a. 2.4 Mia. Franken zusammen. Geteilt durch 8 Mio. KK Bezüger ergibt eine Prämienreduktion von Fr. 300.- p.a. u.P. Es wird ein Geben und Nehmen sein
    (wie mit Vielem im Leben).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Köbi Leu  (Köbi Löwe)
    @HM; Gerede vom CO2:
    Wir alle könnten uns glücklich schätzen, wenn dem so wäre.
    Die unbequeme Wahrheit sieht anders aus. Beispiel: Die CH emittiert p.a. 48 Mio. Tonnen CO2. Und 1 Ha. Wald CH vermag p.a. etwa 12 To. CO2 in Holzmasse umzuwandeln (Fotosynthese). Es werden also bei uns zum Abbau ca. 4 Mio. Ha Wald benötigt. Gemäss waldschweiz haben wir aber nur 1.28 Mio. Ha Wald.
    Unsere Waldfläche müsste gut 3x grösser sein. Oder der CO2 Ausstoss niedriger!
    Gibt es da Fragen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen