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Städte reagieren auf das Nein zum CO2-Gesetz
Aus Echo der Zeit vom 20.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
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Klimaschutz Städte wollen Klimaziele auch eigenständig weiterverfolgen

Nach Nein zum CO2-Gesetz: Zürich und Winterthur wollen den Klimaschutz selber vorantreiben, trotz Widerstand vom Land.

Für die Schweizer Städte war das Nein zum CO2-Gesetz eine Klatsche. Vor allem in den grösseren Städten war eine sehr deutliche Mehrheit für das Klimaschutzgesetz. In den Städten Bern und Zürich sagten weit über 70 Prozent der Abstimmenden Ja, in vielen weiteren Städten waren es deutlich über 60 Prozent.

So auch in Winterthur. Die städtische Umweltvorsteherin Katrin Cometta macht aus ihrer Enttäuschung kein Geheimnis, will jetzt aber nach vorne schauen: «Es ist ganz wichtig, dass die Städte jetzt auch das Signal setzen, dass sie die Klimaziele gemeinsam weiterverfolgen.»

Es ist ganz wichtig, dass die Städte jetzt auch das Signal setzen, dass sie die Klimaziele gemeinsam weiterverfolgen.
Autor: Katrin Cometta Umweltvorsteherin, Winterthur

Die Städte seien ganz besonders vom Klimawandel betroffen, betont auch Comettas Kollege, der Umweltvorsteher der Stadt Zürich, Andreas Hauri. Es sei zentral, dass der Bund möglichst rasch ein neues Klimaschutzgesetz erarbeite. Aber: «Die Bevölkerung will den Klimaschutz und weiss, dass der Klimawandel eine der grössten Herausforderungen ist. Wir können nicht warten, bis der Bund ein neues Gesetz realisieren wird. Wir gehen unseren Weg weiter.»

Wir können nicht warten, bis der Bund ein neues Gesetz realisieren wird. Wir gehen unseren Weg weiter.
Autor: Andreas Hauri Umweltvorsteher, Zürich

Verkehr und fossile Heizungen

Zum Beispiel im Bereich Verkehr. Da hat die Stadt Zürich erst vergangene Woche beschlossen, flächendeckend Tempo 30 einzuführen und sie hat sich gemeldet für Versuche mit Mobility Pricing. Auch Winterthur will eine Stadt der kurzen Wege werden, wo alle das Wichtigste in ihrer Nähe erledigen können.

Grosses Potential besteht in allen Städten bei den Heizungen. Das CO2-Gesetz hätte da schärfere Grenzwerte und ein faktisches Verbot von neuen Ölheizungen gebracht. Nach wie vor ersetzt die Mehrheit der Hausbesitzer alte fossile Heizungen wieder durch fossile. Dem wollen die Städte mit zusätzlichen Fördermitteln und noch mehr Beratung gegensteuern.

Begrenzte Möglichkeiten der Städte

Das Beispiel zeigt aber die Grenzen städtischer Macht: Städte könnten fördern, aber nicht wirklich fordern, bestätigt Martin Flügel, der stellvertretende Direktor des Schweizerischen Städteverbands: «Das CO2-Gesetz hätte zumindest die Vorgaben geschaffen zur Abkehr von fossilen Heizungen. Auch das kantonale Energiegesetz spielt eine Rolle. Die Städte können leider keine Vorgaben machen und den Wechsel nur mit Beratung und Fördergeldern unterstützen.»

Die Städte können leider keine Vorgaben machen und den Wechsel nur mit Beratung und Fördergeldern unterstützen.
Autor: Martin Flügel Stellvertretender Direktor, Schweizerischer Städteverband

Klar ist: Die Städte allein können das Klimaziel, das trotz des Neins zum CO2-Gesetz weiterhin gilt, nicht erreichen. Es sieht vor, dass die Schweiz ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent reduziert im Vergleich zu 1990. Dazu braucht es ein nationales Klimaschutzgesetz.

Und der Stadt-Land-Graben?

Doch vertiefen die Städte mit ihrem Aufruf nicht gerade den Graben zwischen Stadt und Land in der Klimafrage? Flügel vom Städteverband stellt fest, dass es hier nicht um einen Graben zu den ländlichen Gebieten gehe, denn die Voraussetzungen seien nicht die gleichen: «Für die Städte ist es wichtig, dass sie das tun, was sie in der Stadt tun können, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren.»

Echo der Zeit, 20.07.2021, 18:00 Uhr

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151 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Meyer  (Bernhard Meyer)
    Wir werden uns der Natur anpassen müssen, die Menschheit ist wandelfähig
    1. Antwort von Andreas Andresen  (Bunterhund)
      Sind Sie sich sicher, dass sich "die Menschheit" an ein 6 Grad Szenario wird anpassen können?

      Und was wollen Sie mit dem Kommentar aussagen? Das wir heute keine Massnahmen ergreifen sollten, die den menschgemachten Klimawandel eindämmen? Sollen halt die Kinder und Kindeskinder richten? Klingt ein bisschen nach "nach mir die Sinnflut".

      Es gibt ein globales Abkommen, mittels dessen man dieses Problem weltweit abgestimmt lösen könnte. Warum machen wir das nicht einfach?
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Die Politiker sollen nicht immer nur reden, sondern auch handeln. Wir wissen so viel wie nie über den Klimawandel - und handeln nicht. Der Anstieg der globalen Temperatur wird verheerende Auswirkungen auf die Natur haben sowie zu irreversiblen Änderungen in vielen Ökosystemen und somit zum Rückgang der Artenvielfalt führen. Höhere Temperaturen und heftigere Wetterereignisse werden zudem enorme Kosten für die Wirtschaft und für uns alle verursachen. Unsere Gesundheit ist in Gefahr.
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Hauptursache für die grössere Hitze in den Städten ist neben dem Klimawandel die zunehmende Verdichtung der Bausubstanz. Diese wird nach wie vor von den Mainstream-Politiker:innen und den –Medien propagiert.
    1. Antwort von Sebastian Senn  (Sennensepp123)
      Hallo Herr Schneider,
      was für Abhilfe gäbe es denn für dieses Problem? Eine Reduzierung der Dichte würde doch ein Ausbau in die Breite forcieren und hätte damit eine weitere Zersiedelung mit (wie ich denke) noch grösserer Verbauung von Fläche zur Folge. Diese würde wiederum noch mehr aufheizen. Ich habe mal gehört, dass Grünstreifen zwischen den Strassen und Baumalleen helfen.
      Freundliche Grüsse