Zum Inhalt springen

Header

Video
Michelle Reichelt, Aktivistin Klimastreik: «Das jetzige System funktioniert einfach nicht»
Aus News-Clip vom 11.05.2021.
abspielen
Inhalt

Klimastreik Riss in der Klima-Bewegung: Radikale gegen Gemässigte

An der nationalen Klimademo in Bern gingen an die 100'000 Menschen auf die Strasse. Das ist fast zwei Jahre her. Seither hat sich die Bewegung entwickelt. Enttäuscht von der Politik, sind viele Aktivsten:innen extremer geworden. Sie verweigern die Zusammenarbeit mit der Politik, fordern eine radikale Abkehr vom System.

So die Vollzeitaktivistin Michelle Reichelt aus Kaufdorf (BE). «Das jetzige System ist exklusiv, es beruht auf Privilegien und funktioniert nicht», sagt die Aktivistin gegenüber der «Rundschau». Ihren Weg, das Klima zu retten, sieht sie im physischen Widerstand. Sie will «Zerstörung direkt vor Ort verhindern» und beteiligt sich an Besetzungen und illegalen Aktionen.

Neue Lebensformen aufbauen

Reichelt hat ihren Job als Lehrerin an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Systemwandel zu widmen. Die junge Frau reist an Besetzungen und Camps im In- und Ausland und versucht sich an neuen Formen des Zusammenlebens. Sie kritisiert die globale Zerstörung von Lebensräumen und den verschwenderischen Umgang mit Ressourcen.

Finanziell wird sie von ihren Eltern unterstützt. Ihr Partner, Jann Kessler, sagt, er rede mit seinem Vater darüber, «ob er einen Teil seiner Pensionskasse der Klimabewegung zur Verfügung stellen könnte, damit mehr Menschen diesen Aktivismus leben können».

Video
Jann Kessler, Aktivist Klimastreik: «Ich spreche auch mit meinem Vater darüber, ob er einen Teil seiner Pensionskasse der Klimabewegung zur Verfügung stellen kann.»
Aus News-Clip vom 11.05.2021.
abspielen

Junge GLP kritisiert Extremismus

Die Forderung nach einem Umsturz des Systems und illegale Aktionen – das schrecke junge Menschen ab, sich zu engagieren und schwäche die Bewegung. Das sagt Tobias Vögeli, Co-Präsident der Jungen GLP. Auch er sei Teil der Klimastreikbewegung. Die zunehmende Radikalisierung sieht er als Gefahr für die Bewegung: «Sie verliert den Rückhalt in der Bevölkerung.» Dort würden Besetzungen und illegale Aktionen nicht goutiert.

Video
Tobias Vögeli, Co-Präsident JGLP: «Wenn die Klimabewegung radikaler wird, verliert sie an Rückhalt in der Bevölkerung.»
Aus News-Clip vom 11.05.2021.
abspielen

Auch Maya Tharian, die zu Beginn stark im Klimastreik engagiert war, befürchtet, dass die Bewegung kleiner wird. Es fehle die «Bereitschaft, Andersdenkende auszuhalten», sagt sie. Die fühlten sich ausgeschlossen und blieben den Sitzungen fern.

Video
Maya Tharian, Geschäftsleitung JGLP: «Es fehlt die Bereitschaft, Andersdenkende auszuhalten.»
Aus News-Clip vom 11.05.2021.
abspielen

Unter das Stichwort Klimastreik würden zudem immer mehr linke Anliegen wie beispielsweise Feminismus und Antirassismus gemischt. Das hält sie für falsch. Es müsse wieder mehr ums Klima gehen.

Zankapfel CO2-Gesetz

Die Zerrissenheit der Bewegung zeigt sich auch am CO2-Gesetz, über welches die Schweizer Stimmberechtigten am 13. Juni abstimmen. Während Sektionen wie Waadt, Genf und Neuenburg Unterschriften für das Referendum gegen das Gesetz sammelten, setzen sich jetzt mehrere Regionalgruppen des Klimastreiks in der Deutschschweiz und dem Tessin gemeinsam für ein Ja ein. Auf nationaler Ebene hat die Bewegung die Stimmfreigabe beschlossen.

Beide Seiten betonen letztlich, die Bewegung lasse sich nicht spalten. Zu wichtig sei ihnen allen das gemeinsame Anliegen, den Klimawandel zu stoppen. Reichelt sagt: «Wir sind die letzte Generation, die etwas verändern kann. Danach ist es zu spät». Das gemeinsame Ziel ist definiert: netto null bis 2030. Das wird erneut am 21. Mai schweizweit am sogenannten Aktionstag «Strike for future» gefordert.

«Rundschau»

Box aufklappenBox zuklappen
«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

SRF Rundschau, 12.05.2021, 20:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

139 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
    Ich verstehe nicht, was ein CO2-Gesetz am Konsumverhalten ändert.

    Jeder von uns hat es in der Hand, Auto, E-Bike, Motorrad, Geschirrspülmaschine, Toaster, Steamer, Mikrowelle, Tumbler, Flugreisen, 15 kg neue Bekleidung pro Jahr (Pro Kopf-Durchschnitt in der Schweiz), künstliche Haarfarbe und Fingernägel, Fastfood, Fertignahrung, Süssgetränke und tausend andere Überflüssigkeiten nicht nötig zu haben.

    Kurz: das "unermessliche Glück, den ganzen Mist nicht haben zu müssen." (Björn Kern)
  • Kommentar von hans schwarz  (ks)
    Reife Leistung der beiden jungen GLP Vertreter. Gut argumentiert und sinnvoll.
  • Kommentar von Martin Haber  (Martinowitsch)
    Es ist in diesem Zusammenhang eine Diskussion überfällig, welche viel weiter gehen muss als diejenige, wieviel CO2 wir künftig emittieren dürfen. Es geht um die Frage, wie wir die Technologische Zivilisation mit den Belangen des Naturschutzes als Ganzes in eine fruchtbare Beziehung setzen können. Wer durch unüberlegte Massnahmen unsere Zivilisation zerstört, beraubt sie auch der Kräfte, die zu einer Befriedung der Konflikte zwischen der Natur und unserer Kultur führen könnten.