Zum Inhalt springen

Header

Video
Stefan Kuster – Der Nachfolger von Daniel Koch
Aus Puls vom 08.06.2020.
abspielen
Inhalt

Koch-Nachfolger Kuster «Ich trage auch im leeren Zugabteil eine Maske»

Der Nachfolger von «Mister Corona» Daniel Koch gibt einen Ausblick, wie auch nach den umfassenden Lockerungen vom 6. Juni ein Wiederaufflammen der Corona-Epidemie verhindert werden soll.

Stefan Kuster

Stefan Kuster

Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten des Bundesamts für Gesundheit

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Stefan Kuster verfügt über ein abgeschlossenes Medizinstudium mit Habilitation und einen Doppelfacharzttitel in Allgemeiner Innerer Medizin und in Infektiologie. Er erlangte einen Master in Clinical Epidemiology and Healthcare Research der University of Toronto, den er mit einem Executive MBA ergänzte. Stefan Kuster war in verschiedenen Funktionen am Universitätsspital Zürich und beim nationalen Zentrum für Infektionsprävention Swissnoso tätig. Zuletzt arbeitete er als Leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.

SRF: Wie gut sind wir in der Schweiz auf Superspreading-Events vorbereitet? Ist unser Tracing darauf ausgerichtet, dass man solche Infektionsherde schnell findet?

Stefan Kuster: Ich denke, wir sind gut vorbereitet. Unsere kantonsärztlichen Dienste haben die Ressourcen massiv hochgefahren. Sie gehen solchen Fällen nach, blicken zurück und versuchen herauszufinden, wo sich jemand angesteckt hat. In den Umgebungsuntersuchungen kann man dann sehen, wo es noch andere Fälle hat.

Es ist also den Kantonsärzten überlassen, wie genau sie dabei vorgehen?

Das ist so. Und sie sind natürlich auch in der Verantwortung, dass es funktioniert und die Infektionsketten unterbrochen werden. Die Kantonsärzte haben ein sehr grosses Interesse daran, denn wenn sie die Übertragungskette nicht finden, geht es in ihrem Kanton weiter – und das könnte dann irgendwann aus dem Ruder laufen.

Vergleicht man mit Japan, Südkorea oder anderen Ländern, sind wir hierzulande sehr zurückhaltend in Sachen Quarantäne. Wenn es zwei Fälle in einer Schulklasse hat, schicken wir die Klasse nach Hause, schliessen aber nicht die ganze Schule. Müsste man da nicht umdenken?

Das wissen wir nicht. Wir sind immer noch neu in der Epidemie und kennen das Virus noch nicht so lange. Da kann man eine Maximalvariante wählen und Zehntausende Menschen in Quarantäne stecken – oder man kann versuchen, verhältnismässig, Schritt für Schritt, mit der Situation umzugehen und eine gute Balance zu finden.

Wenn ich im Zug reise und positiv wäre, dann würde ich unter Umständen mit einigen Leuten über eine Stunde lang sehr nahe zusammensitzen, hätte aber keine Ahnung, wer das ist. Das ist doch ein Problem?

Ja, das ist so. Irgendwann kommt vielleicht die App, die uns dabei hilft, solche Übertragungsketten im Nachhinein nachzuvollziehen und wo sich Kontakte dann auch melden und testen lassen können. Aber im Zug ist es definitiv so, dass wir eine Situation mit engem Kontakt haben mit Leuten die wir nicht kennen. Da braucht es eben Masken.

Tragen Sie selber im Zug eine Maske, solange es die App nicht gibt?

Ja, ich trage im Zug eine Maske. Heute sass ich alleine im Abteil und hatte trotzdem eine auf.

Ich war in drei Restaurants essen, seit das wieder möglich ist. In allen wollte ich meine Telefonnummer hinterlassen und bekam dreimal zu hören, dass das nicht nötig sei. So nützt das Schutzkonzept doch nur auf dem Papier!

Wo ich essen war, habe ich meine Kontaktdaten hinterlassen. Es gibt also durchaus Restaurants, die das machen. Sie sollen und müssen das auch tun, denn es ist ganz wichtig, damit man die Kontakte bei Bedarf finden und informieren kann.

Auf einer Gefahrenskala von 1 bis 10, mit 10 als «worst case»: Wo stehen wir heute in Sachen Corona?

Ich glaube, im Moment sind wir bei einer 3. Wir haben sehr wenige Fälle und wir haben die Situation im Griff. Jetzt ist es einfach wichtig, dass die acht Millionen Menschen in diesem Land mitmachen. Dass sie den Abstand immer noch wahren, eine Maske tragen, wenn dies nicht möglich ist, und ihre Kontaktdaten hinterlassen. Damit wir es schaffen, in dieser Situation beim 3 zu bleiben und allenfalls auf eine 1 herunterzukommen.

Das Gespräch führte Daniela Lager.

Puls, 08.06.2020, 21:05 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

63 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ulrich Zimmermann  (Crocc)
    Herr Kuster, Sie können vieles besser machen. ORGANISATION: Jede namhafte Firma ist ISO_zertifiziert; d.h. Materialbeschaffung, Lagerung, Ablauforganisation, Intensivstationen, Personal und Ausbildung werden laufend angepasst und kontrolliert. Das sollte auch beim BAG Vorschrift sein. Spitäler, Rehas und Heime müssen kurzfristig in kleinere, isolierte Abteilungen unterteilt werden können um Massenansteckungen zu vermeiden. Ein Shutdown darf nie mehr unsere Existenz gefährden, das war fahrlässig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Mir fehlt Herr Koch! Nach diesem Artikel erst recht. Und übrigens schreibe ich hier ohne Maske.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Ramseier  (ramtho)
    Und plötzlich spricht man von einer Epidemie und nicht mehr von einer Pandemie! Komisch, monatelang wurde uns eindoktriniert es wäre eine Pandemie strickt ohne eine Widerrede zuzulassen! Wer hat hier wirklich das Sagen und mit welcher Absicht und welchem Interesse?
    Vielleicht kommt man langsam zur Einsicht mit den vorhandenen Zahlen, dass überreagiert wurde. Im Nachhinein ein kleiner Trost. Wie bei SARS wird man nichts lernen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Glaub, es ist üblich, von einer Pandemie zu sprechen, die epidemisch wird. Aber da werden substanzielle Entscheidungen für die nächsten Jahre hinter dem politischen Vorhang getroffen, die für viele zufällig Betroffene das wirtschaftliche Aus bedeuten werden, ohne dass geklärt wird, ob es das zur Verhinderung der vielbeschworenen gesundheitspolitischen Katastrophe braucht, von der man plötzlich nichts mehr hört. Das Ganze droht zum Selbstläufer zu werden, ethische Fragen bleiben auf der Strecke.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen