Zum Inhalt springen
Inhalt

Medien als Meinungsmacher Können Journalisten Abstimmungsresultate beeinflussen?

Legende: Audio Medien als Meinungsmacher abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.
03:34 min, aus Echo der Zeit vom 18.03.2017.

Beeinflussen die Medien politische Abstimmungen? Die Vermutung liegt nahe – wissenschaftlich nachgewiesen war der Zusammenhang von Berichterstattung und Abstimmungsergebnis für die Schweiz bislang kaum. Forscher zeichnen jetzt ein genaueres Bild.

Im Fokus steht die Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform II, die im Februar 2008 hauchdünn angenommen wurde. Die Vorlage wurde damals heiss diskutiert, weil sie Steuererleichterungen für Unternehmen und Steuerausfälle für die öffentliche Hand vorsah.

Kritische Zeitung, kritisches Stimmvolk

Laurent Bernhard, Politologe an der Universität Zürich, hat die Vorlage untersucht und kommt zum Schluss, dass die Medien den Stimmentscheid beeinflusst haben: «Je mehr Pro-Infos ein Stimmbürger bekam, desto eher wechselte er auf die Pro-Seite und umgekehrt.»

Vor und nach der Abstimmung wurden 1000 Stimmberechtigte befragt, wie ihre Stimmabsicht und ihr Stimmverhalten war und welche Medien sie im Vorfeld der Abstimmung konsumiert hatten. Die Zeitung «Nordwestschweiz» beispielsweise vertrat eine sehr skeptische Haltung gegenüber der Vorlage. Die hat die Stimmung in der Region geprägt: Die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn lehnten die Vorlage ab, während auf nationaler Ebene ein knappes Ja resultierte.

Je mehr Werbung, desto häufiger berichten die Medien.
Autor: Linards UdrisPolitologe Uni Zürich

Bei anderen Vorlagen ist der gleiche Effekt jedoch nicht nachweisbar. Bernhard hat auch die Asylgesetz-Revision aus dem Jahr 2006 sowie die Einbürgerungs-Initiative der SVP aus dem Jahr 2008 untersucht. Er glaubt, der Einfluss der Medien ist umso grösser, je komplizierter eine Vorlage ist. Inhalte, die sich weit weg von den Lebensfeldern der Stimmbürger bewegen, sind schwierig zu verstehen. Die Stimmbürger haben dann Mühe, eine eigene Meinung zu bilden und schliessen sich der Meinung der Medien an.

SRF berichtet am ausgewogendsten

Eine weitere Untersuchung des Politologen Linards Udris von der Universität Zürich kommt zum Schluss, dass sich Werbung für eine Abstimmungsvorlage durchaus lohnt. «Je mehr Werbung, desto häufiger berichten die Medien.»

Dabei sei es wichtig, die Emotionen aus einer Vorlage herauszukitzeln und diese zu bewerben. «Medien greifen Emotionen auf» – vor allem Pendler- und Gratis-Zeitungen, sagt Udris. Am ausgewogensten berichtete im Übrigen Schweizer Radio und Fernsehen SRF – hier kämen alle Protagonisten zu Wort und Befürworter und Gegner gleich häufig vor.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charly Ball (Charly Ball)
    Ich verstehe auch nicht alles auf Anhieb. Aber man kann sich auch Mühe geben, das Hirn anstrengen und studieren bis man etwas kapiert ! Aber das ist halt wie vieles im Leben nicht "geil", sondern anstrengend und zeitaufwändig. Also lieber die Freizeit geniessen, die einfachen Parolen nachplappern und sich dann enervieren, wenn es anders rauskommt als erwartet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Die Medien haben einen grossen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten. Sie nehmen medienwirksame Bruchstücke aus Vorlagen und präsentieren sie marktschreierisch dem Volk. Der Teufel liegt auch hier im Detail. Diese sind zu kompliziert für die Medien. Ehrliche und glaubwürdige Politikerinnen und Politiker können Vorlagen ebenso stark beeinflussen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    SRF berichtet am ausgewogendsten, klingt eher auch noch wie ein Eigenlob ! Da arbeiten die Seilschaften ziemlich eng zusammen und achten peinlich genau darauf, dass deren Gesinnung nicht all zu stark ins Wanken kommt. Gegensätzliche Positionen gelangen meist nur als "Alibiuebung" in Erscheinung und werden letztlich auch diffamierend innerhalb einer Gesamt-Kampagne benutzt und in allen Facetten ausgeschlachtet. Mit der Meinungs-& Pressefreiheit sieht es leider gar nicht so gut aus. (Embadded..!)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen