Zum Inhalt springen

Schweiz Kommen kosovarische Asylbewerber mit dem Billig-Bus?

Die Asylsuchenden aus Kosovo verhalten sich «entgegen der Statistik». Nach Einführung des 48-Stunden-Verfahrens hätte die Zahl der Asylbewerber eigentlich sinken sollen. Dies passierte so nach ähnlichen Regelungen mit anderen Staaten. Kosovaren aber stellen immer mehr Asylgesuche.

Kosovarin in einem Bus.
Legende: Busreisen aus Kosovo sind günstig. Keystone

Das Bundesamt für Migration (BFM) bezeichnet die Zunahme der Asylgesuche als «überraschend». Im März hatte man das 48-Stunden-Verfahren für Asylgesuche aus Kosovo eingeführt. In Bern weist man darauf hin, dass im Moment die Zahl der Asylgesuche von kosovarischen Staatsbürgern in mehreren europäischen Ländern zum Teil erheblich zunehme.

«Wirtschaftliche Gründe»

In Österreich ist die Situation ähnlich. In den ersten fünf Monaten 2013 haben sich die Asylgesuche aus Kosovo vervierfacht. Die Zuerkennungsquote auf Asyl liegt bei drei Prozent. Das Bundesministerium für Inneres in Wien spricht gegenüber SRF News Online von Schlepperbanden, welche Kosovaren auch nach Österreich bringen. «Es ist eine Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage. Da machen einige Personen Geld.»

In Deutschland berichten Medien von organisierten Billig-Busreisen, welche aus Kosovo nach Westeuropa organisiert werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg erfasst die Reiserouten der Flüchtlinge nicht statistisch. Die Anzahl Asylgesuche aus Kosovo bewegt sich aber auch hier «auf hohem Niveau». Die meisten Personen seien Roma. «Neben Diskriminierungserfahrungen spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle für die Asylgesuche aus Kosovo», so das Bundesamt gegenüber SRF News Online.

Bekannt von 2009

Der Verdacht auf organisierte Billig-Busreisen besteht auch in der Schweiz. Aber Busbahnhöfe wie beispielsweise jener am Sihlquai Zürich, wo viele internationale Reisen gestartet und beendet werden, weisen keine Statistiken über die Herkunftsländer der Busse aus.

Das BFM hat den Busbahnhof im Auge. Man gehe persönlich dort vorbei, um die Preise und Angebote zu prüfen. Beim letzten Besuch kostete eine Fahrt von Belgrad (von wo die Busse starten) in die Schweiz 55 Franken. 2009 schon gab es ähnliche Angebote. Damals bot die Schweiz Asylbewerbern noch 300 Franken Rückkehrgeld an. Dazu kamen Kost und Logie für einige Tage. Für die damaligen «Touristen» lohnte sich die Reise also in mehrfacher Hinsicht.

Ob der momentane Anstieg ebenfalls auf ein solches Busangebot zurückzuführen ist, will das BFM nicht bestätigen. Einen Grund müsse es aber geben, dies läge auf der Hand. Dazu komme, dass ein einziger Bus mit 50 Personen die Monatsstatistik schon deutlich «belasten» würde, so das BFM gegenüber SRF News Online. Somit müssen die Zahlen vorsichtig interpretiert werden.

Fatale Gerüchte in Tschetschenien

Legende: Video «Weniger Asylgesuche und niemand weiss, weshalb» abspielen. Laufzeit 23:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.07.2013.

Die Chancen für Bewerber aus Kosovo auf Asyl sind gering, dies belegen nicht nur die drei Prozent Zuerkennungsquote in Österreich. Offenbar reisen viele aber nicht aufgrund von Fakten, sondern Gerüchten. Der «Spiegel» belegt dies.

Die höchste Anzahl Asylsuchender in Deutschland stammt neu aus Russland. Genauer aus Tschetschenien. Grund ist ein Gerücht, das die Runde macht. 40‘000 Tschetschenen sollten demnach nach Deutschland gelockt werden.

Die Menschen machen sich auf den Weg. Obwohl es dieses Angebot aus Berlin nie gab. Und obwohl Journalisten in Tschetschenien berichteten, die Information sei falsch. Profitieren können einzig die Schlepper.

30 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von jean passant, thun
    Wir leben in einer Phase der Völkerwanderungen und somit erstaunt es wenig, wenn sich auch die Roma beliebig in Europa verschieben. Mit Asylsuche hat das aber gar nichts zu tun, wie jemand schon anmerkte ist das Missbrauch des Systems. Im Einzelfall kann man wohl nichts dagegen unternehmen es muss aber Druck auf den Kosowo ausgeübt werden, sie sollen die illegalen Schlepper aufdecken und bestrafen, dies sollte eine Auflage der EU werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Komisch, dort herrscht doch gar kein Krieg. Typisch Schweiz: ein paar Hirnis erträumen ein Gesetz, der dumme Mob nickt mit dem Kopf, aber schlussendlich wird's nur noch schlimmer! Vor allem können nun nur noch "Flüchtlinge" mit Geld Asyl beantragen, sprich: Wirtschaftsflüchtlinge! Die armen Kriegsbetroffenen ohne Geld hingegen kommen nie in unser LAnd und werden abgemetzelt. Die Schweiz verkommt zum totalitären Wirtschaftsstaat ohne jegliche soziale und menschliche Ader!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Wanner, Aarau
      Herr Duran, Sie sprechen in Ihrem Beitrag vom "dummen Mob". Wer ist das ? Alle ausser Sie selber ? Märssi denn, gell.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Ob Asylsuchende oder "Balkanier", in der Schweiz hat es einfach viel zu viele davon. Also mein Bedarf wäre reichlich gedeckt. NB: "War es nicht die Schweiz, die Kosovo gewissermassen vorzeitig anerkannte?" - Angesichts dieser Asylzahlen scheint dieser Staat schon etwas zu viel GOOD-WILL-Vorschuss bekommen zu haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Wanner, Aarau
      Nein, die Schweiz hat Kosovo nicht als erstes Land diplomatisch anerkannt. Die entsprechende Liste finden Sie auf der HP des kosovarischen Aussenministeriums. Und nein, Personen aus Kosovo bekommen i.a. kein Asyl mehr (d.h.: werden nicht als Flüchtlinge anerkannt gem. Asylgesetz). Und Herr Haller, Sie sind doch ein erwaxener Mann und können unterscheiden zwischen "Asylbewerber" und "anerkannter Flüchtling", oder ?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen