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Tessin: Emotionaler Ampel-Streit
Aus HeuteMorgen vom 30.01.2019.
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Kommt Referendum zustande? Tessiner streiten über Ampeln

Im Südkanton ist ein regelrechter Ampel-Streit entfacht, Ampel-Gegner sammeln für eine Referendumsabstimmung.

Die Autolawine, die täglich die Tessiner Strassen verstopft, ist eines der grössten Probleme im hochmotorisierten Südkanton. Besonders geplagt ist die Magadino-Ebene. Auf dieser Achse hat der Autoverkehr im letzten Jahr wieder zugenommen.

Die Tessiner Regierung und auch das Parlament wollten das Problem lindern mit dem Einsatz von sogenannten «intelligenten Dosierungsampeln». Diese sollten anstelle der heutigen Kreisel den Verkehr verflüssigen. Gegen diese Ampeln aber ist mittlerweile ein regelrechter Kampf entbrannt, bis am Mittwoch läuft die Unterschriftensammlung für ein Referendum.

Überparteiliches Referendumskomitee

Der Tessiner CVP-Grossrat Marco Passalia ist ein erbitterter Gegner dieser neuen Ampeln, die den Verkehr weniger stocken lassen sollen. Er sammelt zusammen mit Kollegen aller politischer Couleur Unterschriften für eine Referendumsabstimmung.

«Unser Komitee heisst ‹Schluss mit der Geldverschwendung›. Rund 15 Millionen Franken wurden für diese Kreisel ausgegeben, die sollen jetzt durch Ampeln ersetzt werden – das ist reine Geldverschwendung», so Passalia.

Das ist reine Geldverschwendung.
Autor: Marco PassaliaCVP-Grossrat Tessin

Etwas mehr als drei Millionen Franken kosten diese Ampeln, die derart die Gemüter erhitzen. Diese verflüssigten den Verkehr und könnten dadurch die Fahrzeit der Automobilisten eindeutig verkürzen, begründet die Tessiner Regierung anhand von Studien.

Ampel-Gegner Marco Passalia widerspricht: «Die Studie geht von falschen Annahmen aus. Der Individualverkehr wird nicht weiter zunehmen, bald geht ja der Ceneri-Basistunnel auf, viele werden Zug fahren, der Autoverkehr wird abnehmen.» Ausserdem seien Kreisel sowieso sicherer als Ampeln.

Stau vor Lugano
Legende: Viele Tessiner stehen regelmässig im Stau. Keystone

«Fakten» gehen auseinander

Verkehrsminister Claudio Zali versucht seit Jahren, die Tessiner für den ÖV zu gewinnen. Er kann der Argumentationsweise der Ampel-Gegner nichts abgewinnen und sagt kurz und bündig: «Ich glaube, die Ampel-Gegner haben nicht den gleichen faktisch wissenschaftlichen Hintergrund, den wir haben. Unser Gutachten zeigt die Sinnhaftigkeit dieser Ampeln, mehr konnten wir nicht tun.»

Die Ampel-Gegner haben nicht den gleichen faktisch wissenschaftlichen Hintergrund, den wir haben.
Autor: Claudio ZaliTessiner Regierungsrat (Lega)

Ampeln sind Verbote und die sind unbeliebt – auch oder besonders im Tessin. Hat dieser Widerstand möglicherweise einen mentalitätsspezifischen Hintergrund? «Nein», sagt CVP Grossrat Passalia, «dieses Referendum ist Ausdruck des gesunden Menschenverstandes.»

So gesehen wird also sehr wahrscheinlich das Tessiner Stimmvolk über eine Frage des «gesunden Menschenverstandes» entscheiden. Ausschlaggebend sind demnach – theoretisch zumindest – eher Fakten als Meinungen.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ich kenne keine einzige Kreuzung bei der, seit dem Umbau zum Kreisel, der Verkehr mehr stockt als vorher. Irgendwie schräg. Und komisch, überall wo bei Ampeldefekt das ganze nur blinkt, läuft es wunderbar und man fragt sich, warum da überhaupt Ampeln stehen die unabhängig vom Verkehrsaufkommen "arbeiten".
    Ich vermute daher eher, dass paralell zu den Ampeln auch noch Blitzer eingebaut werden!!!
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Diese intelligente Verkehrsverflüssigung kennen wir ja. Meistens sind sie falsch eingestellt. Ausserdem frage ich mich, wem da ein Auftrag zugeschanzt werden soll. Das bringt gar nichts für die Magadinoebene. Man sieht es ja in Lugano, da wäre es oft besser, dass es keine Ampeln gäbe. Man steht und steht und steht, wartet und bei den Ampeln mit grün hat es gar keine Autos oder auch keine Fussgänger. Lasst die Kreisel, macht sie unübersichtlicher, stellt die bestehenden Lichtsignale richtig ein
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt  (lb)
    Ein Lehrbuch-Beispiel für den Einsatz von Ampeln und Kreiseln sind die Partnerstädte Kreuzlingen/Konstanz. Kreuzlingen: 3 (drei) Ampeln, ein paar Dutzend Kreisel. Konstanz: Hunderte von Ampeln, wenige Kreisel. Etwas überspitzt kann man formulieren: Deutsche lieben das Prinzip der Subordination: Die Ampel befiehlt "Halt". Schweizer lieben das Prinzip der Kooperation: Der Kreisel erwartet "aufeinander Eingehen". Nicht ganz ernst gemeint. Oder vielleicht doch. :-)
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