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Konzentration im Medienmarkt NZZ und AZ schliessen ihre Regionalmedien zusammen

Legende: Video Grossfusion in Schweizer Medienlandschaft abspielen. Laufzeit 02:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.12.2017.
  • Die beiden Medienhäuser schliessen sich im regionalen Medienmarkt zusammen.
  • Sie gehen zu diesem Zweck ein Joint Venture ein und gründen eine gemeinsame Firma.
  • Diese wird rund 2000 Mitarbeitende umfassen und 500 Millionen Franken Umsatz erzielen.

Zur neuen, gemeinsamen Firma gehören laut einer Mitteilung der NZZ Gruppe alle Einheiten der AZ Medien mit Ausnahme des Onlineportals «Watson». Die NZZ-Mediengruppe integriert ihr gesamtes Regionalmediengeschäft – etwa die «Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt» in das neue Unternehmen.

Die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» sind nicht Bestandteil des Joint Ventures. Auch ausgenommen sind konzessionierte Radio- und TV-Sender. Sämtliche Mitarbeitende und Führungskräfte der Regionalmedien der Medienhäuser gehen in das neue Unternehmen über. Dieses werde gemäss den Angaben der beiden Verlagshäuser knapp 500 Millionen Franken Umsatz pro Jahr erzielen.

Kräfte bündeln und Grösse nutzen

Mit dem neuen gemeinsamen Medienunternehmen könnten die NZZ-Mediengruppe und die AZ Medien ihre Kräfte bündeln, erklärten Peter Wanner, Verleger der AZ Medien, und Etienne Jornod, Verwaltungsratspräsident der NZZ-Mediengruppe vor den Medien in Zürich. Mit dem Zusammenschluss wollen die beiden Verlagshäuser die Unabhängigkeit und die Zukunft der regionalen Medienmarken sichern: Durch die grössere Reichweite liessen sich auch Grössenvorteile erzielen, sagten die beiden.

Über die finanziellen Einzelheiten hätten die Verlage Stillschweigen vereinbart, hiess es in einer Mitteilung. Klar ist jedoch, dass die NZZ-Mediengruppe und die AZ Medien an der neuen Aktiengesellschaft zu gleichen Teilen beteiligt sein werden.

Gemeinsame Führung vereinbart

Auch die Chefposten werden aufgeteilt: Der Verwaltungsrat soll von Peter Wanner präsidiert werden. Jörg Schnyder, Finanzchef der NZZ-Mediengruppe, wird Vizepräsident. Als CEO ist Axel Wüstmann, aktuell Chef der AZ Medien, vorgesehen. Sein Stellvertreter wird Jürg Weber, Leiter der NZZ-Regionalmedien.

Die St. Galler Regierung nimmt die Absicht hinter diesem Entscheid – die regionale Publizistik fit für die Zukunft zu machen – verständnisvoll zur Kenntnis, wie es in einer Mitteilung der St. Galler Staatskanzlei heisst. Aus Ostschweizer Sicht werfe der Entscheid aber auch Fragen auf. Die St. Galler Regierung will nun prüfen, ob es Massnahmen braucht, um den regionalen Service Public sicherzustellen.

Pascal Hollenstein, aktuell Leiter Publizistik der NZZ-Regionalmedien, hat als publizistischer Leiter sämtlicher Zeitungstitel die redaktionelle Verantwortung über das neue Medienunternehmen.

Droht ein medialer «Einheitsbrei»?

Auch die Gewerkschaft Syndicom reagiert skeptisch. Sie warnt vor einem «Einheitsbrei» durch die weitere Medienkonzentration in der Schweiz. Die Gefahr, dass für nationale Themen eine regionale Perspektive verloren gehe, bestehe, sagt auch Manuel Puppis, Medienwissenschaftler an der Universität Freiburg i.Ue..

«Es gehen publizistische Einheiten verloren, es gibt weniger Zeitungen, die unabhängig voneinander sind, und das heisst, es gibt auch einen Verlust der Vielfalt», erklärt er gegenüber Radio SRF. Doch er gibt auch zu bedenken: «Betriebswirtschaftlich macht es sicher Sinn, dass man alles, was überregional ist, innerhalb eines Unternehmens zusammenlegt und nicht mehrfach produziert.»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    arten vielfalt und sterben, die mediale variante und oft nicht weniger dramatisch ...ist doch egal, wenn ein lokalblättchen da ist oder auch nicht? diese zeitungen sind eigentliche garanten für unmittelbarkeit, helfen den menschen, denen die nachrichten aus ganzer welt nur so um die ohren fliegen, sich zu verorten, dort wo sie sind. diese nachrichten sind oft auch überprüfbar. natürlich nur, wenn ein lokalblatt den mut hat, ein lokalblatt zu sein und nicht die ambiton ein landesblatt zu werden.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es ist manchmal von Vorteil, wenn etwas unabhängigere "Journalisten" die örtlichen +regionalen Tagesthemen überwachen. Wenn lokale "Journalisten" z.B. Gemeinden in ihren Veröffentlichungen unterstützen +damit verhindern, dass "ungewollte" Berichte über Gemeinden veröffentlicht werden. Es gibt, zumindest in der Vergangenheit, unter den lokalen Berichterstattern solche die absichtlich Kritik von Privatpersonen blockieren und benachteiligen. Ombudsmann sagt zwar, das sei nicht zulässig ist aber so.
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Der Einheitsbrei ist bereits heute angerichtet. Von Medienvielfalt keine Spur. Herr Markt und Frau Wirtschaft haben in 20 Jahren zerstört, was unsere direkte Demokratie in 100 Jahren aufgebaut hat. Wer tatsächlich liberal denkt, muss zur Besinnung kommen, dass wahre Freiheit so nicht entstehen kann. George Orwell lässt grüssen.
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    1. Antwort von Winston Smith (Satiere für Demokratie)
      Wenigsten einer der es ekennt! Es ist aber nicht nur Orwell, es ist eine Mischung aus 1984 und Schöne neue Welt! Einerseits die Zensur und Überwachungs Wahn, andererseits die Ablenkung durch die Technologie und Medien die es uns nicht erkennen lassen! Mut diese Fusion werden es von 5 Grossen Medien in der Schweiz noch 4! Alle in der Han von Reichen Familien aus dem Ausland. Mit ausnahme der Basler Zeitung, die gehört Blocher und Watson die einem anderen Reichen Schweizer gehört!Schöne neue Welt!
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