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Neues Energiegesetz Kraftwerkbetreiber wittern Morgenluft

  • Das Ja zum Energiegesetz freut manche Stromproduzenten.
  • So überlegen die Kraftwerke Oberhasli im Berner Oberland etwa, einen neuen Staudamm zu bauen.
  • Dank der neuen Subventionen könnte das bisher unrentable Projekt beim Triftgletscher durchaus Gewinn abwerfen.
Gletscher und -see, umrahmt von Bergen, eine Hängebrücke führt über den See.
Legende: Hinten der Triftgletscher, vorne der See: Unter der Hängebrücke soll eine Staumauer gebaut werden. Keystone (2009)

Das Berner Oberländer Triftgebiet ist eine unberührte Berglandschaft, ein eigentlicher Gletscherkessel. Weil der Gletscher schmilzt, hat sich in den letzten Jahren ein See gebildet. Er wird von engen Felsen zurückgehalten, es gibt nur einen schmalen Durchgang ins Tal. Das Gelände sei ideal für eine Staumauer, sagt der Berner BDP-Ständerat Werner Luginbühl.

«Mit dem Stausee könnten etwa 220 Gigawattstunden Winterstrom – den wir dringend nötig haben – produziert werden», so Luginbühl, der auch Verwaltungsratspräsident der Kraftwerke Oberhasli (KWO) ist. Das Kraftwerk könnte dank einer 167 Meter hohen Staumauer 40'000 Haushaltungen mit Strom versorgen.

Handbremse gelöst?

Die KWO verfolgen dieses Projekt schon länger, wegen der tiefen Strompreise allerdings bis jetzt allerdings mit angezogener Handbremse. Nach dem Ja des Stimmvolks zum Energiegesetz haben sich die Voraussetzungen geändert. «Die Chancen stehen sehr viel besser, dass dieses Projekt realisiert werden kann», sagt Luginbühl am Tag nach der Abstimmung.

Mit den neuen Subventionen und den reduzierten Wasserzinsen sind die Voraussetzungen erfüllt, dass wir wieder ein Grossprojekt realisieren können.
Autor: Werner LuginbühlStänderat (BDP/BE), VR-Präsident KWO

Die KWO rechnen mit Baukosten von 380 Millionen Franken und einer Bauzeit von etwa zehn Jahren. Trotz der widrigen wirtschaftlichen Bedingungen würde sich das lohnen, bestätigt der KWO-Verwaltungsratspräsident.

«Mit den 0,1 Rappen, die für den Zubau neuer Wasserkraft-Anlagen vorgesehen sind und den reduzierten Wasserzinsen, wie sie der Kanton Bern plant, sind die Voraussetzungen erfüllt, dass wir in absehbarer Zeit wieder ein Grossprojekt realisieren können», sagt Luginbühl, der auch Präsident der ständerätlichen Energiekommission ist.

Landschaftsschützer halten sich zurück

Kommt dazu, dass sich der Widerstand von Umweltkreisen bis jetzt in Grenzen hält: Für Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz, ist es sinnvoller, grössere und effizientere Kraftwerke zu errichten, anstatt überall in der Landschaft kleine Wind- und Wasserkraftwerke hinzustellen. «Das muss das Ziel sein, und das unterstützen wir auch.»

Die KWO will das Konzessionierungsgesuch für das Projekt Trift in diesem Sommer einreichen. Rodewald betont, dass er das Projekt trotz allem Goodwill weiterhin kritisch begleiten werde.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Felice Limacher (Felimas)
    Es braucht für den Triftgletscher überhaupt keine Staumauer, da somit die ganze Gletscherzunge "ersäuft" werden würde. Eine Wasserfassung beim schmalen Durchgang reicht allemal. Die Stromlobby mit ihrem Gigantismus hat die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.
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    1. Antwort von Paddy Matter (Paddy Matter)
      Sorry aber dort ist seit 2014 kein Gletscher mehr wo der See sein wird. Und den Stausee braucht es um einen Speicher zu haben, sonst wäre es ein Laufkraftwerk wie an einem Fluss mit deutlich weniger Spitzenleistung. Und im Winter wäre Totehose denn dann ist fast kein abschmelzen von Eis.
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    2. Antwort von Dani Aeppli (Dani Aeppli)
      Die Gletscherzunge wir bis zum Ende des Baus sowieso verschwunden sein. Als ich das erste Mal mit dem Motorrad über den Sustenpass fuhr, sah ich den Steingletscher noch. Heute ist da, ausser einem See, auch nichts mehr zu sehen.
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  • Kommentar von Simeon Räber (S. Räber)
    Schon gspässig. Warum muss man ein Projekt JETZT bauen, obwohl es heute von der Versorgungssituation gar nicht nötig ist (tiefe Preise)? Aha, weil der Steuerzahler nun JETZT mit dem neuen Gesetz gerupft werden kann! Ein geniales Projekt für Winterstrom, den es bald dringend braucht, aber einige Jahre später würde es sich mit den Marktpreisen locker zahlen lassen...
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Mir ist nicht klar, weshalb der Strom billiger werden sollte. Mit den Wärmepumpen für Warmwasser und Heizung sowie den Elektroautos steigt der Strombedarf massiv. Deutschland muss wegen dem Pariser Klimaabkommen 40% Kohlestrom ersetzen, die AKW's in Frankreich (75% des Stroms) werden mit dem Alter auch nicht besser. Das alles riecht nach deutlich höheren und nicht nach tieferen Strompreisen.
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    2. Antwort von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
      Ihre kritischer Kommentar ist zutreffend. Die privaten Haushalte vor allem aus dem Mittelstand und unteren Einkommensschichten werden unter den Energiekostensteigerungen für dieses Subventionsungeheuer der Energiestrategie 2050 am meisten leiden und "gerupft". Eine völlig unsoziale Gesetzgebung, getragen von SPD und Links-GRÜN. Dies nennt man Umverteilung. Man will ja den Kapitalismus abschaffen??!!
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    3. Antwort von Jakob Frauchiger (Jakob Frauchiger, Hilterfingen)
      Herr Schaltenegger Wir leben in einer globalen Oligarchie. Die Schweiz bildet keine Ausnahme. Der mit Photovoltaik eingesparte Strom muss gespeichert werden. Das ist derzeit kein Problem, indem alle PV-Anlagen 5-fach weniger Strom liefern als die Speicher-Wasserkraftwerke. Die Stromwirtschaft nutzt aber diese Unkenntnis für allerlei Schabernack, um uns abzuzocken.
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    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Der Vergleich mit Deutschland hinkt doch sehr! Fakt ist, dass die Deutschen ihre AKW's ohne genügend Alternativen für diese, sofort abgeschaltet haben. Unsere laufen ja, solange sie noch sicher sind weiter. Vertrauen wir doch auf den Fortschritt betr. neuer Technologien. Und heutige Haushaltgeräte brauchen auch nicht mehr soviel Strom wie die ersten Modelle. Drum ist trotz mehr Menschen im Land der Stromverbrauch schon weniger geworden. Auch heutige Autos brauchen nicht mehr soviel Benzin usw.
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    5. Antwort von Dani Aeppli (Dani Aeppli)
      Wenn man die Mauer in 10 Jahren beginnt zu bauen und es dann nochmals 10 Jahre für die Fertigstellung braucht, wird der Gletscher weg sein, und mit ihm das Wasser für die Stromerzeugung. So einfach ist das! Wann begreifen eigentlich die Leute, dass es nicht mehr solange Gletscher geben wird, als nutzen wir diese jetzt noch!
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    6. Antwort von Dani Aeppli (Dani Aeppli)
      Dann zahlt endlich mehr für den Strom! Dann lohnt es sich! :D
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