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Wasserkraftwerke werden sicher für Fische
Aus 10 vor 10 vom 17.05.2021.
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Kraftwerke als Todesfalle Fischschutz wird zu langsam umgesetzt

Alle Wasserkraftwerke müssten bis 2030 für den Fischschutz saniert sein. Doch die Sanierungen kommen zu langsam voran.

Aale legen auf dem Weg zu ihren Laichplätzen tausende Kilometer zurück. Dabei ist jedes Flusskraftwerk, jedes Stauwehr ein Hindernis. Ein Hindernis, das tödlich sein kann. Geraten die Tiere in die Turbinen, können sie schwer verletzt werden. Deshalb müssen alle Wasserkraftwerke saniert werden, damit Fische auf- und absteigen können. So die Vorgabe im Gewässerschutzgesetz, das seit 2011 in Kraft ist.

«Umsetzung bis 2030 nicht realistisch»

Ein Blick auf die aktuelle Sanierungsstatistik zeigt: 2018 waren erst zwei Prozent der Werke saniert, bei 17 Prozent wurden die Arbeiten gestartet. Insgesamt sind es über 1000 Auf- und Abstiege, die saniert werden müssen.

Stauwehr in Bern.
Legende: Das Stauwehr Engehalde in Bern muss saniert und «fischgerechter» werden. SRF/Mirjam Spreiter

«Es ist nicht realistisch, dass wir bis 2030 den Fischschutz realisieren können», kritisiert Martina Munz, SP-Nationalrätin und Vizepräsidentin der Umweltorganisation Aqua viva. Es sei jetzt zentral, dass vorwärtsgemacht werde, ansonsten seien zahlreiche Fische in Gefahr. Schon heute sei der Aal vom Aussterben bedroht.

Es dürfte sportlich werden.
Autor: Stephan MüllerBundesamt für Umwelt

In einer ersten Phase hätten die Kantone herausfinden müssen, wo welche Massnahmen nötig seien, sagt Stephan Müller vom Bundesamt für Umwelt Bafu. Er und sein Team sind zuständig für die Bewilligung der Sanierungsprojekte.

«Am Anfang gab es deshalb eine Verzögerungsphase, jetzt folgt die Routinephase. Noch können wir nicht abschätzen, wie es bis 2030 weitergeht», erklärt er. Es dürfte sportlich werden, meint Müller.

Projekte bleiben ein Jahr liegen

«Projekte der Kraftwerkbetreiber bleiben beim Bafu rund ein Jahr liegen, das ist viel zu lange und darf nicht sein», kritisiert Munz das Bundesamt. Es wären mehr Stellen nötig, sagt sie.

«Das stimmt, wir haben teilweise bis zu einem Jahr Verzögerung», gibt Müller zu. Sie hätten in den letzten Monaten mehr Mitarbeitende bekommen und hofften, in den nächsten Monaten den Rückstau abbauen zu können.

Es gibt noch Forschungsbedarf

Offenbar wurde bei der Erarbeitung des Gesetzes der Sanierungsbedarf unterschätzt. Ebenfalls problematisch: Es gibt noch Forschungsbedarf beim Fischabstieg. Dieser wurde lange vernachlässigt. Wie man mit Fischtreppen den Fischaufstieg ermöglichen kann, ist viel besser bekannt.

Versuchslabor an der ETH.
Legende: An der ETH Zürich arbeitet man an der Problematik des Fischabstiegs. SRF/Mirjam Spreiter

An der ETH Zürich forscht ein interdisziplinäres Team des Wasserforschungsinstituts Eawag und der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie VAW an der Problematik des Fischabstiegs. «Es geht darum, die Fische weg von den Turbinen zu lenken», erklärt Robert Boes, Direktor der Versuchsanstalt.

Problem für grosse Flusskraftwerke

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Ungelöst ist das Problem vor allem für grosse Flusskraftwerke. Denn stellt man Rechen in grosse Flüsse wie Aare oder Rhein, dürfen sie nicht zu kleine Abstände haben. Denn sonst bleibt zu viel Schwemmmaterial hängen. An der ETH entwickeln die Forscherinnen und Forscher einen Rechen mit Abständen von 5 Zentimetern zwischen den Lamellen. Doch bei so grossen Abständen können die meisten Fische durchschwimmen.

Denn sie folgten der Hauptströmung und gerieten so in die Turbinen. Bei kleineren und mittleren Kraftwerken werden die Fische mit Rechen, die quer im Wasser stehen, daran gehindert, in die Turbinen zu schwimmen. Sie werden in eine Umleitung gelenkt und können so flussabwärts wandern.

Komplexe politische Prozesse

«Wir kamen auf die Idee, dass wir eine weitere Schutzbarriere bauen könnten, indem wir Strom auf den Rechen legen, eine niedrige Spannung natürlich», erklärt Professor Boes. Die Tiere spüren diese Spannung und weichen aus. So können sie an den Turbinen vorbeigeleitet werden.

Noch ungelöste Forschungsfragen und komplexe politische Prozesse dürften die Sanierung aller Wasserkraftwerke bis 2030 schwierig werden lassen.

10v10, 17.5.2021, 21:50 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Die Energiewende wie sie Heute angedacht ist wird genau so viele Schäden verursachen wie die Heutige Nutzung fossiler Ressurcen.
    Nicht mal 1‰ der Autos weltweit fährt elektrisch und die Umweltzerstörung für die Akkuproduktion ist schon gigantisch wenn die 1000x mehr werden soll dann gute Nacht. Die Wasserkraft muss auch noch massiv ausgebaut werden was zum Tod aller Fische in den Flüssen führen wird. Raubfögel werden von tausenden Rotoren zerhackt usw. Der Mensch lehrt gar nichts.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Wie man am Aals feststellen kann, sind grosse (lange) Fische besonders gefährdet, direkte und of­fen­­­­­sichtliche mechanische Verletzun­­gen zu erleiden. Auch kleinere Fische werden verletzt! Schäden und Verluste sind jedoch meist verborgen und schwer nachweisbar. Wer rechnen mag, kann sich vor Augen führen, wie viel Glück ein Fisch heute haben muss, um unbeschadet von Schaffhausen nach Basel zu gelangen. Den Fischabstieg an Wasserkraftwerken zu verbessern und schonender zu gestalten.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Anblick schwer verletzter und zerstückelter Fische geht nicht nur uns Fischern ans Herz. Die Nutzung von Wasserkraft kann man nicht als «sauber» bezeichnen, solange Fliessgewässer dadurch schwer beeinträchtigt werden und Fische elendiglich verenden müssen. Fische sind aufgrund ihrer Biologie darauf angewiesen, wandern zu können. Ein wichtiger Grund dafür sind die bekannten Entwicklungszyklen vom Ei bis zum adulten Laichtier. Der Fischabstieg hingegen wurde lange vernachlässigt. Traurig!