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Berset will freie Arztwahl einschränken
Aus Tagesschau vom 19.08.2020.
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Krankenkassen-Prämienexplosion Bundesrat will freie Arztwahl einschränken

  • Der Bundesrat beschliesst Massnahmen gegen die steigenden Gesundheitskosten und will eine Milliarde Franken einsparen.
  • Der Bundesrat möchte unter anderem die freie Arztwahl einschränken: Patienten sollen nicht mehr direkt zu einem Spezialisten gehen.
  • Ein erstes Kostendämpfungspaket wird bereits vom Parlament diskutiert. Nun hat der Bundesrat die zweite Stufe gezündet.

«Die Prämienbelastung ist stetig gestiegen», sagte Bundesrat Alain Berset vor den Medien in Bern. Die Coronakrise mache die Situation nicht einfacher. Es gelte etwas zu tun, um gerade auch Familien vom Prämiendruck zu entlasten: «Es gibt aber nicht DIE Massnahme. Der Bundesrat setzt auf eine Vielzahl von kleineren und grösseren Massnahmen.»

Alle Akteure seien in der Pflicht, um das Kostenwachstum im Gesundheitswesen zu dämpfen, so der Gesundheitsminister. «Es ist immer schwierig, Prognosen zu machen. Aber wir schätzen, dass wir mit den Massnahmen rund eine Milliarde einsparen können», so Berset weiter.

Erstberatungsstelle für Patienten

Künftig sollen sich alle Menschen in der Schweiz bei gesundheitlichen Problemen zuerst an eine Erstberatungsstelle wenden, zum Beispiel eine Hausärztin oder einen Hausarzt, eine HMO-Praxis oder ein telemedizinisches Zentrum.

Diese beraten die Patienten, behandeln sie selber oder weisen sie an spezialisierte Ärztinnen und Ärzte weiter. Modelle mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer wie das Hausarztmodell hätten sich bewährt und seien heute breit akzeptiert, sagte Bundesrat Berset.

Einschränkung der freien Arztwahl?

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Vor rund acht Jahren lehnte das Stimmvolk mit rund drei Viertel Nein-Stimmen die Managed-Care-Vorlage des Bundesrats ab. Diese sah vor, dass sich Patienten, die ihren Arzt frei wählen wollen, stärker an den Kosten beteiligen sollten. Dieses Scheitern erwähnt auch die Expertengruppe, die im Auftrag des Bundesrats verschiedene Massnahmen vorgeschlagen hat.

«Auch diese Experten haben festgestellt, ein genereller Zwang – eine komplette Abschaffung der freien Arztwahl – könne nicht zielführend sein», berichtet SRF-Bundeshauskorrespondent Gaudenz Wacker. «Dieser Punkt dürfte also die Wogen hochgehen lassen.»

Eine Zielvorgabe für die Kosten bezeichnet der Bundesrat als zentrale Massnahme: Bund und Kantone sollen jährlich festlegen, wie stark die Kosten wachsen dürfen, zum Beispiel bei den stationären Spitalbehandlungen, den ambulanten Arztbehandlungen oder den Arzneimitteln.

Die betroffenen Leistungserbringer sollen ihrerseits festlegen, welche Massnahmen ergriffen werden, wenn die Vorgaben überschritten werden. Die Leistungen sollen nicht eingeschränkt werden.

Unnötige Behandlungen vermeiden

Heute fehlten systematische Überlegungen dazu, welches Kostenwachstum in den einzelnen Bereichen angemessen sei, teilt der Bundesrat mit. Die Zielvorgabe erhöhe die Transparenz, stärke die Verantwortung und reduziere medizinisch unnötige Leistungen.

Die Versicherten ihrerseits sollen einen Betrag zur Senkung der Kosten leisten, indem sie sich vor dem Arztbesuch an eine obligatorische Erstberatungsstelle wenden.

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Die Kostenbremse-Initiative der CVP
Aus News-Clip vom 13.09.2019.
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Versorgungsqualität und Koordination sollen auch mit Netzwerken zur koordinierten Versorgung verbessert werden. Darin sind Fachleute aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen zusammengeschlossen. Davon können insbesondere Patientinnen und Patienten mit mehreren chronischen Krankheiten profitieren. Der Bundesrat will die Voraussetzungen für die Kostenübernahme solcher Patientensteuerungsprogramme regeln.

Das Paket umfasst weitere Massnahmen: Dazu gehören die differenzierte Prüfung der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit von Arzneimitteln, Analysen sowie Mittel- und Gegenständen, die Einführung von fairen Referenztarifen, um den Wettbewerb unter den Spitälern sicherzustellen sowie die Verpflichtung, Rechnungen elektronisch nach einheitlichen Standards zu übermitteln.

Rendez-vous vom 19.08.2020, 12:30 Uhr;

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129 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Mir diesem System eine Milliarde einsparen? Wenn man bedenkt, dass heute schon mehr als die Hälfte der Prämienzahler via Hausarzt oder HMO Modell dieses System hat -und dennoch die Prämien ständig gestiegen sind - ist das Einparungsziel doch ziemlich ambitiös. Sowohl die Kassen als auch die Anbieter von Gesundheitsleistungen werden keine Massnahmen akzeptieren, welche ihre Gewinne schmälern. Die Einheitskasse wäre eine taugliche Massnahme gewesen, ist leider abgelehnt worden.
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Ich hatte ein winziges Hautproblemchen, das ich mithilfe des Internets problemlos selbst diagnostizieren konnte: Schuppenflechte. Also wollte ich einen Termin in der Dermatologie UZH. Man hat mir gesagt, ich müsse mich von der Hausärztin überweisen lassen. Alternativ könne ich mich im Notfall anmelden und die entsprechende Gebühr zu bezahlen. Wahl: Wem wirfst du Geld nach und wo verplemperst du deine Zeit. Um zur gleichen Diagnose wie ich zu kommen, war für den UZH dann noch eine Biopsie nötig.
  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Bevor man die freie Arztwahl abschafft, sollten die VR-Honorare und die Kaderlöhne in den Krankenkassen massiv eingeschränkt werden. Maximal-Honorar pro Jahr 50‘000 und Maximal-Gehalt für einen CEO 240‘000! Da können unsinnige Kosten gesenkt werden.