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Ruth Humbel (Mitte/AG): «Das ist speziell während der grössten Gesundheitskrise»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 28.09.2021.
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Krankenkassen Ruth Humbel zu Prämiensenkungen: «Sehe es als einmalige Sache»

Für 2022 sind leicht tiefere Krankenkassenprämien angesagt. Die Frage ist nur, ob dies eine einmalige Ausnahme ist und wir bald wieder mehr Prämien bezahlen müssen. SRF hat darüber mit Ruth Humbel (Mitte/AG) gesprochen, der Präsidentin der zuständigen Kommission im Nationalrat und Verwaltungsrätin der Krankenkasse Concordia.

Ruth Humbel

Ruth Humbel

Politikerin

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Die Aargauerin ist Präsidentin der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Nationalrats. Seit 2003 sitzt sie für die Mitte im Parlament.

SRF News: Statt dem alljährlichen Prämienanstieg wurde heute eine Prämiensenkung angekündigt. Das sind doch mal gute Neuigkeiten Frau Humbel.

Ruth Humbel: Ja, das ist natürlich eine positive Nachricht. Einfach speziell, denn wir sind eigentlich in der grössten Gesundheitskrise und plötzlich steigen die Prämien nicht mehr. Das hat natürlich auch verschiedene Gründe.

Es gab schon Elemente im letzten Jahr, die die Kosten weniger angetrieben haben.

Ist es eine Trendwende oder vielleicht doch nur eine einmalige Sache?

Ich würde es als einmalige Sache sehen. Es wirken verschiedene Effekte vom letzten Jahr. Wenn man denkt, es sind ja viele Arztpraxen oder Therapie-Institute in Kurzarbeit gewesen. Man hat Wahleingriffe nicht gemacht. Die schwer Erkrankten, Covid-Erkrankten auf der Intensivstation kosten zwar viel, aber da wird auch aufgeteilt zwischen Kantonen und Krankenversicherern. Es gab also schon Elemente im letzten Jahr, die die Kosten weniger angetrieben haben.

Eine grosse Rolle spielt der Abbau der Reserven. Bundesrat Alain Berset sagte, es seien mit 12 Milliarden Franken immer noch zu viele Reserven und forderte, dass die Kassen Reserven weiterhin abbauen. Ist das auch Ihre Forderung?

Ja, wenn man zurückblickt, hatte man immer wieder Phasen, in denen Bundesräte aus politischen Gründen tiefere Prämien genehmigt haben. Dann waren die Reserven zu tief. Dann kam das Aufsichtsgesetz, dass man eine gewisse Reserve haben muss. Bei einem Kostenvolumen von 34 Milliarden Franken, das die Versicherer haben, sind 12 Milliarden Reserven nicht wahnsinnig viel. Es spielt ja auch immer ein wenig aus den Finanzmärkten hinein.

Bei einem Kostenvolumen von 34 Milliarden Franken, das die Versicherer haben, sind 12 Milliarden Reserven nicht wahnsinnig viel.

Das gesetzliche Minimum wären aber etwa sechs Milliarden Franken. Da liegt man doch eindeutig darüber.

Ja, das liegt über dem Minimum, darum steht es den Krankenversicherern frei, jedes Jahr Rückzahlungen an die Versicherten zu machen und so Rückerstattungen zu leisten.

Ihre Partei [Die Mitte] hat eine Kostenbremsen-Initiative eingereicht. Der Bundesrat arbeitet schon an einem Gegenvorschlag. Er möchte in jedem Medizinbereich eine Art Budget einführen. Aber da laufen Ärzte und Spitäler bereits Sturm.

Eine Kostensteuerung ist kein Globalbudget. Man hat heute schon Möglichkeiten mit integrierten Versorgungsmodellen, Managed-Care-Modelle, die eine Budget-Mitverantwortung haben. Da wird auch schon im Voraus abgemacht, wie hoch etwa die Kostenentwicklung im nächsten Jahr ausfällt, wo Verträge bestehen und damit leidet niemand an einer Unterversorgung.

Die Befürchtung gibt es aber.

Das befürchte ich absolut nicht, denn man sieht gerade bei solchen Modellen, wenn strukturierte Programme bestehen, zum Beispiel eine gute Betreuung von Diabetikern, dies zu einer besseren Lebensqualität bei diesen Menschen führt und gleichzeitig zu tieferen Kosten. Einfach, weil nicht Behandlungen gemacht werden, die nicht nötig sind und vor allem früh erkannt wird, was gemacht werden muss, damit es zum Beispiel nicht zu Amputationen kommen muss.

Das Gespräch führte Gion-Duri Vincenz.

Tagesschau, 28.09.2021, 18:00 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Auch Frau Humbel, ist - gerade auch wegen ihrer verschiedenen und lukrativen VR-Mandaten - eine klare "Lobbyistin", welche Vetternwirtschaft seit Jahren "gegen ein ehrliches, transparentes, bezahlbares "Gesundheits-Wesen" Schweiz macht!
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Schweizer "Gesundheits-Wesen" = ein "erster" und absolut wichtiger Schritt, wäre eine "gesamtschweizerische" "Grund-Kranken-Versicherung" für alle BürgerInnen!
    Das würde endlich auch die längst notwendige "Transparenz" schaffen, den unsinnigen, aber gewollten "Kantönligeist-Wirrwarr" aufheben!!
  • Kommentar von Paul Schönenberger  (RoadMan)
    Frau Humbel ist Präsidentin der Kommission: Soziale Sicherheit und Gesundheit. Sie ist auch Verwaltungsrätin der Concordia Krankenkasse - ein bezahltes Mandat. Insgesamt hat sie 9 bezahlte Mandate im Gesundheitsbereich. Sie kann nicht Objektiv und unabhängig politisieren als NR - sie hat politische Leitplanken aus der Wirtschaft. Die Zeit ist reif - direkte Abhängigkeiten zur Wirtschaft gesetzlich zu verbieten oder auf das NR Mandat zu verzichten.
    1. Antwort von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
      vr- und andere mandate, welche ganz klare befangenheit bedeuten, müssten bei parlamentarier/innen per se verboten werden. im falle von frau humbel politisiert man nicht für den bürger, sondern für die lobby. und das ist im heutigen umfeld leider sehr weit verbreitet.