Krankenkassenprämien steigen um vier Prozent

Versicherte müssen im kommenden Jahr für die Krankenversicherung erneut tiefer ins Portemonnaie greifen. Die Prämien für Erwachsene steigen um durchschnittlich vier Prozent, diejenigen für Jugendliche um 4,4 und die Kinderprämien um 3,8 Prozent.

Mit durchschnittlich vier Prozent ist der Prämienanstieg 2015 der höchste seit längerem. In den vergangenen drei Jahren lag die Prämiensteigerung zwischen 1,5 und 2,2 Prozent.

Alain Berset zur Kostensteigerung im Gesundheitswesen

0:22 min, vom 25.9.2014

In den vergangenen zehn Jahren betrug die Kostensteigerung bei den Prämien durchschnittlich 3,6 Prozent. Seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahre 1996 waren es 4,7 Prozent. Die nun kommunizierte Erhöhung von vier Prozent im nächsten Jahr entspricht monatlichen Mehrkosten von 15,70 Franken pro Person.

«Kein Signal für Kostenreduktion»

Die erneute Prämienerhöhung hat Bundesrat Alain Berset an einer Medienkonferenz angekündigt. Er glaubt aber nicht an einen Rückgang der Versicherungsprämien: «Wir haben kein Signal dafür, dass sich die Kosten im Gesundheitswesen reduzieren.» Man müsse diese Entwicklung jedoch dämpfen, transparenter machen und die Sicherheit haben, dass die Prämien den Kosten folgen und nicht über oder unter diesen lägen.

Ist der Prämienanstieg gerechtfertigt?

1:07 min, aus Tagesschau vom 25.9.2014

Unverständnis bei der GDK

Philippe Perrenoud, Präsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz (GDK), kann nicht verstehen, warum die Prämien so stark steigen. «Die Reserven der Krankenkassen betragen sechs Milliarden Franken. Das heisst, die Kassen schwimmen im Geld. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum der Prämienanstieg so hoch ist.» Die Versicherer seien übervorsichtig. Das Polster sollte den Prämienzahlern zugute kommen, meint Perrenoud.

Anders sieht das Santésuisse, der Verband der Krankenversicherer. Direktorin Verena Nold hat damit gerechnet, dass die Prämien steigen werden und das sei auch gerechtfertigt, trotz der Reserven. «Die Kassen sind voll, das stimmt. Aber Bundesrat Berset hat auch gesagt dass die Kassen mit ihren Prämien die Kosten decken müssen und deshalb dürfen diese Reserven nicht gebraucht werden, um die Prämien tiefer zu halten als die Kosten steigen.» Denn die Reserven der Kassen seien für die Sicherheit da, als Polster für die Zukunft.

Krankenkassenprämien steigen erneut

1:23 min, aus Tagesschau am Mittag vom 25.9.2014

Den höchsten Prämienanstieg verzeichnen die Kantone Nidwalden und Obwalden über alle Altersklassen hinweg. Dies teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit. In Nidwalden steigen die Prämien für Erwachsene mit einer Franchise von 300 Franken und Unfalldeckung um 6,8 Prozent und die Prämien für Jugendliche um 8,1 Prozent.

Moderate Prämienerhöhung in Bern

Allerdings gehören die beiden Innerschweizer Kantone mit Prämien von durchschnittlich 329 beziehungsweise 345 Franken im Monat für Erwachsene zu den fünf Kantonen mit den tiefsten Prämien überhaupt. Die allertiefsten Prämien bezahlt man in Appenzell Innerrhoden – und zwar von jung bis alt.

Am moderatesten steigen die Kosten im Kanton Bern, wo die Prämien für Erwachsene um 2,7 Prozent zulegen. Hier beträgt die Prämienlast jedoch bereits 438 Franken pro Monat. Am höchsten sind die Prämien für Erwachsene in den Kantonen Basel-Stadt mit 533 Franken und Genf mit 500 Franken.

Krankenkassenprämien 2015: Es wird teuer

4:32 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 25.09.2014

Unterdurchschnittliche Prämienerhöhungen verzeichnen neben dem Kanton Bern die Kantone Aargau, Appenzell Innerrhoden, Freiburg, Genf, Jura, Tessin, Waadt, Wallis und Zug. Neben Nidwalden und Obwalden müssen die Versicherten der Kantone Appenzell Ausserrhoden, Neuenburg, Basel-Landschaft und Solothurn einen Prämienzuwachs von über fünf Prozent gewärtigen.

Auch Anstieg bei Kinderprämien stärker

Allerdings ist zu beachten, dass sich nur wenige Personen mit dem Standard-Modell versichern. Viele Versicherte bevorzugen alternative Prämienmodelle etwa mit höheren Franchisen oder dem Hausarztmodell (HMO).

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Geld sparen bei den Prämien

Die Kosten der Grundversicherungen werden auch 2015 steigen. Es gibt aber Möglichkeiten, wie Versicherte viel Geld sparen können. Hier die wichtigsten Tipps und Links.

Immer teurer werden auch die Prämien für Jugendliche zwischen 19 und 25 Jahren. Mit 4,4 Prozent oder 16 Franken pro Monat steigen ihre Prämien dieses Jahr wiederum stärker an als die Prämien für Erwachsene. Dies dürfte damit zusammen hängen, dass ein hoher Anteil dieser Prämiengelder in den Risikoausgleich fliessen, weshalb die Versicherer Rabatte für die Jungen kürzen.

Bei den Kinderprämien liegt der Anstieg bei 3,8 Prozent oder 3,50 Franken pro Kind und Monat. Dies, nachdem sie 2013 um 1,4 Prozent sanken und 2014 um 2,4 Prozent anstiegen.

Gesundheitsökonom Willy Oggier zur Kostenbremse

1:31 min, aus 10vor10 vom 25.9.2014

Gibt es eine mögliche Kostenbremse?

Mit der fast schon rituellen jährlichen Medieninformation über die steigenden Krankenkassenprämien stellt sich die Frage, wie die Kostensteigerung gebremst werden könnte.

Die Krankenversicherungskosten könnten nur teurer werden, dafür gebe es genügend Argumente, sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier in «10vor10»: «Die Alterung der Bevölkerung, der medizin-technische Fortschritt, die finanziellen Anreize, die in eine Mengenausweitung führen, und die Luxuskomponente, dass ein wohlhabendes Land wie die Schweiz die Mittel hat und bereit ist, mehr für das Gesundheitswesen auszugeben.»

Man könnte sicher etwas ändern, meint Oggier, man müsste dann aber fundamental an die Strukturen gehen. Dafür müsste der Kantönligeist überprüft werden, damit man nicht mehr in «jedem Täli ein Spitäli» hat. Das würde aber bedeuten, dass Regierungsräte nicht mehr wiedergewählt würden, wenn sie ein Spital schliessen. «Die Bevölkerung will das nicht, man will auch in den Randregionen eine gute medizinische Versorgung.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Anstieg der Prämien

    Aus 10vor10 vom 25.9.2014

    Heute wurde angekündigt, dass die Krankenkassenprämien nächstes Jahr um überdurchschnittliche 4% aufschlagen. Bundesrat Alain Berset sagt, dass wir auch in Zukunft mit steigenden Prämien zu rechnen haben. «10vor10» fragt bei Gesundheitsökonom Willy Oggier nach den Gründen.

  • Gesundheitssysteme im Ausland

    Aus 10vor10 vom 25.9.2014

    Der heute angekündigte Anstieg der Krankenkassenprämien wirft die Frage auf, ob ein Gesundheitssystem wirklich so viel kosten muss. «10vor10» wirft einen Blick über die Grenze und fragt nach den Kosten und der Zufriedenheit mit den Gesundheitssystemen in Italien, Grossbritannien und Deutschland.

  • Die Krankenkassenprämien steigen

    Aus Tagesschau vom 25.9.2014

    2015 werden die Krankenkassenprämien in der ganzen Schweiz wieder ansteigen – um durchschnittlich vier Prozent. Bundesrat Alain Berset befürchtet, dass die Prämien noch weiter in die Höhe schnellen könnten.

  • Wird die Prämienerhöhung das Abstimmungsergebnis beeinflussen?

    Aus Echo der Zeit vom 25.9.2014

    Wie jeden Herbst verkündet der Bundesrat höhere Prämien fürs kommende Jahr: Im Schweizer Durchschnitt plus 4 Prozent für 2015. Nur drei Tage vor der Abstimmung erhöht die Ankündigung den Blutdruck bei Befürwortern und Gegnern der Einheitskasse ganz besonders.

    Monika Zumbrunn

  • Krankenkassenprämien steigen weiter

    Aus Rendez-vous vom 25.9.2014

    Auch im nächsten Jahr steigen die Krankenkassenprämien. Diese Steigerung ist die höchste seit drei Jahren. Im Durchschnitt bezahlt jede Person 16 Franken mehr.

    Was sind die Gründe dafür und hat diese Prämienerhöhung so kurz vor der Abstimmung über die Einheitskasse noch Einfluss auf das Resultat?

    Iwan Lieberherr und Monika Zumbrunn