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«Besoffen, aus Wut»: Jugendliche sagen, warum sie randalieren
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 18.03.2022.
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Krasser Vandalismus Auf Spurensuche in Thun: Weshalb randalieren Jugendliche?

In Thun eskalierte es in letzter Zeit mehrere Male. Blumentöpfe, Gartenmöbel und WC-Anlagen wurden zerstört.

Sprayereien und zerbrochene Scheiben in der Thuner Altstadt gehören zu den harmloseren Fällen. Immer wieder wurden in jüngster Zeit aber auch Möbel in der Aare versenkt und WC-Anlagen kaputt gemacht, sogar ein Baum wurde gefällt.

Altstadt Thun
Legende: In der Thuner Altstadt kam es zu zahlreichen Vandalenakten. Keystone

Die Anwohnerinnen und Anwohner, Gastrobetriebe und die Polizei sind frustriert. Gehört es einfach zum Teenager-Alter dazu, Dinge kaputtmachen zu wollen? Oder wie kann man diese Vandalenakte erklären? Wir haben Thuner Jugendliche gefragt.

Die möglichen Gründe für die Zerstörungswut

«Aus Wut», «weil sie besoffen waren», «sie haben sich an Objekten ausgelassen, weil sie wütend waren auf Menschen, die man aber nicht schlagen darf» – das sagen Teenager im Alter zwischen 13 und 18 Jahren auf die Frage, wie sie sich den Vandalismus in Thun erklären.

Boxtraining
Legende: Thuner Jugendliche können sich in kostenlosen Boxkursen abreagieren. srf

Ein weiteres Stichwort war «Langeweile». Während der vergangenen beiden Jahre der Coronapandemie waren die Möglichkeiten für die Jungen beschränkt: «Ich war Zuhause eingekesselt», sagte ein Teenager. Es habe nichts zu tun gegeben, keine Partys, weniger Trainings, Anlässe, Austauschmöglichkeiten.

Auch Jugendarbeiterin Rhea Dietrich spürte das Bedürfnis der Jungen, sich zu treffen. «Normalerweise haben wir bei unserem Jugendraum im Sommer kaum Betrieb. Letztes Jahr aber war auffällig, dass es kein Sommerloch gab wie sonst.» Die Jugendlichen hätten sich ausserdem mehr als sonst an sie gewandt mit der Bitte um Unterstützung. Bei der Lehrstellensuche, bei privaten Problemen, bei der Bewältigung der Langeweile.

Es ist ihr wichtig zu betonen, dass nur ein ganz kleiner Teil der Jugendlichen Vandalenakte verübe. Dennoch sucht auch sie nach möglichen Gründen. «Man muss immer im Hinterkopf haben: Teenager befinden sich auf dem Weg zum erwachsenen Menschen. Sie suchen ihre Identität, haben Beziehungsstress, familiäre Probleme, sie tauchen ins Berufsleben ein und müssen ihre Rolle in der Gesellschaft finden.»

Was die Jugendarbeit tun kann

Die wichtigste Massnahme, um Jugendlichen eine tolle Zeit zu ermöglichen, seien niederschwellige Angebote, sagt Rhea Dietrich. Möglichst viele Angebote. «Wir bieten beispielsweise regelmässig ein kostenloses Boxtraining an, wo die Teenager frei kommen und gehen können. Das ist eine gute Möglichkeit, um Wut kontrolliert abzulassen», erklärt die Jugendarbeiterin, die beim Jugendtreff der reformierten Gesamtkirchgemeinde Thun arbeitet.

Gratis Boxtraining ist für die Teenager eine gute Möglichkeit, ihre Wut kontrolliert abzulassen.
Autor: Rhea Dietrich Jugendarbeiterin

Auch seien Bezugspersonen ausserhalb des Familienkreises wichtig, denen die jungen Erwachsenen vertrauen können, und wo sie Unterstützung und Verständnis finden.

Ist es nur eine Phase?

Ein Jugendlicher vermutet, in Thun werde vieles zerstört, weil es Spass mache. «Man ist jung, da will man halt auch mal Scheisse bauen». Das glaubt Rhea Dietrich nicht, oder nicht nur, jedenfalls: «Ich habe das Gefühl, sie sagen zwar, es mache Spass, aber in Wirklichkeit sind es tiefergelegene Emotionen, die die Vandalen bewegen: Wut, Enttäuschung, Langeweile.»

Altstadt Thun
Legende: Die Idylle trügt: In Thun warfen Jugendliche Möbel in die Aare. Keystone

Wir fragen die Jugendlichen selbst, was sie denn gerne hätten. Was ihnen Spass machen würde. «Mehr Räume, mehr Platz, damit wir nicht am Thuner Bahnhof abhängen müssen», sagt der eine. Eine andere: «Frieden und ein guter Ort zum Chillen». Und einer bringt die Idee eines «Rage-Rooms» ins Spiel – ein Raum, in dem man Dinge kaputtmachen darf. Damit man sie nicht anderswo zerstört.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 18.3.2022, 12:03 Uhr;

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