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Legende: Video Zu laute Autobahnen: Bund drückt sich vor Lärmsanierung abspielen. Laufzeit 12:51 Minuten.
Aus Kassensturz vom 10.09.2019.
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Kritik an Astra «Lärmschutz ist eine lästige Pflichtübung»

Das Bundesamt für Strassen rechnet mit hohen Pauschal-Preisen. Lärmschutzprojekte werden deswegen oft nicht realisiert.

Autos machen Lärm. Viele Autos machen viel Lärm. Der Bund als Eigentümer des Nationalstrassen-Netzes ist verpflichtet, Anwohnerinnen und Anwohner vor dem Autobahn-Lärm zu schützen. So steht es im Gesetz.

«Kein Wille, gegen Lärmemissionen vorzugehen»

Das zuständige Bundesamt für Strassen Astra entledigt sich jedoch oft dieser Pflicht mit einem Rechen-Trick. Dabei hilft der wirtschaftliche Tragbarkeitsindex WTI. Vereinfacht gesagt eine Berechnung, die Kosten und Nutzen gegeneinander abwägt.

Dazu muss man wissen, dass bevor überhaupt eine einzige Offerte für Lärmschutzprojekte, z. B. Lärmschutzwände, eingeholt wird, Astra-Mitarbeiter selber die zu erwartenden Baukosten berechnen, mit Pauschalpreisen. Die Preise sind so hoch angesetzt, dass gewisse Lärmschutzmassnahmen von vornherein als zu teuer gelten.

Nordportal Tunnel Eich, A2 quer durch Eich LU am Sempachersee
Legende: Das Astra schiesst dringend nötige Lärmschutzprojekte ab – mit völlig überhöhten Kostenprognosen. SRF

Genau das passiert in Eich (LU) am Sempachersee: Einen lärmarmen Deckbelag bewilligt das Astra. Eine Erhöhung und Erneuerung der bestehenden Lärmschutzwände entlang der A2 lehnt es ab. Begründung: Das Projekt sei zu teuer. Das ärgert Adrian Bachmann, Gemeindepräsident von Eich: «Der Verkehr nimmt in den folgenden Jahren nicht ab. Der Lärm nimmt also zu. Und seitens des Bundes ist man nicht gewillt, effektiv gegen Lärmemissionen vorzugehen.»

Legende: Video Das Astra mache hier viel zu wenig, kritisiert der Eicher Gemeindepräsidenten Adrian Bachmann. abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus Kassensturz vom 10.09.2019.

«Hier passieren Fehlentscheide»

Auch Franz Grüter, selber Eicher Einwohner und SVP-Nationalrat, kritisiert die Praxis des Astra. Er kennt Offerten, die mit wesentlich günstigeren Preisen für Lärmschutzwände rechnen: «Vergleichbare Offerten haben gezeigt, dass der Astra-Preis viermal höher ist. Selbst wenn es nur die Hälfte des Astra-Preises wäre, zeigt es deutlich, dass hier Fehlentscheide passieren.» Grüter fordert das Astra auf, die Kalkulationen zu ändern und ein anderes Modell zu entwickeln.

Legende: Video Nationalrat Franz Grüter kennt Offerten, die mit wesentlich günstigeren Preisen rechnen. abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus Kassensturz vom 10.09.2019.

Ein Blick auf Astra-Lärmschutzprojekte zeigt: Eich ist kein Einzelfall. Die Folge: Wegen der hohen Kosten beantragt das Astra beim Bund sogenannte Erleichterungen. Die Lärmschutzmassnahme wird so für wirtschaftlich nicht tragbar bzw. unverhältnismässig erklärt. Und muss deshalb nicht umgesetzt werden. Danach gilt der Strassenabschnitt als lärmsaniert. Administrativ lärmsaniert. Gebaut wird effektiv nichts!

Grafik vom Astra zu den Grundlagen
Legende: Die Grundlagen für den Astra-Entscheid, ob eine Lärmschutzwand gebaut wird oder nicht. Astra

«Das Astra ist halt ein Strassenamt»

Für Peter Ettler ist die Astra-Praxis nichts Neues. Als Präsident der Lärmliga Schweiz und als Anwalt sammelte er diverse Erfahrungen mit dem Bundesamt: «Das Astra ist halt ein Strassenamt. Sie wollen Autobahnen aus- oder neu bauen. Lärmschutz ist da mehr oder weniger eine lästige Pflichtübung. Man macht ein Minimum.» Ausserdem müsse man den WTI-Index überdenken. «Die Gesundheitskosten sind im Index nicht enthalten. Er datiert aus dem Jahr 2006.»

Legende: Video Peter Ettler, Präsident Lärmliga Schweiz, kritisiert die veraltete Berechnungsgrundlage. abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus Kassensturz vom 10.09.2019.

Veraltete Berechnungsgrundlage, Lärmsanierungen nur auf dem Papier: Zu dieser Kritik will sich das Astra, trotz mehrerer Versuche und Anfragen von «Kassensturz», nicht äussern. Zum konkreten Fall von Eich will das Astra nichts sagen, weil die Gemeinde Eich aktuell gegen das Bundesamt vor Bundesgericht prozessiert.

Legende: Video Studiogespräch mit Peter Ettler, Präsident Lärmliga Schweiz abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
Aus Kassensturz vom 10.09.2019.
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34 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Mühlestein  (Hampi69)
    Zweitens; Im Falle dass Strassen / Eisenbahnlinien oder sonstiges vor einem bestehenden Grundstück / Wohnzonen neu gebaut werden, müssten die Erbauer für die Kosten des Lärmschutzes aufkommen! Also wie im Fall Eich, wo die beiden Wohnquartiere (links und rechts) erst nach der Nationalstrasse entstanden sind, müsste die Gemeinde bzw. die Besitzer selber einen Lärmschutz bauen nicht das ASTRA
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    1. Antwort von B. Häfeli  (xxx)
      @H. Mühlestein: Ihre Beurteilung mag auf den ersten Blick und mit wenig Wissen in Sachen Lärmschutz, so richtig sein. Wenn Sie sich aber vertieft in die Materie einarbeiten und das Umweltschutzgesetz (Bundesverfassung) und die Lärmschutzverordnung studieren, ändert sich der Blickwinkel schlagartig. Bei Lärm gilt auch das Verursacherprinzip! Da Lärmschutz eine komplexe Angelegenheit ist, werden Betroffene von den Vollzugsbehörden regelmässig nur administrativ (Erleichterungen) lärmsaniert!
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  • Kommentar von Hanspeter Mühlestein  (Hampi69)
    Hallo,
    Erstens; wenn Gemeinden an bereits bestehenden Nationalstrassen / Hauptstrassen oder stark befahrene Strassen, Eisenbahnlinien, Flugplätze / Flughafen oder Fluganflugschneisen Bauland einzonen und die neuen Landbesitzer günstigeres Land an solchen Orten dann Kaufen, müsste eigentlich die Gemeinde oder der neue Landbesitzer selber den Lärmschutz auf seinem Grundstück errichten, denn er wusste ja wohin er sein Gebäude stellt …. also selbst Schuld …
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  • Kommentar von Reto Albisser  (Reto2199)
    Ich finde es eine Frechheit. Ich wohne ein Stück weiter an der selben Strecke und habe den Lärm von zwei Seiten. Die Leute die sich da beschweren haben sich über die günstigen Grundstückpreise gefreut und gross gebaut und jetzt wird gross rumgeschrien wegen krach, das hätte man eigentlich auch vorher bedenken können oder nicht
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