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Baustoff-Studie erntet Kritik von Holzbaumeistern
Aus HeuteMorgen vom 19.05.2021.
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Kritik an Baumaterialstudie «Holzbau wird kleingeredet»

  • Der Schweizerische Baumeisterverband sorgt mit einer neuen Studie für Ärger bei den Holzbaumeistern.
  • Der Baumeisterverband betont, er wolle verhindern, dass die einen Baumaterialien gegen die andern ausgespielt werden.
  • Genau das geschehe aber, empören sich die Holzbauer, denn in der Studie werde der Holzbau kleingeredet.

Um die Trends in der Schweizer Bauindustrie mit Zahlen zu unterlegen, haben verschiedene Verbände der Branche erstmals eine Baumaterialstudie auf Basis der verwendeten Materialien, also der Volumen der Baustoffe, erstellt. Demnach erreichen die klassischen Baustoffe wie Backsteine, Zement, Beton und Stahl einen Marktanteil von rund 95 Prozent. Der Anteil von Holz liege hingegen bei 5.3 Prozent.

Holzprodukte werden die Materialien des Massivbaus nur in einem begrenzten Umfang ersetzen können.
Autor: Benedikt KochDirektor Schweizerischer Baumeisterverband

Und so bilanziert der Schweizerische Baumeisterverband (SBV): Andere Materialien seien wichtiger als Holz. «Stahl, Beton und Backsteine sind enorm wichtig. Auch wenn der Holzbau in den letzten Jahren in der Statik und im Brandschutz enorme Fortschritte gemacht hat, werden Holzprodukte die Materialien des Massivbaus nur in einem begrenzten Umfang ersetzen können.»

Ein fairer Vergleich wäre nicht über das verbaute Volumen, sondern, wenn man die Anzahl der erstellten Gebäude vergleichen würde.
Autor: Hans-Jörg SteinerPräsident Holzbau Schweiz

Beim Verband Holzbau Schweiz kommt diese Aussage schlecht an. Das Volumen zu messen, sei der falsche Ansatz. Denn für eine Wand aus Holz benötige ein Baumeister in der Regel deutlich weniger Material als für eine gleiche aus Beton, sagt der Präsident von Holzbau Schweiz Hans-Jörg Steiner. «Ein fairer Vergleich wäre nicht über das verbaute Volumen, sondern, wenn man die Anzahl der erstellten Gebäude vergleichen würde.» Dort käme der Holzbau laut Steiner auf fast 15 Prozent.

Baustoffe im Konkurrenzkampf?

Die richtige Kombination der Baumaterialen sei schlussendlich entscheidend – «Das gegenseitige Ausspielen einzelner Baustoffe nicht zielführend», so Koch. Doch genau das mache der Baumeisterverband mit der Studie aber, ärgert sich Steiner. «Der SBV versucht die Anwendung von Holz kleinzureden.»

Das gegenseitige Ausspielen einzelner Baustoffe ist nicht zielführend.
Autor: Benedikt KochDirektor Schweizerischer Baumeisterverband

Letztlich geht es auch zunehmend um den Klimaschutz. Die Produzenten von Stahl, Beton und Backsteinen möchten verhindern, dass die Politik künftig, Holz den Vorzug gibt – beispielsweise bei der anstehenden Revision des Umweltschutzgesetzes. Denn darin stecke weniger graue Energie. «Wenn man sich nicht vertieft mit den Baustoffen und der Bauwirtschaft auseinandersetzt, könnte das eine Gefahr bedeuten», sagt der SBV-Direktor.

Der SBV versucht die Anwendung von Holz kleinzureden.
Autor: Hans-Jörg SteinerPräsident Holzbau Schweiz

Und Holzbaumeister Steiner entgegnet: Holz habe langfristig sehr gute Karten. «Ich gehe davon aus, das im Hochbau Holz noch massiv zulegen wird.»

Aktuell allerdings kämpft der Holzbau mehr noch als andere Branchen mit Lieferengpässen und Preissteigerungen. Auch weil ein grosser Teil des Holzes aus dem Ausland importiert wird – trotz der vollen Schweizer Wälder.

HeuteMorgen, 19.05.2021, 06:00 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von René Bucher  ()
    1/2 Es ist eher die USA, welche ca. 1Mio m3/Jahr aus Europa importiert (zahlen den 2-3fachen Preis). Gleichzeitig läuft die Europäische Holzbaubranche sehr gut, was zu einer Verknappung des Rohstoffes und Preiserhöhungen geführt hat. Die Hamstereinkäufe von Holzverarbeitenden Betrieben tun den Rest dazu.
    Die Waldwirtschaft in CH ist seit Jahren nicht kostendeckend und solange die Rundholzpreise nicht markant angehoben werden, lassen die Waldeigentümmer die Bäume im Wald stehen.
    1. Antwort von René Bucher  ()
      Dies sollte eigentlich die Antwort auf den Kommentar von Felix Meyer sein.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Holzknappheit? Lieferengpässe/Preissteigerungen

    Vor ein paar Tagen konnte ich einem Gespräch zuhören, in dem erwähnt wurde, dass China weltweit Holz einkaufe. Unter anderem sei das Holz in D knapp, weil alles an China geliefert werde.

    Wie hoch muss denn der Holzpreis steigen bis wir eigenes verbauen? Oder hat es einen anderen Grund warum das nicht getan wird. Wer weiss da mehr?
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ich nehme an Sie tippen schon korrekt. Schweizer Holz ist teurer aus verschiedensten Gründen.
    2. Antwort von Ulrich Thomet  (UTW)
      In den letzten Jahren wurde Käferholz, dass KEINE statischen Nachteile hat, ums Holzen "verkauft". Das heisst, der Forstunternehmer hat dem Waldeigentümetr nichts für das Holz zahlen können.
      Wertholz wird im Schnitt für Fr. 70.- pro Fm bezahlt. Die Erntekosten machen Fr. 35.- bis 40.- aus.
      Aus einem Festmeter können ca. für Fr. 400.- Endpreis, Dachlatten gesägt werden. Meist werden die aus Käferholz gesägt.
    3. Antwort von René Bucher  ()
      2/2 der Preiskampf (man baut ein Haus und möchte das günstigste Holz, welches dann halt aus dem Ausland kommt) hat dazu geführt, dass viele Sägereien aufgeben mussten. Nun fehlt die Verarbeitungskapazität in CH und wir müssen teures EU Holz einkaufen, obwohl die CH Holzverarbeitung seinen Abnehmern mehrheitlich treu bleibt und die Preise nicht übertrieben nach oben korrigierte.
      Die Kapazitäten sind aber halt begrenzt; hatte man bis vor 2Mt sein Holz in 3Wo sind es es nun 5Mt Lieferfrist.
  • Kommentar von Otto Schwarzenbach  (_)
    Ganze Gebäude und Abbruchmaterial müssen vermehrt wiederverwertet werden. Das ist der Punkt. So lange Bauschutt fast gratis in Gruben deponiert werden kann, werden weiter grosse Mengen an Beton produziert: Dabei entsteht aus Kalk (CaCO3) Zement (vor allem Calciumoxid = CaO) und unweigerlich eine grosse Menge CO2. Holz als Baustoff hat sicher die bessere Klimabilanz. Sofern es aus nachhaltigem Abbau stammt und nicht aus Raubbau; egal ob in Europa oder Übersee.
    1. Antwort von René Bucher  ()
      Das stimmt doch beim Holz nicht: ein Holzhaus speichert 100Jahre oder mehr CO2 in der Bausubstanz und wird danach zu Hackschnitzel weiterverarbeitet und kann ihre Heizung zugeführt werden um ihr Haus zu heizen. Oder es wird sogar zu Spanplatten weiterverarbeitet und bleibt als CO2 Speicher erhalten.

      Ihr Argument zählt wenn schon in der Baumeisterbranche; es wird aber auch dort einiges recycelt, aber halt mit einem grossen Energieaufwand.
    2. Antwort von Adrian Weber  (Pöbel)
      Wände aus Massivholz können flexibel dem Bedarf angepasst werden, auch zukünftigem. Man kann unkompliziert Türen einbauen oder ganze Wände verschieben.
      Zudem sind Isolations- und klimatische Eigenschaften gesundheitsförderlich.
      Je nach Verarbeitung können Häuser CO2-Minus sein und sehen sogar noch schön aus. Und dieser Rohstoff wächst nach.
      Langfristig kommen wir nicht drum herum, mehr Holz (oder auch Bambus) zu verwenden.