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Bund tritt bei Smartrail 4.0 auf die Bremse
Aus HeuteMorgen vom 10.07.2020.
abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
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Kritik an Smartrail-Plänen Bund will Bahnen vor digitalen Irrwegen bewahren

  • Mit Smartrail 4.0 haben sich die Schweizer Bahnunternehmen, darunter SBB, BLS und SOB, hohe Ziele gesetzt: mehr Passagiere, mehr Züge und ein dichterer Fahrplan.
  • Gleichzeitig will sie die Sicherheit auf dem Schienennetz erhöhen.
  • Doch das Bundesamt für Verkehr erhebt jetzt Einwände gegen die geplante Umsetzung.

In einem Bericht schreibt das Bundesamt für Verkehr (BAV), Smartrail 4.0 sei schwer überschaubar geworden. «Wir finden jedoch die Risiken bei einem Monster-Projekt zu gross. Auch deshalb unser Schritt: Aufteilen, kleinere Elemente machen», sagt Olivia Ebinger, Mediensprecherin des BAV.

Das ist Smartrail 4.0

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Mit dem Projekt Smartrail 4.0 wollten die Bahnunternehmen in der Schweiz ihr Streckennetz, Züge und Steuerungssysteme digitalisieren und automatisieren. Das Ziel ist, mehr Züge gleichzeitig fahren zu lassen und die Sicherheit auf dem Schienennetz zu erhöhen.

1. Automatisierte Verkehrssteuerung

Die Betriebszentralen wissen jederzeit, wo sich welcher Zug befindet. Bei Störungen und Ausfällen kann das Steuerungssystem Ersatzrouten berechnen. Signale und Weichen müssen nicht in Einzelschritten neu gestellt werden, sondern können automatisiert und verknüpft gesteuert werden. Bei Störungen generiert das Verkehrssteuerungssystem automatisch einen neuen Fahrplan.

2. Verkehrsfluss erhöhen, dichterer Fahrplan

Die Anzahl Züge, die gleichzeitig auf der Schiene fahren, soll erhöht werden. Ein neues «Zugbeeinflussungssystem» (European Train Control System, ETCS) soll dafür sorgen, dass jederzeit die Geschwindigkeit des Zuges kontrolliert und gesteuert werden kann, so dass der Abstand zwischen den Zügen verringert werden kann. Die Lokführerinnen und Lokführer erhalten «Autopilot-Funktionen».

3. Mehr Sicherheit

Insgesamt soll der Bahnbetrieb sicherer werden. Weil die Betriebszentralen jederzeit wissen, wo sich die Züge befinden, können die Arbeiter auf den Baustellen vollautomatisiert gewarnt werden. Für den Regelverkehr gefährliche Rangierarbeiten können jederzeit gestoppt werden. Ein Vorwarner, der die Kolleginnen und Kollegen auf den Baustellen warnt, wird nicht mehr benötigt.

4. Kosten sparen

Rund 500 Stellwerke steuern dezentral Weichen und Signale. Mit Smartrail 4.0 sollen die Stellwerke durch ein zentrales System ersetzen werden. Dank eines optimierten Fahrverhaltens soll auch der Energieverbrauch gesenkt werden. Insgesamt erhoffen sich die Bahnbetreiber Ersparnisse von 450 Millionen Franken.

Weitere Kritikpunkte an Smartrail 4.0 sind: zu stark technisch orientiert und zu wenig mit internationalen Entwicklungen abgestimmt.

«Gefahr, dass etwas nicht EU-kompatibel ist»

Diesen Punkt kann Matthias Finger, Professor für Management für Netzwerk-Industrien an der ETH Lausanne, nachvollziehen. «Die Gefahr ist, dass man da etwas aufbaut, das am Schluss nicht EU-kompatibel ist.» Finger findet es wichtig, dass man die technischen Entwicklungen mit der EU abstimmt.

Bei den Bahnunternehmen kann man die Einwände des BAV nachvollziehen. Michel Kunz, Verantwortlicher bei Smartrail sagt: «Wir werden jetzt auch in einen Dialog gehen mit dem BAV, um die Auflagen, die sie uns gegeben haben, zu besprechen – sodass wir sicher sind, dass wir ein gemeinsames Verständnis haben, wie wir weiter vorgehen werden.»

Verschiedene Geschwindigkeiten bei der Umsetzung

Für das Projekt Smartrail 4.0 bedeutet das, umsetzen, was schnell umsetzbar und wichtig ist – beispielsweise die Warnung für Bauarbeiter auf Baustellen automatisieren.

Anderes soll aus dem Projekt herausgenommen und separat realisiert werden. So beispielsweise die autonom fahrenden Züge, in denen kein Lokführer im Führerstand sitzt. Die Digitalisierung im Bahnverkehr kommt – einfach etwas gestaffelter.

Heute Morgen, 10.7.2020, 6:00 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Johannes Kern  (swissbird)
    Anstatt diese lächerliche Geschlechts-Doppelbenennung zu praktizieren, und dann eben doch nicht konsequent (zum Glück, sonst könnte man es überhaupt nicht mehr lesen), würde man lieber gleich ganz auf diesen Nonsens verzichten. Leistungsstarke Menschen benötigen sowas nicht, um sich nicht verletzt zu fühlen.
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  • Kommentar von Beat Stocker  (BeaSt)
    Ich hab da Bedenken, ein Projekt zu beginnen, für welches unsere Nachbarn gar nicht bereit sind. Die NEAT ist noch weit vom Abschluss weg (in D und Italien).
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    1. Antwort von Philippe Sauter  (PhilS)
      Ich bin der Meinung man sollte dafür sorgen, dass die SBB diese Streckenabschnitte einfach übernehmen und selbst ausbauen kann (natürlich so das sie kompatibel sind mit den lokalen Systemen).
      Das ist nach mir der einige Weg die NEAT fertig zu stellen. Für Deutschland und Italien schein das nicht gerade eine Priorität zu sein.
      Da hat jeder was davon. Die SBB/Schweiz bekommt die NEAT und unsere Nachbaren bekommen die Infrastruktur ohne gross dafür zahlen zu müssen.
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    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Die hier vorliegenden Projekte haben nichts mit Streckenausbauten zu tun, sondern zum Beispiel mit Signalisierung, automatischer Bremsprobe, Fahrzeug-Verfolgung, etc.

      …und die Nachbarn arbeiten genau auch in diesen Gebieten.
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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Die Abhängigkeit vom Internet ist schon jetzt atemberaubend aber man will mit einem dichteren Fahrplan noch abhängiger und anfälliger auf Pannen werden. Zum Glück hat der gesunde Menschenverstand Alarm geschlagen und ein grösseres Fiasko verhindert.
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