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Kritik an Arbeitsbedingungen für Erntehelfer
Aus Schweiz aktuell vom 02.10.2020.
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Kritik von Saisonangestellten Schwere Vorwürfe an Bündner Beeren-Produzent

Angestellte und die Gewerkschaft Unia kritisieren die Arbeits- und Wohnbedingungen bei Beiner + Berther AG in Landquart.

Die Beerenzeit ist beendet, die saisonalen Erntehelfer, viele aus Osteuropa, sind grösstenteils wieder heimgekehrt. Jetzt aber erntet das Unternehmen statt süsser Beeren harte Kritik von der Belegschaft und der Gewerkschaft Unia am Umgang mit ihren Mitarbeitenden und deren Unterbringung.

Die Unia beschuldigt die Beiner + Berther AG, dass die Arbeitsbedingungen menschenunwürdig seien. Zudem seien die Löhne zu tief und willkürlich festgelegt. Dazu kämen ungerechtfertigte Abzüge und schlechte Wohnbedingungen.

Beiner + Berther AG wehrt sich gegen die Vorwürfe der Gewerkschaft. Die Arbeitsverhältnisse seien rechtlich korrekt.

«Wohl der Arbeitnehmer liegt uns am Herzen»

Der Beeren-Grossproduzent in Landquart (GR) beschäftigt in der Hochsaison bis zu 200 Mitarbeiter. Seine Früchte werden von Schweizer Grossverteilern verkauft. Gepflückt werden sie von Saison-Erntehelfern aus Kroatien, Portugal, Polen und Rumänien.

Deren Wohlergehen sei dem Unternehmen sehr wichtig, sagt der Sprecher des Produktionsbetriebs, Thomas Hobi: «Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die sehr zufrieden bei uns sind. Sie sagen, dass sie nächstes Jahr gerne wiederkommen und es angenehm bei uns finden». Die Arbeitsbedingungen und die Wohnsituation seien also gut.

Intransparente Lohnabzüge

Diese Meinung teilt Nikola Jović nicht. Er hatte zuletzt als Werkstattleiter bei Beiner + Berther gearbeitet und hat jetzt gekündigt. «Ich arbeitete 12 Stunden am Tag. Am Ende des Jahres hatte ich 400 Überstunden, die sind bis jetzt nicht bezahlt.» Verschärfend kommt dazu, dass viele Arbeiter oft kein Deutsch sprechen. «Man versteht gar nicht, was man da unterschreibt. Das habe ich damals auch nicht», sagt Jović.

Maja Jurić-Džijan von der Gewerkschaft Unia hat im Gespräch mit Angestellten viele unberechtigte und willkürliche Lohnabzüge festgestellt. «Wir haben Lohnabrechnungen vorliegen, aus denen ersichtlich wird, dass sich die ausgezahlten Löhne und Abzüge für Kost und Logis unterscheiden. Auch der Überstundenzuschlag wird nicht allen ausbezahlt.» Weiter seien die Abzüge für die Krankenkassenbeiträge höher als in der Police festgelegt. Und das alles bei einem Brutto-Lohn von 15 Franken pro Stunde.

Nicht widerrechtlich gehandelt

Auf die Vorwürfe angesprochen, sagt Thomas Hobi, dass sich die Beiner + Berther AG arbeitsrechtlich an den Landwirtschaftsverbänden orientiere. Alle Regelungen würden den branchenüblichen Empfehlungen entsprechen: Überstunden würden ausbezahlt und in den Krankenkassen-Abzügen seien weitere Leistungen einberechnet. «Der Abzug beinhaltet alle Arztrechnungen, Selbstbehalte, den Patiententransport und allfällige Übersetzer. Da sind viel mehr Leistungen inbegriffen als nur die Krankenkassenprämie.»

Auf diese Aussage will sich die Gewerkschaft nicht verlassen. Anfang kommender Woche trifft sie sich darum zum Krisengespräch mit dem kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit in Chur, um die Lage zu besprechen.

Schweiz aktuell, 02.10.2020, 19:00 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Wir bezahlen Subventionen an die Landwirtschaft, und diese genießt Grenzschutz.

    Da muss dringend - wie in der Baubranche - ein GAV kommen.
    Mit anständigen Löhnen, womit mindestens 90% der Arbeit durch Schweizer erledigt wird.

    Dafür bezahle ich gerne im Laden.

    Aber für Abzocker muss Null Toleranz gelten.
  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Ich habe im SRF den Beitrag gesehen und meinen Kopf schütteln müssen. Dort werden die Erntehelfer auch wenn mich der Ausdruck stört, einfach nur abgelockt. Wenn pro Person über 900 Franken für Kost und Logis abgezogen werden und etwa sechs in einem Zimmer wohnen, kann man ausrechnen was das für einen Mietzins für die ganze Wohnung ergibt. Es tönt fast so wie beim Fleischverarbeiter Tönnies in Deutschland. Dann zahlt man noch einen höheren Preis weil es Schweizer Früchte sind.
  • Kommentar von Stefan Gisler  (Stefan Gisler)
    15 Fr brutto, Sklaverei...ergibt gerade etwa 2700...Mindeslöhne????
    Dann Abzüge von KK etc....da kann man gut Geld irgendwo für den Betrieb abzweigen ohne dass es niemand merkt.
    Zudem Vertäge auf Deutsch bei Leuten die kein Deutsch können...auch nicht ok. Es wäte ein einfaches den Vertag in der Sprache des Arbeitnehmer zu machen, ist ja nocht 100 Seitel gross. Aber besser so für den AG...
    Aus meuner Sicht wrrden hier AN ausgenommen.