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Ein Unternehmer kauft reihenweise Arztpraxen
Aus Rundschau vom 03.06.2020.
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Kritik von vielen Seiten Harsche Vorwürfe gegen Hausarzt-Label

Falsche Versprechungen, fehlende Bewilligungen, schlechte Zahlungsmoral – die Vorwürfe gegen einen Unternehmer aus Österreich und seine Arztpraxen-Kette wiegen schwer. Der Angeschuldigte wehrt sich.

29 Arztpraxen besitzt er, und es sollen mehr werden. «Es könnten 500 sein», sagt der Österreicher Christian Neuschitzer der «Rundschau». Pro Monat übernehme er vier neue Arztpraxen in der Schweiz.

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Neuschitzer: «Ich habe jetzt 150 Ärzte, die warten»
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2018 lancierte Neuschitzer das Label MeinArzt. Die Idee: Hausärzten, die keinen Nachfolger finden, eine Lösung bieten. Neuschitzer gründet eine GmbH und der Arzt überschreibt ihm die Praxis. MeinArzt sucht einen Nachfolger, der Alt-Arzt kann sich in Ruhe zurückziehen, und die Administration übernimmt die Zentrale.

Heftige Kritik

Doch jetzt kommt Kritik auf. Etwa vom Aargauer Hausarzt Riccardo Regli. Er hat 2018 seine Praxis an Neuschitzer überschrieben und fühlt sich hintergangen: «Meine Erfahrungen sind negativ.»

So habe ihm Neuschitzer beispielsweise vertraglich zugesichert, dass er Teilhaber der GmbH werde. Im Handelsregister wurde Regli aber nie eingetragen. Neuschitzer entgegnet, der Arzt habe den Wunsch, Teilhaber zu sein, mündlich zurückgezogen.

Rechtsstreit mit Ärzten

Die Rundschau weiss von zehn Ärzten und Ärztinnen, Partnerfirmen sowie Lieferanten, die mit MeinArzt im Rechtsstreit sind oder hohe Geldforderungen stellen. Der Redaktion liegen Briefe von Ärzten vor. «Jemand muss diesen Mann stoppen», heisst es etwa darin.

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Hausarzt Regli: «Meine Erfahrungen sind komplett negativ»
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Fragen werfen zudem fünf MeinArzt-Praxen in Zürich auf, wo laut Recherchen die nötige Praxisbewilligung fehlt. Die Zürcher Gesundheitsbehörde hält in einem Schreiben an MeinArzt fest, dass die Betriebe aufgrund ihrer Ausgestaltung «der Bewilligungspflicht unterstehen».

Neuschitzer sagt auf Anfrage, er habe die fehlenden Bewilligungen jetzt beantragt. Er weist sämtliche Vorwürfe zurück und entgegnet, man halte sich an behördliche Vorgaben. Bei Praxisübernahmen komme es teilweise zu Verzögerungen. Fehler würden umgehend korrigiert.

Wütende Gläubiger

Die Firmen von Christian Neuschitzer geraten auch wegen ihrer Zahlungsmoral in die Kritik. Ein Medikamentenlieferant gibt an, MeinArzt schulde ihm 1.3 Millionen Franken – davon knapp eine Million für nicht bezahlte Medikamente. Im Betreibungsregister, Stand März, sind offene Beträge von insgesamt rund einer halben Million Franken.

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Neuschitzer: «Unsere Buchhaltung war mit den Zahlungen überfordert»
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Neuschitzer erklärt: «Unsere eigene Buchhaltung war mit den Zahlungen völlig überfordert.» Im März habe er deshalb eine Treuhandfirma gegründet. Vieles sei bereits bezahlt und ab sofort werde alles besser.

Lebenslauf mit Lücken

Über Neuschitzers Tätigkeit bevor er in die Schweiz kam, findet sich im Internet kaum etwas. Recherchen zeigen, dass er in Österreich und Deutschland Firmen besass. Unter anderem war er Besitzer einer Tanzbar in Villach und Geschäftsführer in einem Swingerclub am Wörthersee.

Im Laufe der Recherche erhält die Redaktion auch E-Mails aus der Firmenzentrale von Angestellten, Ärzten, Praxisassistentinnen und Mitarbeitenden, die Neuschitzer verteidigen. Sie bezeichnen MeinArzt als «Familie». Christian Neuschitzer sei vertrauenswürdig und bezahle den Lohn immer pünktlich. Und: «Er hat grosses für die Schweiz getan.»

Rundschau, 3.6.2020, 20:05 Uhr, srf/bern;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Waidhass  (center100)
    Die Ärztin wurde nach Ihrer Kündigung freigestellt, aus welchen Gründen auch immer, ist das hochprofessionell vom Unternehmer. Sie hat kein Recht mehr die Praxisräume zu betreten und macht sich übrigens strafbar wenn sie Patientenunterlagen einfach so mitnimmt. Der Patient muss seine Unterlagen beim alten Arzt abholen und zum neuen Arzt bringen. Die Freistellung dient also nur dem Schutz des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers und würde in jeder seriös geleiteten Firma genauso ablaufen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Bei einem Handel, gibt es immer zwei Seiten - Käufer und Verkäufer. Frage: welche Ärzte verkauften ihre "Arzt-Praxis" und aus welchen Gründen? Dabei ist immer GELD im Spiel...
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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Sogar falls er es ursprünglich gut meinte: Vielleicht liegt es am schnellen Wachstum das die Organisation überfordert, wie so viele, und dann wird aus "grosses für die Schweiz getan" plötzlich "grossen Mist gebaut".
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