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Legende: Video Unrechtmässige Kündigung wegen Schwangerschaft abspielen. Laufzeit 05:46 Minuten.
Aus News-Clip vom 30.05.2019.
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Kündigung wegen Mutterschaft Frauen wehren sich gegen diskriminierende Kündigungen

Eine Frau erhält die Kündigung, weil sie Mutter wird. Immer mehr Frauen wehren sich gegen solche diskriminierenden Kündigungen. Das zeigt eine Analyse von «10vor10».

Das Gleichstellungsgesetz schützt Angestellte vor Kündigungen aufgrund ihrer familiären Situation, der sexuellen Orientierung oder des Geschlechts. Die meisten Betroffenen wenden sich als erstes an eine Schlichtungsstelle. In den meisten Fällen können sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber dort einigen. Nur wenige Fälle werden bis vor Gericht gezogen.

Anzahl Fälle nahm leicht zu

Eine Analyse von «10vor10» zeigt, dass die Zahl der Fälle von diskrimierenden Kündigungen, die vor eine Schlichtungsstelle oder ein Gericht gebracht werden, in den letzten zehn Jahren leicht zugenommen hat. Analysiert wurde eine Datenbank der Gleichstellungsstellen, die alle Deutschschweizer Fälle erfasst. Betroffen sind vor allem Frauen.

Legende:
Diskriminierende Kündigungen Deutschschweizer Fachstellen für Gleichstellung

In der Tendenz nahmen die Fälle seit 2007 leicht zu. Die 63 Fälle im Jahr 2017 sind möglicherweise damit zu erklären, dass noch nicht alle Fälle aus diesem Jahr in der Datenbank erfasst worden sind.

Legende:
Kündigungen im Zusammenhang mit einer Mutterschaft Deutschschweizer Fachstellen für Gleichstellung

Dabei ist auch der Anteil der Fälle in Zusammenhang mit einer Mutterschaft leicht angestiegen. In den letzten Jahren betrifft dies oft mehr als die Hälfte aller Fälle.

Schwierige Beweisführung

Die Rechtsprofessorin Karine Lempen an der Universität Genf beschäftigt sich mit dem Gleichstellungsgesetz. Auch sie stellt fest, dass sich die Frauen heute häufiger wehren als früher. Trotzdem sei es immer noch schwierig, die Diskriminierung nachzuweisen. «Der Arbeitgeber kann immer argumentieren, dass der Frau gekündigt wurde, weil die Leistungen nicht stimmten oder weil gerade eine Umstrukturierung aus wirtschaftlichen Gründen anstand.»

Probleme mit tieferen Pensen

Es gebe relativ wenig problematische Fälle, erklärt Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband. «Wir haben rund zwei Millionen berufstätige Frauen. Da ist die Zahl, die vor Gericht landet, absolut gesehen nicht so hoch.» Auf der anderen Seite zeige sich auch, dass die Frauen, die sich ungerecht behandelt fühlten, ihre Rechte vor Gericht einklagen.

«Viele junge Mütter wollen ihr Pensum reduzieren und Aufgaben abgeben. Das heisst, andere im Team müssen diese Aufgaben übernehmen. Dazu sind nicht immer alle bereit», erklärt Lützelschwab. Sie betont aber auch: jede diskriminierende Kündigung sei eine zuviel.

Sechs Monatslöhne

Die maximale Entschädigung sind sechs Monatslöhne, die jemand erhalten kann, wenn er oder sie sich auf das Gleichstellungsgesetz beruft. «Oft sind es aber nur zwei bis drei Monatslöhne», relativiert Professorin Karine Lempen. «Zusätzlich besteht das Risiko, die Anwaltskosten der Gegenseite tragen zu müssen, wenn man verliert.» Finanziell lohne sich das also nicht immer.

Zudem ist nur etwa die Hälfte der Frauen erfolgreich, die sich wehrt. Um den Erfolg zu messen, wurden die Fälle zusammengezählt, die eine Entschädigung vor der Schlichtungsstelle erwirkten und vor Gericht Erfolg hatten.

Legende:
Erfolgsquote vor Schlichtungsstellen und Gerichten Deutschschweizer Fachstellen für Gleichstellung

Die Erfolgsquote schwankt von Jahr zu Jahr. In der Tendenz ist aber eine leichte Zunahme der erfolgreichen Fälle zu beobachten

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15 Kommentare

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  • Kommentar von b. glaset  (glaset)
    Rücksichtslos von Arbeitgebern, die sich an die Gesetze halten? Wohl kaum, die Gesetze sind dazu da, um eingehalten zu werden. Das hat heute nichts mehr mit Moral zu tun.
    Die Arbeitgeber sind im Kündigungsfalle sowieso schon am kürzeren Hebel, wenn ich so die Verurteilungen durch Arbeitsgerichte ansehe, hat der Arbeitgeber meistens nur Pflichten und kaum noch Rechte.
    Es ist ein Geben und Nehmen in der Arbeitswelt. Jemand der gut mit seinem Arbeitgeber ist, wird auch gut behandelt!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Genau, Gesetze sind da um eingehalten zu werden. Der Kündigungsschutz ist sowieso praktisch inexistent in der Schweiz. Oder wie oben geschrieben: Wenn die Kündigung mit Reorganisation begründet wird hat Frau kaum eine Chance die missbräuchliche Kündigung einzuklagen. Die Kündigung aufgehoben wird sowieso nicht, die 3-6 Monatslöhne sind lächerlich als Strafe.
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  • Kommentar von Roland Kaiser  (Roland Kaiser)
    Dieses Recht wird aber leider auch ausgenutzt. Ich habe die Erfahrung gemacht: kaum angestellt - Schwanger und nach der Schwangerschaft die Kündigung. Wie sich später herausstellte wurde es so im Voraus geplant. Die Firma und die Mitarbeiter haben dies ausbaden dürfen.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Na ja, wir sprechen da im Jahr 2017 von weniger als 20 Fällen. Es sind in der Schweiz rund 2,4 Millionen Frauen beschäftigt. Da hat die Schweiz also wirklich wichtigere Probleme.....
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    1. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Für die Frauen, welche es trifft ist es schon ein Problem. Was würden sie sagen, falls sie Vater würden wenn ihnen ihr Chef kündigen würde, weil der Vaterschaftsurlaub zu teuer für das Geschäft ist? Würde es sie denn nicht auch treffen?
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