Die Geschichte begann mit Jacques Spörris Wanderjahren als Konditor während der Belle Époque. Sie führten ihn vor dem ersten Weltkrieg von Genf über Marseille bis nach Paris. Die Zeit dort, beim weltbekannten österreichischen Confiseur Anton Rumpelmayer, prägte ihn nachhaltig.
Als Lohn gab es auf der Wanderschaft kein Geld, aber Spörri nahm viel Wissen mit nach Hause. Er eröffnete ein erstes Restaurant im Chräzerli in Urnäsch, später führte er das Restaurant Peter Rotmonten in der Stadt St. Gallen, bis er schliesslich 1931 mit der Familie nach Teufen zog und dort eine Bäckerei übernahm. Diese führte er bis in die 50er-Jahre. Dann übernahm Sohn Peter mit seiner Frau Helen.
Meine Eltern kämpften um einen Kredit und wagten den Um- und Anbau.
Das Café Spörri war damals noch nichts Glamouröses, erzählt der Enkel von Jacques Spörri, Hanspeter Spörri. Seine Eltern hätten um einen Kredit von 350'000 Franken gekämpft, damit sie die Bäckerei um- und anbauen konnten. «Das schlug ein wie ein Blitz», sagt Hanspeter Spörri.
Erfolg vom ersten Tag an
Das Café sei vom ersten Tag an voll gewesen – so voll, dass die Leute in den Gängen standen und das Servicepersonal kaum durchkam, sagt Hanspeter Spörri. Die Liste von prominenten Gästen wuchs stets an.
-
Bild 1 von 8. Im Café Spörri wurden auch Firmenjubiläen gefeiert – wie hier das der Jörg Schoch AG im Jahr 1972. Bildquelle: Zeughaus Teufen.
-
Bild 2 von 8. Die Gäste wurden draussen und drinnen bewirtet. Bildquelle: Zeughaus Teufen.
-
Bild 3 von 8. Im Café Spörri gab es nicht nur Süsses. Auch Salate waren auf der Speisekarte. Bildquelle: Zeughaus Teufen.
-
Bild 4 von 8. Die Familie Spörri hat das Café sieben Mal umgebaut. Bildquelle: Zeughaus Teufen.
-
Bild 5 von 8. Die Gaststube wurde nach deren Verkauf leerer und leerer. Bildquelle: Zeughaus Teufen.
-
Bild 6 von 8. Das alte Wirtshausschild ist zur Zeit in Teufen im Zeughaus ausgestellt. Bildquelle: SRF/Selina Etter.
-
Bild 7 von 8. In der Ausstellung ist auch das Tafelsilber zu bewundern. Bildquelle: SRF/Selina Etter.
-
Bild 8 von 8. Was vom legendären Café noch geblieben ist. Bildquelle: SRF/Selina Etter.
Die Gäste kamen von weit her, erzählt Hanspeter Spörri. Aber auch aus dem Dorf Teufen kehrte man im Spörri ein. Bundesräte, Touristen, Studierende, Politikerinnen, das Dorforiginal – die Gästeschar war bunt.
Zu den prominenten Gästen gehörten unter anderem die Bundesräte Kurt Furgler und Arnold Koller; der damalige Erbprinz und spätere liechtensteinische Fürst Hans-Adam der Zweite sowie die amerikanische Sängerin und Ikone Josephine Baker.
Arme Leute, die ans Backstubenfenster klopften, bekamen immer etwas Kuchen.
Der Familie von Peter und Helen Spörri war es wichtig, für alle da zu sein. Kinder oder Leute ohne Geld, die ans Backstubenfenster klopften, bekamen immer etwas Kuchen. Die offene Art und Grosszügigkeit waren laut Sohn Hanspeter Spörri auch Teil der Zutaten, dass das Café Spörri gut lief.
Der Sohn will das Geschäft nicht
Die Familie Spörri hat das Café und den Laden sieben Mal saniert und erweitert. Dass Sohn Hanspeter Spörri das Geschäft nicht übernehmen würde, war bald klar. Er war Journalist aus Leidenschaft und sagt von sich: «Ich hätte das nicht gekonnt.»
Die Familie verkaufte es in den 1980er Jahren an einen deutschen Konzern, zu dem die Confiserie Feller AG gehörte. 20 Jahre lang lief das Café weiter. Es ging langsam aber sicher bergab. «Es wurde bei wichtigen Details gespart», vermutet Hanspeter Spörri heute. Es sei nicht mehr investiert worden. Zwar hat 2001 die Appenzeller Familie Sutter das Café gekauft. Das Haus war aber so alt und ungepflegt, dass nur ein Neubau die Rettung gewesen wäre.
Die Bevölkerung hatte den Mythos des Cafés im Kopf, aber niemand hatte eine Lösung für die Zukunft.
Es gab in Teufen einen grossen öffentlichen Streit über das Café. «Die Bevölkerung hatte den Mythos des Cafés im Kopf und man merkte, dass dieser Mythos verloren ging», sagt Spörri. Aber niemand wusste, wie man das Café hätte restaurieren können. Es gab keine Lösung. Das Kultcaféhaus wurde 2011 verkauft und wird seither als Privathaus genutzt. Ein wichtiger Treffpunkt für alle ging verloren.