Zum Inhalt springen

Header

Audio
Nicht alles ist Kunst, was im Kreisel steht
Aus Echo der Zeit vom 28.07.2021.
abspielen. Laufzeit 05:21 Minuten.
Inhalt

Kunst, Kitsch und Knatsch Schafe für Schafisheim: Kreiselkunst bewegt das Land

Nach jahrelanger Evaluation hat Schafisheim (AG) nun Schafe auf dem Kreisel. Nur eines von vielen Kreiselkunst-Dramen.

In Schafisheim leben gut 3000 Menschen in der Nähe des Autobahnanschlusses Aarau Ost. Das Dorf liegt an einer viel befahrenen Durchgangsstrasse. Im Zentrum führt die Strasse über einen Kreisel, zwischen Bauernhaus, Metzgerei, Restaurant und Pizza-Lieferdienst. Ein kleiner Kreisel, aber mit langer Geschichte.

Die Geschichte handelt vom Kreiselschmuck, der das Verkehrsbauwerk zieren soll. Die Diskussionen im Dorf laufen seit Jahren. Wie so oft begann die Geschichte mit einer Kommission. «In dieser Kommission waren der Kreis-Ingenieur des Kantons, ein Mitarbeiter der Bauverwaltung, ein Künstler, ein Architekt, zwei Mitglieder des Gemeinderates. Man hat das ernst genommen», erzählt Gemeindepräsident Roland Huggler.

Am Schluss entscheidet Geld

Schnell war sich die Kommission einig: Das Kunstwerk auf dem Kreisel soll keine Schafe zeigen. «Schafisheim und Schafe, dieser Gedanke ist so nah. Man wollte etwas Originelles», erinnert sich Huggler. Eine erste Idee aber wurde von der Kommission verworfen. Ein profaner Steinhaufen – vom Kanton als Minimum vorgeschrieben – wollte die Kommission nicht. Ein zweites Projekt eines lokalen Künstlers scheiterte an den Kosten. Schliesslich kamen drei Projekte aus der Bevölkerung – und sie hat entschieden.

An der Gemeindeversammlung Ende Juni obsiegte ein «günstiges» Kreiselschmuck-Projekt im Kostenrahmen von gut 60'000 Franken. Das Motiv: «Es zeigt eine Schafherde, welche die Familien in Schafisheim darstellen sollen», erklärt der Gemeindepräsident. Es stehen nun also doch Schafe auf dem Kreisel. Demokratisch bestimmt. Gegen den Willen der Regierenden.

Schmuck oder Kunst?

Kreiselkunst bewegt die Lokalpolitik. Immerhin gibt es weit über 3000 Kreisel in der Schweiz. Genaue Zahlen fehlen, denn natürlich sind auch Kreisel Sache der Kantone und Gemeinden. Erst recht nicht statistisch erfasst wird der Schmuck auf Kreiseln. Die Vielfalt ist aber unübersehbar. Von der überdimensionierten Peperoni aus Eisen im Gemüsebaudorf Birmenstorf (AG) über die Swissair-Heckflosse in Kloten (ZH) bis zum Kampfflugzeug in Grenchen (SO).

Kunst ist oft das falsche Wort, findet Friederike Schmid, eine der bekanntesten «Kreiselkunst-Expertinnen» im Land. Die Kuratorin und Projektmanagerin für Kunst am Bau aus Lenzburg sagt: «Viele Kreiselkunst-Projekte sind aus Sicht der Expertinnen gar keine Kunst.» Echte Kunst müsse die Menschen anregen, so Schmid. «Einfach eine Weintraube in einem Kreisel eines Weinbau-Dorfes, das ist noch keine Kunst.»

Vor sieben Jahren erkor das SRF3-Publikum den Kreisel von Root (LU) zum schönsten Kreisel der Schweiz. Das Projekt war von Friederike Schmid initiiert worden. Der griechische Künstler Costas Varotso schuf eine 25 Meter hohe gebogene Nadel, an deren Spitze ein 140 Meter langes Stahlseil mit einem zweiten Kreisel verbunden ist. Die riesige Nadel scheint jederzeit loszuspicken und soll die Dynamik der Unternehmen und Menschen in der Region symbolisieren.

Das sei mehr als Kreisel-Dekoration, findet die Kunstexpertin. Und doch sei das Werk einfach. «Jeder Kreisel muss auf den ersten Blick lesbar sein. Die Kunst des Kunstkreisels ist, dass es kein Firlefanz ist, sondern eine simple Darstellung, die man auf den ersten Blick entziffern kann.»

Legende: Die «Nadel» von Root (LU) gilt in Fachkreisen als besonders gelungene Kreiselkunst. SRF (Archiv)

Einfach lesbare Kunst, das ist auch im Sinne der Verkehrsexperten. Denn eigentlich haben Kreisel vor allem einen Zweck: Man fährt darum herum. Egal, ob das «Innenleben» aus Dekoration, Schmuck oder Kunst besteht... oder aus Schafen, die man eigentlich vermeiden wollte.

Video
Aus dem Archiv: Kreisverkehr oder Kunst als Hindernis
Aus Kulturplatz vom 30.04.2014.
abspielen

Echo der Zeit, 27.07.2021, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Iris Fenner-Steimen  (Psst)
    Reinhard Mey: Anspruchsvoll, ja anspruchsvoll, und keiner weiss was dieser Scheiss bedeuten soll.
  • Kommentar von Erich Zoller  (Erich Zoller)
    Eines verstehe ich nicht. An Strassenrändern ist das Aufstellen jeder Art von Kunst, Werbung und jede Art Signalisierung die nicht der offiziellen Strassenverkehrsordnung entspricht verboten. Im Kreisel ist offenbar alles erlaubt das den Fahrer ablenkt erlaubt. Sogar lebensgrossen Figuren lenken den Fahrer solange ab bis er festgestellt hat, dass die Figuren keine Menschen sondern eben nur Figuren sind. Der grösste Kreisel- Blödsinn den ich je gesehen habe, ist aber erlaubt.
  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Vor allem sollte man wieder beim Kreisel auf den Ursprung zurückfinden und die Sicht im Sinne der Verkehrssicherheit nicht mit unmöglichen Bauten massiv erschweren. Es sind zwar offiziell alle Massnahmen nur für die Verkehrssicherheit, in der Realität wirken viele der Verkehrsberuhigungen nur noch wie Todesfallen. Jeder Radfahrer kann den Planern hunderte von unglücklich verbauten Verengungen aufzeigen, die nicht sein müssten und auf dem Planungspapier vermutlich noch gut aussehen.