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Landesstreik 1918 Gedenken an den Aufbruch für eine gerechtere Schweiz

Legende: Video Gedenkanlass zum Landesstreik vor hundert Jahren abspielen. Laufzeit 03:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.11.2018.
  • In Olten (SO) hat ein Gedenkanlass zum Landesstreik vor hundert Jahren stattgefunden.
  • Rund 1400 Menschen haben daran teilgenommen.
  • Simonetta Sommaruga wies in einer Rede darauf hin, dass die Schweiz in Sachen Gleichstellung immer noch jahrzehntelange Verspätung habe.

Die Bundesrätin erinnerte daran, dass die Frauen damals wie zuvor schon gerannt seien, um die Streikenden zu verköstigen, um das Komitee zu unterstützen, sich um die Kinder zu kümmern. Gedankt habe den Frauen das niemand.

Dabei sei das Frauenstimmrecht ganz oben gewesen auf der Liste der Streikforderungen. Doch dann sei das Anliegen von der männlichen Bildfläche verschwunden, sagte sie gemäss Redetext. Es habe mehrere Generationen von Frauen gebraucht, die sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzungen und gegen das Laufgitter gewehrt hätten.

Legende: Video Sommaruga: «Wir haben noch Nachholbedarf» abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.11.2018.

Gleichstellung noch nicht Realität

Zu Tausenden seien sie 1969 nach Bern marschiert, um zu sagen, was sie verlangten: Der Bundesrat solle die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnen, aber erst wenn die Frauen das Stimmrecht erhielten.

Zwei Jahre später sei es endlich so weit gewesen: Die Schweiz werde zu dem, was man eine Demokratie nennen könne: Die weibliche Bevölkerung sei nicht länger politisch unmündig gewesen. Heute hätten die Frauen zwar das Stimm- und Wahlrecht, doch in der Realität sei die Gleichstellung noch immer nicht angekommen.

Blutvergiessen verhindern

Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB), sagte laut Redetext, im Rückblick gehöre der Landesstreik zu den grossen Etappen der modernen Schweiz. Der Generalstreik sei damals zum Schwungrad für den Aufbau des Sozialstaates geworden.

Legende: Video Rechsteiner: «Es wäre für die Schweiz gut gewesen, wenn sich der Landesstreik auch beim Frauenstimmrecht durchgesetzt hätte» abspielen. Laufzeit 00:49 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.11.2018.

Nach dem Ultimatum des Bundesrats habe das Oltner Aktionskomitee die Weisheit gehabt, den Streik abzubrechen, um nach der Mobilisierung der Armee ein Blutvergiessen zu verhindern. In der Schweiz dürfe es nie mehr zu einem Einsatz der Armee gegen das eigene Volk kommen, mahnte Rechsteiner.

Solidarität dank kollektivem Handeln

Was zunächst eine Niederlage gewesen sei, habe sich je länger je mehr in einen gewaltigen Erfolg gewandelt. Auf längere Sicht zählten also nicht die Niederlagen. Nach den Worten von SP-Ständerat Rechsteiner zählt «die Bereitschaft und die Kraft, für berechtigte Forderungen weiterzukämpfen».

Im Streik zeige sich am klarsten, warum sich die Arbeitnehmenden in einer Gewerkschaft zusammenschliessen und gemeinsam für ihre Interessen einstehen müssten, sagte Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia. Kollektives Handeln sei gelebte Solidarität.

Schwere innenpolitische Krise

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Schwere innenpolitische Krise

Die Woche vom 7. bis 14. November 1918 gilt als die schwerste innenpolitische Krise seit der Gründung des Bundesstaats von 1848. Nachdem in den Städten die Armee aufmarschiert war und sie in Zürich am 9. November eine Demonstration gewaltsam auflöste, rief das Oltner Aktionskomitee für den 12. November zum Generalstreik auf.

Dem Streikaufruf folgten 250’000 Arbeitnehmende. Nach einem Ultimatum des Bundesrats an die Streikenden drohte eine Eskalation. Das Oltner Komitee beschloss den Streikabbruch. Am letzten Streiktag, dem 14. November, erschoss das Militär in Grenchen drei junge Uhrenarbeiter.

«Zusammen stehen und zusammen kämpfen» seien ein wichtiges Mittel, um den berechtigten Forderungen der Arbeitnehmerschaft Nachdruck zu verleihen, sagte Alleva mit Blick auf die Protestaktionen der Bauarbeiter in den vergangenen Wochen.

«Der Streik in der Schweiz hat eine starke Gegenwart. Streiken ist aktuell, Streiken ist nötig», betonte sie. Im Zusammenhang mit der Lohngleichheit für Frauen und Männer rief die Unia-Präsidentin für 2019 zu einem neuen Frauenstreik auf.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von robert mathis (veritas)
    Schade dass an einem historischen Tag nicht den Kämpfern gedacht wird mit etwas Dankbarkeit statt dessen schiesst Frau Sommaruga giftige Pfeile ab und beklagt sich ... es liegt ja in erster Linie am Bundesrat sich für Neuerungen stark zu machen das würde mehr helfen als nur kritisieren
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    1. Antwort von L. Drack (samSok)
      Dem Artikel entnehm ich keine Giftpfeile Sommarugas, im Gegensatz zu Ihrem Post, Herr Mathis. Ich seh eine kritische Betrachtung der CH Politik der letzten 100 Jahre und den Umgang mit Gleichberechtigung. Dass sie solche Aspekte sowie die Langsamkeit unserer direkten Demokratie miteinbezieht, steht einer Magistratin gut an. Stehen doch ausgesprochen virulente Probleme und deren Bewältigung an: Veränderungen unserer Umwelt belieben kaum auf Volksentscheide zu warten, jedenfalls nicht lange.
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  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    Es gibt unzählige grosse Errungenschaften, welche den leibeigenen, geschundenen Arbeiter von 1918 durch die mutigen Leistungen der Sozialdemokratie kontinuierlich zu einem mit Freizeit und Alterskapital ausgestatteten Angestellten gemacht hat. Bei jeder dieser Errungenschaften (48Std Woche, 5-tage W, bezahlte 2, 3W Ferien, AHV, PK etc etc) ist den ' Sozis' immer die geschlossene buergerliche Front mit dem Argument "damit wird die CH unweigerlich zu Grunde gerichtet" entgegengetreten.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Der Generalstreik war ein Gebot der Stunde, dass die Arbeiterschaft nicht länger durch überhöhte Arbeitszeiten und sonstiger Unterdrückung augebeutet wurden - zu Gunsten zumeist reicher Industrieller. Es waren mutige Leute. Gerade heute ist es wichtig, gegen die Ausbeutung der Arbeiterschaft aufzutreten. Die neo-liberale Wirtschaftsordnung treibt es dahin, dass der Geldfluss immer mehr von unten nach oben verläuft. Umgekehrt wäre nötig. Denn ohne soziale Gerechtigkeit kein richtiger Friede.
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