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Mega-Traktoren belasten den Boden
Aus Schweiz aktuell vom 27.10.2020.
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Landmaschinen in der Schweiz Grösser, schwerer, stärker – Schweizer Bauern rüsten auf

Landwirte und Lohnunternehmen kaufen immer leistungsfähigere Maschinen. Darunter leidet der Boden.

Er ist ein pures Kraftpaket: Der neuste Traktor von Lohnunternehmer Markus Schneider aus Thunstetten im Kanton Bern zählt zum Modernsten, was die Landmaschinenindustrie anbietet. Vorne Pneus, hinten Raupen, 350 PS stark und 16 Tonnen schwer.

Eine Frage der Effizienz

Warum diese Anschaffung für satte 300'000 Franken? Markus Schneider argumentiert mit der Effizienz: «Wir machen mit dem Traktor gleich zwei Arbeitsgänge – den Boden auflockern und gleich auch Gülle unterbringen. Dafür brauchen wir enorme Zugkraft.»

Grosser Traktor mit Güllefass
Legende: Neu, modern und schwer: Diese Maschine bringt 16 Tonnen auf die Waage und hat 350 PS. SRF

Dieser neue Mega-Traktor ist nicht die einzige grosse Maschine von Schneider. Seine Mitarbeiter steuern vierzehn Traktoren, sechs Mähdrescher, einen Zuckerrübenernter und diverse weitere Maschinen.

Das entspricht einem landesweiten Trend: Auf Schweizer Äcker sind immer mehr schwere Maschinen unterwegs. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik sprechen eine eindeutige Sprache. Gab es vor dreissig Jahren nur ein paar wenige Traktoren mit einem Gewicht über 10 Tonnen, so sind es heute mehrere Tausend.

Grafik Anstieg Anzahl Traktoren in der Schweiz.
Legende: BFS

Warum der Trend zu grösseren Traktoren? Schneider: «Aufgrund des Schweizer Wetters müssen wir die Ernte in immer kürzerer Zeit einbringen. Das braucht schlagkräftige Maschinen.» Dazu komme ein anderer Grund: Weil auf den Bauernhöfen immer weniger Leute arbeiteten, brauche es leistungsstärkere und damit grössere Geräte. Und: Stärkere Maschinen müssten entsprechend weniger Überfahrten machen.

Doch das Gewicht auf den Äckern hat Folgen, wie eine Untersuchung des Kompetenzzentrums für Landwirtschaft Agroscope zeigte, das auf unterschiedlichen Böden blaue Flüssigkeit verteilte. Je nach Verdichtung versickerte die Flüssigkeit nämlich mehr oder weniger stark im Boden.

Was das in der Praxis heisst, weiss Landwirt Martin Hegglin aus Menzingen im Kanton Zug: «Unverdichteter, lockerer Boden kann viel mehr Regenwasser aufnehmen. Er wirkt wie ein Schwamm.» Mit bedeutsamen Folgen: Der Boden sei so fruchtbarer, trockne weniger schnell aus und diene als Wasserspeicher. Daher würden die Flüsse bei Regen weniger stark ansteigen und der Boden erodiere auch weniger.

Martin Hegglin bewirtschaftet seinen Hof daher nur mit leichten Maschinen. Sein grösster Traktor wiegt gerade mal knapp vier Tonnen. Dafür schone er den Boden, so Hegglin.

Boden aufbauen – mit Humus

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Gesunde Böden sind für Martin Hegglin sehr wichtig - daher wertet er seine Böden mit eigenem Humus auf. Auf seinem Hof kompostiert er Mist, Grüngut und Mikroben. So entsteht Humus, den er wieder austrägt. So regeneriert sich der Boden. Schwere Maschinen auf dem Acker würden das alles wieder zunichte machen.

Die biologisch-organische Landwirtschaft interessiere die Bauern stark, er werde oft kontaktiert von Berufskollegen. Auskunft gebe er gerne - allerdings lieber per Mail , Link öffnet in einem neuen Fensterstatt Telefon, sonst komme er kaum zum Arbeiten.

Hegglin hat Verständnis für Landwirte, die grosse, effiziente Maschinen einsetzen: «Die Schweizer Landwirtschaft soll immer billiger werden, die Preise werden mit dem Ausland verglichen, das übt Druck aus.»

Dass Hegglin selbst weniger effizient ist mit seiner Methode, nimmt er in Kauf. «Ich mache lieber ein paar Fahrten mehr mit kleinerem Gerät, statt den Boden zu überfordern und die Bodenstruktur zu zerstören.»

Schwere Traktoren geraten unter politischen Druck

Landwirt Hegglin ist damit gut gerüstet, wenn dereinst die neue Agrarpolitik des Bundes in Kraft tritt. Im Gesetzesentwurf wird der Bodendruck an die Subventionen geknüpft. Subventionen soll nur noch erhalten, wer mit Mass auf den Acker drückt. Das Parlament muss dem Entwurf aber erst noch behandeln. Klar ist: Bauern und Lohnunternehmer müssen sich dereinst mit dem Bodendruck beschäftigen.

Weniger Belastung dank technischen Kniffs

Lohnunternehmer Markus Schneider löst das Problem auf technische Art. Die Raupe an seinem neuen Traktor sei schonend, argumentiert er. Das Gewicht des Traktors werde auf eine grössere Fläche verteilt. Zudem hat er Reifendruckanlagen angeschafft. Heisst: Beim tonnenschweren Güllefass wird der Luftdruck reduziert, sobald es aufs Feld fährt. Auch das soll die Auflagefläche vergrössern. Allerdings: das Gewicht der Maschinen bleibt dabei das gleiche.

Schweiz aktuell, 27.10.2020;

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173 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Tatsache ist, es muss sich endlich einiges in der "AGRAR-Politik und industrialisierten LW" der Mini-Schweiz ändern! Die LW der Schweiz, ist für die "ERNÄHRUNGSSICHERHEIT" der Bevölkerung zuständig! Nicht aber für die bewusste: Vergiftung mit - seit Jahrzehnten - tonnenweise CHEMIE (Trinkwasser-Grundnahrungsmittel), Zerstörung von Ökosystem und Umwelt, der "Lebensgrundlage" der Bevölkerung!
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  • Kommentar von George Studer  (George Studer)
    Liebe Leute, die ihr da so alleswissend schreibt: dies ist wieder mal so ein Beispiel dafür, wie unsere heutige Gesellschaft dazu tendiert, etwas in den aufzunehmen, das gerade so medialisiert wird. Doch die wahren Hintergründe will so gar niemand durchleuchten. in südamerikanischen Gefilden mit staatlicher Hilfe riesige Flächen edlen Regenwaldes gerodet, um (!) Soja anzupflanzen, das exportiert wird, auch in die Schweiz, 1/3 des Tierfutters für Fleischvieh besteht aus Sojaschrot aus den Ländern
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  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    Genau solche Lohnunternehmer lassen dann von Teilzeitangestellen ihre superteuren tonnenschweren Maschinen auch nachts bis 2 Uhr und illegal durch Wälder fahrend im nächsten Dorf laut ihre Arbeit tun.
    Muss ja amortisiert werden. -Auf Kosten der Bevölkerung notabene.
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