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SRF-Datenjournalistin Aline Metzler: «Die Gesellschaft ist deutlich liberaler geworden»
Aus News-Clip vom 05.12.2019.
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Langzeit-Umfrage zeigt Diese Lebensfragen sorgen nicht mehr für rote Köpfe

Schweizerinnen und Schweizer sind seit 2006 deutlich liberaler geworden, was Familien- und Beziehungsmodelle anbelangt.

Soll man unverheiratet Kinder haben? Soll man Vollzeit arbeiten, wenn zu Hause Kleinkinder warten? Soll man sich scheiden, obwohl man kleine Kinder hat? Die Meinung von Herr und Frau Schweizer zu diesen doch sehr zentralen Lebensfragen hat sich verändert. Das zeigt ein Blick in die kürzlich erschienenen Umfragedaten des European Social Survey. Erstmals ist auch ein Vergleich zwischen 2006 und 2018 möglich.

Scheidung mit Kindern unter 12 Jahren ist kein Problem mehr. Die Entscheidung von Ehepaaren, sich scheiden zu lassen – trotz Kindern unter 12 Jahren – wurde 2006 im Schnitt noch eher abgelehnt, und zwar von rund einem Drittel der Schweizerinnen und Schweizer. 12 Jahre später, im Jahr 2018, ist die Befürwortung dafür stark gestiegen.

Heiraten wird optional: Über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer war 2018 der Meinung, dass eine Hochzeit nicht unbedingt nötig sei, wenn man zusammenziehen will. Dies war 2006 noch anders – weniger als zwei von fünf Befragten befürworteten es. Der Rest war hauptsächlich unentschlossen.

Ein ähnlicher Trend ist auch bei der Befürwortung von Paaren, welche unverheiratet Kinder bekommen, auszumachen. Dort war die Ablehnung vor 12 Jahren mit knapp 20 Prozent noch deutlich grösser.

Das «DINK»-Modell wird populärer. Obwohl bereits im Jahr 2006 mehr Schweizerinnen und Schweizer die Entscheidung, keine Kinder zu bekommen, eher befürworteten als ablehnten, hat sich diese Tendenz im Jahr 2018 nochmals verstärkt. Sogenannte «DINK»-Modelle («dual income, no kids»), bei denen beide Personen in der Beziehung berufstätig sind und keine Kinder wollen, sind offensichtlich akzeptierter geworden.

Vollzeitarbeit mit Kindern unter drei Jahren ist eine Frage des Betreuungsmodells. Eine Vollzeitstelle und gleichzeitig Kinder unter drei Jahren? Die Befürwortung dazu hat seit 2006 ebenfalls zugenommen. Aber: Die Antworten sind nicht gleich, wenn die Frage betreffend Männer oder Frauen gestellt wird. Insbesondere bei Müttern von Kleinkindern war es 2006 noch verpönt, wenn sie eine Vollzeitstelle hatten.

Knapp 60 Prozent der Befragten lehnten damals dieses Modell ab, nur 10 Prozent befürworteten es. 2018 war es hingegen bereits breiter akzeptiert, wenn Mütter von kleinen Kindern Vollzeit arbeiteten. Das Umgekehrte bei Männern: Mehr Schweizerinnen und Schweizer lehnten es 2018 ab, wenn ein Vater von kleinen Kindern Vollzeit arbeitete.

Aufschieben statt überstürzen: Wichtige Etappen bei der Lebensplanung werden auf später verschoben – im Schnitt um ein bis zwei Jahre. 2006 noch fand die Schweizer Bevölkerung zum Beispiel, mit 23 Jahren sei es Zeit, mit dem Partner zusammenzuziehen. 2018 galt ein Alter von rund 24 Jahren als ideal für die erste gemeinsame Wohnung.

Auch heiraten soll man idealerweise später – neu mit knapp 28 Jahren. 2006 lag das «ideale Alter» noch bei 26.5 Jahren. Deutlich verändert hat sich zudem der Zeitpunkt, um erstmals Eltern zu werden. In 12 Jahren ist er von 27.5 auf 29 Jahre gestiegen. Dafür wollten sich Schweizerinnen und Schweizer 2018 auch erst mit 62 Jahren pensionieren lassen – rund zwei Jahre später als bei der Befragung von 2006.

Über den European Social Survey

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Die Daten stammen vom European Social Survey, Link öffnet in einem neuen Fenster (ESS), welcher seit 2002 alle zwei Jahre durchgeführt wird und Werte, Einstellungen sowie das soziale Verhalten der Bevölkerung erforscht. Der ESS ist eine wissenschaftliche, länderübergreifende Erhebung und wird in mehr als 30 europäischen Ländern durchgeführt. In der Schweiz wird die Befragung vom Schweizerischen Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften (Fors) an der Universität Lausanne übernommen.

Die neunte Erhebung fand im Jahr 2018 statt und wurde Ende Oktober publiziert. Für das vorliegende Projekt wurden diese Umfragedaten sowie die Daten aus der dritten Runde (2006) zum Themenblock «Timing of Life» verwendet.

Die Daten können auf der Webseite des European Social Survey, Link öffnet in einem neuen Fenster heruntergeladen werden. Die Methodik hinter der Auswertung finden Sie auf dem Open-Data-Portal von SRF Data., Link öffnet in einem neuen Fenster

Sendebezug: Radio SRF1, 6.12.2019, ab 6 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zehner  (ZeN)
    Zur gestrigen für fortschrittliche Zivilgesellschaftverfechter eher peinliche Umfrageergebnisse ("gutschweizerische Kompromisse" sind gefragt, usw) muss nun gleich mit für sie viel besser tönenden Umfrage entgegnet werden…
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  • Kommentar von Andreas Jörg  (Flumpi)
    Zusammengefasst: wir sind egoistischer geworden. Me first.
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  • Kommentar von Beat. Mosimann  (AG)
    Familie wird immer mehr zu NEBENSACHE, Familie kann sich die Mehrheit immer weniger gut , eher schlechter finanzieren und dazu kommt noch die Heiratstrafe.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Beat. Mosimann: Die Heiratsstrafe kann in gewissen Kantonen nicht mehr statistisch nachgewiesen werden. Teilweise ist es inzwischen eher schon umgekehrt, dass diejenigen bestraft werden, welche keine Kinder haben, weil sie an immer mehr Familienmodelle mitbezahlen müssen, ohne selber etwas davon zu haben.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Herr Leu, wir sollten doch Familien gerne mitfinanzieren. Denn was ist die Alternative? Die fehlenden Kindern mit Migranten zu ersetzen? Ist es das, was wir wollen? Es sind halt nicht alle gleich finanzstark. Zugegeben, das Modell Vatersch.Urlaub hinterlässt bei mir auch grosse Fragezeichen, wir sollten gezielt Sach-/Dienstleistungen fördern, die sich direkt bei den Kindern zeigen. Doch ganz gerecht wird das System wohl nie werden.
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    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Manuela Fitzi: Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich habe selber Kinder. Aber ich kann mich auch in die, freiwillig oder unfreiwillig, kinderlosen Paare hineinversetzen, die immer mehr Ansprüche in Bezug auf Kinder mitfinanzieren müssen, ohne selber von der Freude an Kindern profitieren zu können. Kinder haben in der heutigen Zeit ist ja immer noch ein freiwilliger Akt. Niemand wird dazu gezwungen.
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