Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona hat Folgen für Läden
Aus HeuteMorgen vom 11.08.2020.
abspielen. Laufzeit 02:36 Minuten.
Inhalt

Leere Innenstädte Coronakrise beschleunigt Ladensterben

Während der Coronakrise hat der Onlinehandel profitiert. Nun sind die stationären Läden wieder offen. Ob sie überleben können, ist ungewiss. Ein Augenschein in Frauenfeld im Kanton Thurgau.

Mittagszeit in der Altstadt von Frauenfeld: Die schmucken Häuser präsentieren sich im schönsten Sonnenlicht.

25'000 Einwohnerinnen und Einwohner hat Frauenfeld. Doch von Einkaufsfieber ist nichts zu sehen: Die Gassen sind verwaist, einige Läden stehen leer. In einem Geschäft für Damenmode dudelt Musik. Kundinnen hat es keine. Verkäuferin Sonja Hauck ist allein.

«Wir haben viele Läden mit Kleidern und Schuhen. Es wäre schon schön, wenn es noch etwas anderes hätte», sagt Hauck. Es habe viele Ladenlokale, die derzeit leer stehen. Da könne man immer hoffen, dass es noch etwas anderes gebe als Kleider und Schuhe.

Ladenmix stimmt nicht mehr

Auch zwei Häuser weiter, im Vape-Shop, der E-Zigaretten verkauft, ist der Besitzer allein. Gerade in kleineren Städten drohen die Innenstädte auszusterben. In der Altstadt von Frauenfeld stimme der Ladenmix nicht mehr.

Die Veränderung beobachtet auch Manuel Cristiani, der einen Kleiderladen führt. Früher habe man darauf zählen können, dass das Geschäft von Donnerstag bis Samstag laufe. Heute sei es härter geworden.

Heute muss man 150 Prozent oder mehr Einsatz leisten, damit unter dem Strich etwas verdient werden kann.
Autor: Manuel CristianiLadenbesitzer

Sein Geschäft laufe jedoch gut, sagt Cristiani. Sein Rezept sei die gute Beratung und ein guter Kundenservice. So offeriert er seinen Kundinnen beim Einkaufen gerne einen Kaffee oder Prosecco.

Events und Gebührenerlass

Es ist der Onlinehandel, der vielen Geschäften zu schaffen macht. In Frauenfeld kommt der Einkaufstourismus im nahen Konstanz hinzu.

Doch die Ladenbesitzer sind nicht allein. Die Stadt Frauenfeld versucht, ihnen zu helfen. Sie organisiert Anlässe, erlässt den Läden gewisse Gebühren, bietet den Ladenbesitzern Coachings an. Man tue alles, um die Altstadt attraktiv zu machen, sagt Stadtpräsident Anders Stokholm.

Mit grosser Anstrengung schaffen wir es, die Attraktivität zu steigern.
Autor: Anders StokholmStadtpräsident Frauenfeld

Letztlich sei der Einfluss der Politik beschränkt. Die Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden, wo sie einkaufen. Verschiedene Ladenbesitzer sind jedoch optimistisch, so etwa Buchhändlerin Marianne Sax. Es laufe sehr gut.

2019 verschwanden über 500 Läden

Box aufklappenBox zuklappen

Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung haben 2019 die Schliessungen wieder die Eröffnungen überwogen. In der ganzen Schweiz standen rund 2'800 Schliessungen 2'300 Gründungen von Detailhandelsgeschäften gegenüber.

In den drei Jahren davor waren jedoch jeweils etwas mehr neue Läden eröffnet als geschlossen worden. Das zeigen Zahlen des Informationsdienstes CRIF vom vergangenen Dezember. Berücksichtigt wurden sämtliche im Handelsregister aufgeführten Detailhandelsgeschäfte, welche in den Jahren 2009 bis 2019 gelöscht respektive neu eingetragen wurden.

Seit 2009 sind in der Schweiz rund 31’400 Läden verschwunden. In derselben Zeit wurden gut 28’600 neue Läden eröffnet. Netto ergibt sich ein Minus von rund 2’750 Läden.

Am häufigsten schlossen in den vergangenen Jahren Bekleidungsgeschäfte. Darauf folgen Kioske und Lebensmittelgeschäfte. Auf dem Spitzenplatz bei den Neugründungen sind ebenfalls die Bekleidungsgeschäfte. Dann folgen Zeitschriftengeschäfte und Fachdetailhandel Nahrungsmittel.

Die Kundinnen und Kunden kämen weiterhin und freuten sich, dass der Laden hier sei, sagt Sax: «Es ist total schön zu erleben, wie wichtig wir vielen Menschen hier in der Stadt sind.»

Heute genügt es eben nicht mehr, gute Produkte zu verkaufen: Man müsse mehr bieten, etwa einen Lieferservice oder Veranstaltungen im Laden. So gelingt es, die Kundinnen und Kunden bei der Stange zu halten.

Video
Aus dem Archiv: Ladensterben ist schon länger ein Thema
Aus Tagesschau vom 05.09.2019.
abspielen

Heute Morgen, 11.08.2020, 06.00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

63 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Ich verwundere mich nicht, wollte im Media Markt ein Speacker kaufen und habe im Internet geschaut, der Artikelnwar in keinem Laden erhältlich jedoch Online sofort lieferbar? Also habe ich den Speaker bestellt und promt 3 Tage später erhalten, mein Bedauern das immer mehr Läden schliessen müssen schwindet da wir ja genau vom selben Management gezwungen werden Online zu kaufen?!?!?
  • Kommentar von Eva Werle  (Wishbone Ash)
    Man muss sich nur die horrenden Mietpreise ansehen, dann weiss man, warum nur noch grosse Ketten sich die leisten können. Und Konsumenten sollten einfach online-Shopping meiden. Wir machen das Ladensterben selbst: Mit Mietwucher und unserem Einkaufsverhalten.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Eva Werle: "Sollten und müssten" bringen uns nicht weiter. Würden die Leute immer noch Briefe schreiben wie vor dem Internet, dann hätte die Post viele ihrer Filialen auch nicht schliessen müssen. Die Mehrheit will Onlin-Shopping, weil es bequem ist. Der Mietwucher wird von selber verschwinden, wenn es keine Mieter mehr gibt in den Innenstädten.
    2. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Dann darf man sich aber weder wundern noch jammern.
      Und für die Ladenbesitzer ist es leider auch kein Trost.
      Ich finde die Argumentation: "Es ist halt so." immer etwas billig, so als könnten wir nicht auch anders wenn wir wollten. Ihr Fortschrittsglaube in Ehren, aber man kann fortschrittliche Entwicklungen auch unter Berücksichtigung der sozio-ökonomischen und ökologischen Folgen sinnvoll steuern.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Eva Werle: Ich stimme mit Ihnen überein, aber ich will mich nicht auf Wunschvorstellungen verlassen und hoffen, dass die Mehrheit freiwillig "vernünftig" wird. Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir die Anreize ändern. Die Abschaffung der Rückforderung der ausländischen Mehrwertsteuer für die Auslandshopper wäre ein erster konkreter Schritt. Dann müssen die Transporte kostendeckend sein, also auch die ökologischen Kosten beinhalten. Nur über das Geldbörse erreicht man Verhaltensänderungen.
  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Schuhgeschäft mit mehreren Filialen in der NW-Schweiz: Reklamation über einen über 200 CHF teuren Schuh vor 4 1/2 Wochen und bis heute noch keine Antwort! Nächster Einkauf: wo? im Internet? im Ausland?