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20 Jahre nach Gondo: Umgang mit Naturgefahren heute
Aus Rendez-vous vom 14.10.2020.
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Lehren aus den Hochwassern 1987 war das Jahr, das den Hochwasserschutz prägte

Die Autobahn in Uri wurde nun umgenutzt – statt vom Wasser zerstört: Sie diente als Überlaufbecken und es funktionierte.

In Gondo trafen vor 20 Jahren zwei Ereignisse zusammen, ein Hochwasser und eine Rutschung. Tod und Zerstörung brachte der Murgang, der um 10.30 Uhr durchs Dorf fuhr und nicht erwartet worden war.

Heute vor 20 Jahren: Tod und Verwüstung in Gondo

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Am 14. Oktober 2000, vor genau 20 Jahren, hat in der Gemeinde Gondo auf der Südseite des Simplons ein Erdrutsch das Leben von 13 Menschen gefordert. Nach tagelangen schweren Regenfällen wälzte sich eine Schlamm- und Gerölllawine mitten durch das Bergdorf, zerstörte 10 Häuser und zeigte eindrücklich auf, wie mächtig Naturereignisse sein können.

Rutschungen sind eine von vielen Naturgefahren. Am häufigsten kommt es in der Schweiz zu Überschwemmungen und Murgängen. 4 von 5 Gemeinden waren in den vergangenen 45 Jahren davon betroffen. Der Schutz der Bevölkerung vor Naturereignissen, das ist die Aufgabe von Josef Eberli. Er leitet im Bundesamt für Umwelt die Abteilung Gefahrenprävention.

Für ihn war Gondo insbesondere wegen der vielen Todesopfer ein sehr einschneidendes Ereignis. Allerdings: «Für die Gefahrenprävention in der Schweiz war das Jahr 1987 entscheidend. Damals hatten wir nach Jahrzehnten ohne grosse Ereignisse ein Ereignis, das über eine Milliarde Franken Schaden brachte.»

Enorme Zerstörung in Uri

Das Unwetter, das im August 1987 über die Schweiz hereinbrach, hat in vielen Regionen zu Überschwemmungen und Murgängen geführt. Stark betroffen waren das Puschlav, das Tessin und das Goms. Am heftigsten traf es aber den Kanton Uri. Die Zerstörung war enorm.

Strassen und das Bahn-Trassee der Gotthard-Linie wurden weggerissen, eine Autobahnbrücke bei Wassen sank ein, weil die Reuss einen Pfeiler unterspült hatte. Ursache für die Schäden war die Hochwasser führende Reuss. Die Dämme des Flusses brachen, und das Wasser floss in die ehemals natürlichen Überschwemmungsgebiete des Flusses.

Die Autobahn als Überlaufbecken: Im Kanton Uri hat der Hochwasserschutz funktioniert.
Legende: Die Autobahn als Überlaufbecken: Im Kanton Uri hat der Hochwasserschutz funktioniert. Keystone

«Man hat erkannt, dass dieses Überschwemmungsgebiet stark überbaut war und dass deshalb diese grossen Schäden entstanden sind», so Eberli. Diese Erkenntnis führte zum Umdenken. Man müsse darauf achten, dass Gefahrengebiete nicht immer intensiver genutzt werden, denn so steige das Schadenpotenzial immer mehr an.

Das Risiko miteinbeziehen

Das neue Zauberwort heisst «integriertes Risikomanagement». Dabei arbeiten die unterschiedlichsten Bereiche Hand in Hand. Von der Raumplanung bis zum lokalen Krisenstab, der im Ereignisfall zum Einsatz kommt. Simpel umschrieben will die Methode nicht nur schützen, sondern mögliche Schäden vorausschauend vermeiden.

Deshalb werden seit 1987 Gefahrenkarten mit dem Ziel erstellt, gefährdete Gebiete gar nicht erst zu überbauen, sondern besonders zu schützen oder im Extremfall zu räumen.

Im Kanton Uri wurde nach 1987 viel Geld in diesen neuen Hochwasserschutz investiert. Man verstärkte die Dämme der Reuss und schaffte Abflusskorridore für ein allfälliges Hochwasser. Zusätzlich nutzt man die Autobahn stellenweise als Überlaufbecken.

Hochwasserschutz besteht Praxistest

Ihre Feuertaufe bestanden diese Massnahmen Anfangs Monat. Am Wochenende vom 3. und 4. Oktober führte die Reuss nach Starkregen erstmals ähnlich viel Wasser wie 1987. Doch passiert sei nicht viel, sagt Eberli.

«Vor 14 Tagen hatten wir bei der Urner Reuss nur die Autobahn 19 Stunden gesperrt. 1987 hatten wir 500 Millionen Franken Schaden in Uri und die Autobahn war einen Monat gesperrt, weil sie zerstört war.»

Abgeschlossen ist die Arbeit aber noch nicht. Eine Aufgabe von Eberli und seinen Mitarbeitern ist, es Möglichkeiten zu finden, um Naturereignisse noch besser vorhersagen zu können. Schwierig zu prognostizieren sind etwa Rutschungen wie die, die vor 20 Jahren Gondo verwüstet haben. Erst in diesem Jahr wurde damit begonnen, ein Warnsystem für Rutschungen aufzubauen.

Rendez-vous vom 14.10.2020

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Vor zwei Wochen ist der Lago Maggiore wirklich über das Ufer geschwappt. Noch am Dienstag vor einer Woche war der Weg in Locarno und Ascone mit Treibholz übersäht und randvoll,, heute ist er nun 1;5 Meter tiefer, so schnell geht das. Nur die grossen Baumstämme erinnern an den Regen vor 2 Wochen. Die Bäume verdunsten auch Wasser. Um das Schloss und Kirche San Francesco hat es 2 Linden mit 4 Meter Umfang. 2 Platanen mit 5,5 Meter Umfang und mehrere Kampferböume, einer mit über 8 Meter Umfang.
    1. Antwort von Enrico Dandolo  (Doge)
      Der Lago Maggiore wird über das Wehr Miorina bei Sesto Calende reguliert. Dabei arbeiten die Italiener und die Schweizer mittlerweile sehr gut zusammen, obwohl die Erwartungen an die Pegelstände zum Teil unterschiedlich sind. Auch das ist Erfolg.
  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Sehr guter Artikel, der zeigt, dass die Fehler der Vergangenheit sehr wohl korrigiert werden können. Zentral ist, der Natur genügend Platz einzuräumen und die Gefahrenpotenziale früh zu erkennen. Das wurde hier vorbildlicht gemacht. Kompliment!